Der Vorstoß Korineks war im Kern vollkommen richtig. Der Wunsch nach Sicherheit verdränge Grundrechte wie das Briefgeheimnis, das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz. Wenn das passiere, so Korinek, entwickle sich Österreich zu einem "totalitären Staat". Der Höchstrichter hätte noch dazusagen können: mit demokratischer Fassade.
Grundrechte und Presseausweise
Da die meisten Politiker nur jene Artikel lesen, in denen sie selbst vorkommen, entgehen ihnen Analysen und Debatten, auf denen Korineks Argument fußt. Denn als Folge von 9/11 hat ja auch die österreichische Regierung versucht, die Situation auszunützen und wie die USA Grundrechte zu beschneiden. Als ich das in einem Kommentar dem damaligen Innenminister vorwarf, bestrafte er gleich die ganze Journalistenzunft und weigerte sich monatelang, neue Presseausweise auszustellen. Die Pressefreiheit beschneidende Gesetzesentwürfe des Justizministeriums wurden erst nach Protesten zurückgezogen.
Als Anfang September der Leiter der Linzer Ars Electronica, Gerfried Stocker, im "Montagsgespräch" des Standard und später in einer Pressekonferenz das heurige Thema mit dem Satz "Der Orwell'sche Überwachungsstaat ist keine Vision mehr" vorstellte, rührte sich kein Politiker, keine Politikerin vom Fleck. War ja nur die Feststellung eines Internet-Experten. Noch dazu eines "künstlerischen Leiters". Nicht wichtig.
Lauschangriffe und Überwachung
Bei der Ars Electronica gab es zum Beispiel ein Symposion über "Grundrechte in der digitalen Welt". Warum soll sich das die Spitzenpolitik geben? Es häufen sich bloß die Lauschangriffe (Bravo: Da erwischen wir endlich die muslimischen Terroristen). In den letzten eineinhalb Jahren hat sich die Zahl der offiziell angemeldeten Überwachungsanlagen in Österreich verzehnfacht (Bravo: Dieben wird das Handwerk gelegt). Die ÖBB betreiben auf ihren Bahnhöfen bereits über tausend Kameras (Bravo: Endlich werden kriminelle Ausländer und Sandler kontrolliert).
Das gemeine Publikum findet noch ganz andere Sachen ziemlich gut. Willig liefert man bei Versandhäusern und Supermärkten persönliche Daten ab, um an die Billig- und Treueangebote heranzukommen. Dass die gesammelten Daten zu intimsten Einsichten verknüpft werden können, kümmert niemanden.
Überwachung geradezu gefordert
Mittlerweile wird Videoüberwachung geradezu gefordert. Von Mietern in großen Wohnanlagen genau so wie von Anrainern stark befahrener Straßen. Die wenigsten fragen, was mit den Daten geschieht. Die wenigsten wissen aber auch, dass keine einzige E-Mail, die sie löschen, auch wirklich gelöscht ist.
Alles bleibt, alles lässt sich wiederfinden. Das geht bis hin zu den Familien- Infos, die Kids mit ihren Freunden und Freundinnen austauschen.
Der gläserne Bürger ist jetzt schon Wirklichkeit. Der von der Stasi überwachte noch nicht. Weil Kontrolle noch möglich ist. Aber zu Orwell tritt Aldeous Huxleys "Brave New World": durch Unterhaltung und wachsenden Konsum vernebelte Bürger. Quotenfernsehen und Voyeur-Magazine lassen auch die Politik zum Amüsement verkommen. (Von Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe 1.10.2007)
Vehemente Gegner des Türkei-Beitritts zur EU müssen sich immer unbehaglicher fühlen
Populismus ist in der Politik nicht verboten, so er nicht auf autoritär linke oder rechte Abwege gerät
Das riesige Land steht nach der WM an der Schwelle zu einer weltpolitischen Rolle
Hat den FPÖ-Chef der Wehrsport im heimatlichen Walde geistig so erregt, dass er Jüngers Widerstandsroman ins literarische Licht gerückt hat?
Wer nichts zu verbergen hat, hat Kontrolle auch nicht zu fürchten. Das ist das Eine.
Das Andere ist, daß ich mich ganz persönlich durch die Überwachungskameras z.B. in den U-Bahnen und am Karlsplatz doch sicherer fühle. Übeltäter werden dadurch mit Sicherheit abgeschreckt.
…zu der betreffenden Zeit "außer Funktion".
Das sollte ihnen bezüglich dieses Stehsatzes "Wer nichts zu verbergen hat…" zu Denken geben.
Das Problem sind nicht die Aufzeichnungen selbst. Das Problem ist, was damit alles angestellt werden kann.
Siehe:
http://derstandard.at/?id=30550... pid7709072
wie oft ich das lese... ich habe aber was zu verbergen, das nennt sich PRIVATleben, das heißt so weil es MEINE Sache ist, und das hat keinen Beamten zu interessieren, mit wem ich mich als unbescholtener Bürger unterhalte, ob ich meine Frau betrüge oder nicht, ob ich irgendwelche Krankheiten und Leiden habe die ich nicht preisgeben will, ob ich an einen Gott (egal welchen) glaube oder nicht, ob ich den Kanzler für an Deppen halte oder nicht, was meine sexuellen Vorlieben sind und so weiter.
Ich will keine permanent überwachte, gleichgestellte Seriennummer sein. Und eine Frage die meines Erachtens zu selten und ungenau beantwortet wird: Wer überwacht eigentlich die Überwacher?
Das trifft es recht genau auf den Punkt.
Die andere Seite der Medaillie, wer etwas zu verbergen hat, weis auch wie man den Kameras aus den Weg geht, wo er sich bücken muß um Schuhbänder zu knüpfen,wie weit er sich die Kappe ins Gesicht ziehen muß, wie oft er die Kappe wechseln muß,...
Wenn als die Täter die Kameras umgehen können, wofür benötigen wir sie denn dann?
In den Banken hängen seit mehr als 20 Jahren Kameras. Trotzdem steigt die Zahl der Banküberfälle von Jahr zu Jahr. Sprich: Nicht einmal zurechnungsfähige Täter lassen sich davon abschrecken. Betrunkene, Perverse, etc. schon gar nicht.
Ach ja: http://www.heise.de/tp/r4/art... 543/1.html
Wobei:
"Das gemeine Publikum findet noch ganz andere Sachen ziemlich gut. Willig liefert man bei Versandhäusern und Supermärkten persönliche Daten ab, um an die Billig- und Treueangebote heranzukommen. Dass die gesammelten Daten zu intimsten Einsichten verknüpft werden können, kümmert niemanden. "
Ich glaube nicht, dass es niemanden kuemmert, ich glaube viel eher, dass niemand damit rechnet. Und vor allem niemand weiss, was alles schon möglich ist..... und wie es genutzt wird (Stichwort: Lebensmittelhandel mit psychologisch eingesetzten Durchlaufmustern.... wer sich nicht entziehen kann wird "selbst Schuld" gemacht)
…Der Schritt vom "demokratischen" Überwachungsstaat zum "totalitären" kann aber ganz kurz sein.Es liegt bloß nur mehr an jenen,die nach Gutdünken entscheiden können,WAS sie mit dem ganzen Bandlwerk anfangen WOLLEN.
Und da ist jedem nur denkbaren Mißbrauch Tür u.Tor geöffnet.Man sieht es ja seit langem i.d.Praxis (ganz ohne Datenmißbrauch): Es fängt beim kleinen Undercover an,der etwa einem ungeliebten Widersacher ein Briefchen mit Koks unterjubelt.Es geht über Industriespionage,Ränkespiele div.Politiker bis ganz zum Hausmeister,der bislang durchs Guckloch seines Gemeindebaues "Informationen" sammelte. Es sind alles Menschen.
Denn wie uns die Geschichte lehrt, sind neue Errungenschaften nicht immer zum Wohle d.Allgemeinheit benutzt worden…
…Die Ü-Kamera im explodierten Londoner Bus hatte eine "Fehlfunktion", obwohl sie am VORTAG einer "Wartung" unterzogen wurde. Keine Ü-Bilder!
Es geht w.g.also nicht nur um das Aufzeichnen von Daten, sondern WAS MAN DAMIT ALLES ANSTELLEN KANN.
Wie im Falle der Bilder der Ü-Kamera in Luton, welche die "üblichen Schuldigen" mit Rucksäcken zeigt - aber zu einer Zeit, wo sie lt.Fahrplan mit den Öffis niemals die Orte der späteren Explosionen erreichen hätten können. Überdies kann man ja Zeitangaben schön ein-oder auskopieren.
Dies soll veranschaulichen, wie SUBTIL Mißbrauch eigentlich sein kann: MANIPULATION v.Informationen, die-wären sie nicht publikumswirksamst (Ü-System)verfügbar-nicht so leicht als "Tatsachen" verkauft werden könnten.
Wenn Sie sich nicht dem gemeinen Publikum zugehörig fühlen, kommen Sie auch sicher nicht mit Überwachungskameras (auf ÖBB-Bahnhöfen z.b.) in Kontakt. Sie bevorzugen sicher das private Verkehrsmittel Auto. Da laufen Sie und Herr Korinek auch nicht Gefahr, das Ihnen das Taschl gezogen, Sie über die Rolltreppe hinuntergestoßen oder sonstwie gemein behelligt werden.
Und willig Daten in Kaufhäusern abliefern und womöglich die BH-Größe angeben werden Sie ja hoffentlich nicht. (Denn nur die werden länger archiviert, im öffentlich Raum werden Überwachungsdaten nach 48 Stunden gelöscht).
Ihre und Korineks Furcht ist daher eher unbegründet.
Gar so interessant ist man nämlich nicht, auch wenn man das selbst so findet.
... auch schon munter, gell??? Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass die Welt so funktioniert, wie Sie sie beschreiben?
Es soll ja Menschen geben, welche sich recht gerne und oft in der Öffentlichkeit zeigen: Manche Politiker, Adabeis, Unternehmer, Exhibitionisten ... vielleicht können Sie eine Analogie zu einer solchen Gruppe finden?!
Ja, Herr Sperl, ich gehöre auch zu denen, die Supermärkten "willig" Daten abliefert. wissen Sie wie egal es mir ist, ob die Firmen es verknüpfen können, dass ich Tiefkühlfisch und vielleicht Unterhosen im Sonderangebot kaufe?
Es ist mir auch völlig egal, ob die US-Regierung erfährt, welches Menü ich am Flug in die USA bestelle und welche Adresse ich in Österreich habe.
Diese eigentlich nur von Journalisten geschürte Panikmache gegenüber wirklich harmloser Datensammlung geht an den wirklichen Problemen, die unsere Freiheit bedrohen, weit vorbei.
Vermutung: die meisten haben KEINE Ahnung, welche psychologischen Spielchen bereits ablaufen, wie manipuliert Sie bereits werden, eben WEIL Sie die Daten abgeliefert haben. Panikmache? Viel zu spät. Wenn Sie das nächste Mal einkaufen gehen, zählen Sie, wie viele Waren Sie ins Wagerl werfen, die Sie vorher nicht geplant haben.
gehört Ihre Einstellung.
Selbstverständlich ist es Ihr Recht, eine gläserne Existenz zu führen. Problematisch wird es dort, wo Sie diejenigen, die ihr Recht auf Privatsphäre einfordern, pauschal als Panikmacher diffamieren.
viele begreifen gar nicht, was diese Datensammlungswut im Endeffekt bewirkt und wohin sie führt.
Irgendwann wird's dann soweit sein, daß es Leute geben wird, die bei einer Bewerbung dann hören, daß sie leider nicht eingestellt werden können, weil sie zu viel Schokolade und Red Bull konsumieren und deshalb zu einer Risikogruppe gehören...
Oder sie für einen Job in der Öffentlichkeit nicht geeignet sind, weil sie aufgrund gekaufter kritischer Bücher offenbar als Querolant und nicht "gesellschaftskonform" eingestuft werden müssen...
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