Beitrag von Wikipedia-Gründer gelöscht - Das Lexikon wandelt sich

18. Oktober 2007, 15:14
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Begründung des Administrators: "Wir sind nicht die Gelben Seiten" - Vorfall löste heftige Debatte in der Community aus

Das freie Lexikon Wikipedia ist wegen seiner Offenheit und der daraus folgenden Manipulierbarkeit immer wieder unter Kritik geraten. Konzerne und bekannte Persönlichkeiten schreiben ihre Artikel schön, konkurrierende Unternehmen versuchen sich gegenseitig schlecht zu machen. Damit diese Art des Vandalismus nicht überhand nimmt, sorgen Administratoren für Recht und Ordnung im Land des freien Wissens.

Lückenhaft

Doch das System arbeitet nach eigenen Gesetzen. Wie Spiegel-Online berichtet, kam es letzte Woche zu einem besonders kuriosen Vorfall, der in einem Grundsatz-Streit zwischen den Wikipedianern endete.

Nach einem Restaurant-Besuch in Südafrika fühlte sich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales danach die kleine Geschichte hinter "Mzoli's Place" in einem Artikel festzuhalten. Doch das romantische Beispiel eines einfachen Metzgers, der aus dem Nichts einen der populärsten Freizeit-Orte in Kapstadt schuf, schien nicht in jedermanns Augen von allgemeiner Relevanz zu sein.

"Wir sind kein Reise-Führer" Der 19-jährige Administrator Chad Horohoe löschte Wales Beitrag bereits wenige Minuten später mit der Begründung der Beitrag sei irrelevant. Als der junge US-Amerikaner von Kollegen kritisiert wurde, untermauerte er sein Vorgehen mit der Begründung, Wikipedia sei nicht die Gelben Seiten und auch kein Reise-Führer. Nach dem das beschriebene Lokal medial kaum Niederschlag gefunden hatte, gäbe es auch keinen Platz dafür in der Online-Enzyklopädie. Auch Jimmy Wales habe sich daran zu halten und dürfe nicht über die Regeln gestellt werden.

Streit

Während einige Administratoren Horohoe angriffen, stellten sich auch so manche Kollegen auf dessen Seite und warfen Wales Schlamperei und Werbung vor. Der Gründer ließ die Anschuldigen nicht auf sich ruhen und verwies die Gemeinde-Mitglieder in ihre Schranken.

Mittlerweile ist der heftig diskutierte Artikel wieder verfügbar und die Streiterei um den Beitrag hat den Aufwand für die bislang 6.200 Wörter starke Geschichte an Mühen um ein Vielfaches übertroffen.

Kernfrage

Jene, die über den Verbleib von Artikeln bestimmen dürfen, müssen sich erst qualifizieren, um den Administratoren-Status zu erreichen. Sie sollen auf freiwilliger Basis für die Qualität des Lexikons sorgen. Doch die immer ausschweifenderen Debatten zwischen Experten und Möchtegern-Fachleuten führen indes zu einer Verschlechterung des Arbeitsklimas, moniert Administrator Andrew Lih. "Die wesentlichen Tätigkeiten bei Wikipedia werden bald das Löschen, Stutzen, Zitieren und Hinterfragen von Beiträgen sein", zitiert ihn Spiegel-Online. Hieß es bislang noch "Jeder kann mitmachen", nähert sich die Zeit, in der Wikipedia endgültig in den "Wartungsmodus" umschaltet.

Wie es scheint. gilt es bis dahin noch die Werkzeuge dafür zu schleifen. (red)

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