Riegeler Neun Linden

1. Oktober 2007, 09:26
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Brauerei: Fürstenberg
Braumeister: Helmut Barkes
Typ: Festmärzen
Alkohol: 5,6 % ABV

Die südwestlichste Ecke Deutschlands hat sich den Ruf erworben, eine besondere kulinarische Hochburg zu sein - hier gibt es die größte Dichte an Haubenlokalen, hier genieren sich die Menschen auch nicht (wie in stärker protestantisch geprägten Gebieten des Nachbarlandes), sich zum Genuss zu bekennen. Und wie steht es um das Bier?

Interessanterweise kommt kaum eine Marke aus Baden-Württemberg über eine regionale Bedeutung hinaus - mit der bemerkenswerten Ausnahme Rothaus, jener staatlichen Brauerei, die langsam, aber stetig zu einem Kultstatus aufgestiegen ist und von ihren (vorwiegend studentischen) Fans in Städten wie Frankfurt und Berlin stark nachgefragt wird; in kleinen Mengen taucht das Rothaus-Bier gelegentlich auch in Wien auf. Und dann gibt es eine Brauerei in der Region, die Weltgeltung hat: Die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei in Donaueschingen, die international ihr sehr aromatisches Pils als eine Art Luxusgetränk etablieren konnte.

Im Jahr 2000 kam eine andere Brauerei aus dem Regierungsbezirk zur Fürstenberg-Brauerei: Der Binding-Konzern (heute: Radeberger Gruppe) verkaufte die 1834 gegründete Brauerei in Riegel am Kaiserstuhl an die Fürstenberger. Die fürstliche Brauerei in Donaueschingen gab damals eine Standortgarantie ab. Aber nachdem die Fürstenberg-Brauerei selber verkauft wurde (im Oktober 2004 an die Brau Holding International, an der wiederum Heineken zu 49 Prozent beteiligt ist) kam auch das Aus für den Brauereistandort Riegel.

Nicht aber für die Marke

Friedrich Georg Hoepfner (der seine eigene Hoepfner Brauerei in Karlsruhe in die BHI eingebracht hat und nun die ganze Gruppe managt) hat mich dieser Tage darauf hingewiesen, dass es nun ein neues Riegeler Bier gibt, das ich unbedingt kosten sollte. Schließlich liebten wir Österreicher doch Märzenbiere. Das Bier, das mir Hoepfner servieren ließ, hat seinen Namen nach acht Linden, die auf dem Kaiserstuhl gewachsen sind - die neunte wurde vor einem Gasthaus in Vogtsberg am Kaiserstuhl gepflanzt. Nach dieser bekannten Gaststätte heißt nun das neue Bier, das in Bügelverschlussflaschen geliefert wird und damit eine nostalgische Ausstrahlung vermittelt.

Es handelt sich um die deutsche Interpretation des Märzentypus mit knapp 14 Grad Stammwürze und einem deutlich höheren Alkoholgehalt als bei unseren Märzenbieren üblich. Die hell-goldgelbe Farbe ist unseren Märzen- und den süddeutschen Export-Bieren ähnlich, das Bier zeichnet sich durch eine süßliche, leicht fruchtige Nase aus, man ist an Orangeat und Fruchtkuchen erinnert. Der Antrunk ist voll, aber bei weitem nicht so süß wie es der Geruch erwarten ließe. Ein erfrischend-prickelnder und leicht säuerlicher Ton stellt sich erst nach diesem ersten Eindruck ein und dann folgt eine sehr harmonische Bittere, die den Nachtrunk dominiert.

Erhältlich ist das Bier - wie schon erwähnt, typischerweise - leider nur im südlichen Baden-Württemberg. (Conrad Seidl)

  • Riegeler Neun Linden im Bräustübl Donaueschingen.
    foto: conrad seidl

    Riegeler Neun Linden im Bräustübl Donaueschingen.

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