Ein Handy mit zwei Sim-Karten

18. Februar 2008, 13:11
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Wer das nun wieder braucht? Vielreisende, die sich über Roaminggebühren ärgern - Oder Geschäftsleute, die zwei Handys mit sich herumtragen müssen

Mitte November bringt das junge Unternehmen BellPepper Mobile AG aus München eine Neuheit heraus: ein UMTS-Handy mit Platz für zwei SIM-Karten. Es kann sich in zwei Mobilfunknetze parallel einbuchen, der Nutzer ist auf beiden Nummern gleichzeitig erreichbar. Christian Deilmann ist Vorstand von BellPepper.

der Standard: Ihr Team: eine Hand voll Jungunternehmer. Ihr Ziel: den hart umkämpften Handymarkt anzugehen.

Christian Deilmann: Auf die Idee kamen wir vor anderthalb Jahren auf einem Unternehmer-Seminar der Technischen Uni München. Zuvor hatte ich bei einem Auslandsaufenthalt gemerkt, wie unkomfortabel das Leben mit zwei Handys ist. Wer hat schon Lust, immer zwei Geräte und zwei Ladekabel mit sich zu tragen?

der Standard: Vor Ihnen ist noch nie jemand auf die glorreiche Idee gekommen?

Christian Deilmann: Einige Geräte gibt es in Asien, die sind in Europa aber nur schwer oder gar nicht erhältlich. Sie erfüllen außerdem nicht alle europäischen Zertifikats- und Gesetzesvorschriften. Auch die technischen Anforderungen können nicht mit westlichen Standards mithalten. Die Bedürfnisse der Geschäftskunden bleiben also völlig unberücksichtigt. Und die wollen zum Beispiel ein UMTS-Handy.

der Standard: Sie glauben an so viele verzweifelte Zwei-Handy-Nutzer, die auf Ihr Produkt gewartet haben?

Christian Deilmann: In Deutschland und Österreich existieren mehr SIM-Karten als Einwohner, irgendwo muss man ja hin mit der zweiten Karte. Unsere Markteinschätzung basiert für Deutschland auf 650.000 Kunden pro Jahr. Auch für Grenz- gänger und Vielreisende ist das TwinBell interessant: Künftig sparen sie sich Roaminggebühren, indem sie im Ausland einfach eine Prepaid-Karte kaufen und in den zweiten Steckplatz des TwinBell stecken.

der Standard: Sie nehmen den Kampf gegen den mächtigen Markt der Mobilfunkbetreiber und Gerätehersteller auf. Klingt nach David gegen Goliath. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Christian Deilmann: Eigentlich haben wir nicht die Absicht, uns jemandem entgegenzustellen. Wir wollen uns allerdings auch nicht von Machtspielen in der Mobilfunkbranche abhängig machen. Bei BellPepper steht der Nutzer im Vordergrund.

der Standard: Hersteller, die für den Massenmarkt produzieren, sind davon abhängig ...

Christian Deilmann:... dass ihre Endgeräte in das Sortiment der Provider aufgenommen und subventioniert verkauft werden. Wir glauben: Für einige Mobilfunkanbieter ist es unattraktiv, Geräte mit zwei SIM- Karten zu subventionieren. Schließlich könnten Kunden als zweite Karte dann eine von der Konkurrenz verwenden.

der Standard: Wer produziert das TwinBell?

Christian Deilmann: Produktionspartner ist einer der großen Auftragsfertiger in Asien, mit viel Erfahrung in den Technologien, die für unser Produkt wichtig sind. Unser BellPepper-Team hat das Gerät seit Anfang des Jahres in enger Zusammenarbeit mit unserem Partner entwickelt.

der Standard: Das Gerät bietet gängige Features wie UMTS, Videotelefonie, Bluetooth und E-Mail, kommt optisch aber eher zurückhaltend daher. Deilmann: Unsere vorrangige Zielgruppe, Geschäftskunden, interessiert der Mode-Aspekt wenig. Deshalb haben wir uns für ein zeitloses Design entschieden. Angenommen, ich möchte gar nicht immer über beide Rufnummern erreichbar sein.

Christian Deilmann: Dann lässt sich eine der beiden Karten vorübergehend ausschalten.

der Standard: Wie werden Sie das Handy vertreiben?

Christian Deilmann: Wir verhandeln gerade mit strategischen Partnern. Das werden wohl Großhändler, Fachhandelsketten und Mobilfunkanbieter sein. Über den Webshop aber lässt sich das Handy jederzeit und ohne Vertrag kaufen.

der Standard: Zu einem recht hohen Preis: 449 Euro veranschlagen Sie derzeit.

Deilmann: Für uns war es mit großem Aufwand verbunden, die Funktionalität des Zwei-Karten-Handys für den europäischen Markt zu entwickeln. Senken können wir ab November vorerst eins: die Handy-Gebühren unserer Kunden.(Mareike Müller/DER STANDARD; Rondo)

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    foto: hersteller
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