Das Geschäft mit dem Krieg

11. April 2008, 15:11
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Rolf Uesseler analysiert in "Krieg als Dienstleistung" einen besonderen profitablen Wirtschaftszweig: Private Militärfirmen

Private Militärfirmen (PMF) sind mittlerweile auf allen Kontinenten tätig. Die weltweit rund 1,5 Millionen Beschäftigten führen Arbeiten durch, die früher allein den nationalen Militärs vorbehalten waren: Sie spähen Angriffsziele aus, analysieren Risiken, entwickeln Waffensysteme und beteiligen sich an Kampfeinsätzen. Immer mehr Staaten lagern militärische Funktionen aus, das Geschäft mit der Sicherheit floriert: Im Jahr 2005 erwirtschafteten PMF weltweit einen Umsatz von über 200 Milliarden Dollar.

Zu welchen Problemen der Einsatz von privaten Militärfirmen in Krisengebieten führen kann, zeigt der deutsche Autor Rolf Uesseler in seinem Buch „Krieg als Dienstleistung. Private Militärfirmen zerstören die Demokratie.“ Wie schon der Untertitel andeutet, kritisiert der Wissenschafter, dass durch PMF staatliche Gewaltmonopole ausgehöhlt werden. Er warnt vor den Gefahren, die mit dieser Privatisierung einhergehen: Es würden rechtsfreie Räume entstehen und das Völkerrecht werde ausgehebelt. Indem man Sicherheitsfragen in die Hände von PMF legt, begeben sich viele Staaten in ihre Abhängigkeit, so der Autor.

Breiter Aktionsradius

PMF sind in zahlreichen unterschiedlichen Feldern tätig, ihren Aktionsradius reduziert der Autor auf drei große Bereiche: sie stellen die Sicherung von Rohstoffen sicher, widmen sich militärischer Aufgaben und sind im Rüstungsbereich tätig.

Zu den Gründen für den rasanten Aufstieg dieser Firmen zählt Uesseler das Ende des Kalten Krieges und die Globalisierung der Wirtschaft. Hinzu kommt, dass ein jeder ihre Dienste in Anspruch nehmen kann – sofern er die dafür nötigen finanziellen Mittel hat. Nicht nur die Regierungen und Geheimdienste der Industrienationen, sondern auch Rebellengruppen aus den Ländern des Südens zählen zu den Auftraggebern von PMF, unterstreicht der Autor. Am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo zeigt er, dass besonders Diktatoren oder Kriegsfürsten von der Zusammenarbeit mit den „modernen Söldnern“ profitieren. Aber auch internationale und humanitäre Organisationen befinden sich oft im „militärischen Windschatten“, wenn sie zu ihrem Schutz PMF anheuern.

Kerntruppen

Wie Uesseler betont, sind besonders in den USA und Großbritannien die PMF zu einem rasant wachsenden Wirtschaftszweig geworden. Die meisten dieser Firmen sind auch dort beheimatet. So stecken unter dem Dach von Lockheed/Martin, des größten Rüstungskonzerns der Welt, private US-Militärfirmen wie MPRI (Military Professional Resources Inc.), TITAN Corporation oder ACS Defense. Dennoch: PMF sind keineswegs auf den anglophonen Raum beschränkt. Besonders Frankreich, Deutschland oder die Niederlande holen auf, auch wenn sie dabei vergleichsweise indirekte Wege beschreiten: sie bauen nationale Streitkräfte zu Kerntruppen um und legen alle anderen militärischen Aufgaben in die Hände von PMF, unterstreicht Uesseler.

Krieg als Dienstleistung ist ein gründlich recherchiertes Buch, das anhand zahlreicher Fallbeispiele aus der Gegenwart und der Vergangenheit die neuen Akteure in kriegerischen Auseinandersetzungen analysiert. Einen besonderen Pluspunkt erhält das Buch durch die zahlreichen Grafiken sowie den Anhang, der nicht nur eine ausführliche Bibliographie und weiterführende Literatur umfasst, sondern auch eine Liste von privaten Militärfirmen in Internet samt Herkunftsland und Arbeitsschwerpunkt. (red, derStandard.at. 28.11.2007)

Krieg als Dienstleistung - Private Militärfirmen zerstören die Demokratie
Rolf Uesseler
Ch. Links Verlag
2006, 240 Seiten, € 15,40
ISBN: 3-86153-385-5

  • Artikelbild
    foto: ch. links verlag
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