"Friedensfahrt" ins Reich des Kim

5. Oktober 2007, 10:19
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Südkoreas Präsident Roh Moo-hyun ist zu seinem dreitägigen Besuch im kommunistischen Norden angekommen - mit Grafik

Südkoreas Präsident Roh Moo-hyun ist am Dienstag in Pjöngjang vom nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il zum erst zweiten innerkoreanischen Gipfel seit dem Koreakrieg begrüßt worden. Das berichteten südkoreanische Medien.

Roh hatte zuvor zu Fuß die Demarkationslinie im Grenzgebiet zu Nordkorea überschritten. Er stoppte seine gepanzerte Limousine an der Grenze und überquerte dann den 80 Zentimeter breiten gelben Streifen auf der Straße, der die Grenze markiert. Auf der anderen Seite wurde Roh von Vertretern Nordkoreas begrüßt. Eine Frau in traditioneller Kleidung überreichte ihm einen Blumenstrauß.

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Wien/Seoul/Pjöngjang – Eine halbe Milliarde US-Dollar hat Kim Dae-jung heimlich gezahlt, um im Juni 2000 als erster südkoreanischer Präsident den „Geliebten Führer“ im kommunistischen Norden, Kim Jong-il, besuchen zu dürfen. Kim Dae-jungs Nachfolger Roh Moo-hyun hat sieben Jahre später angeblich keine Geldkoffer im Gepäck versteckt. Zu groß war der Skandal um den vom Hyundai-Konzern finanzierten Trip nach Pjöngjang. Doch Roh kommt mit dem Plan einer „Wirtschaftsgemeinschaft“ zu dem am heutigen Dienstag beginnenden zweiten innerkoreanischen Gipfel und will vor allem eines: Geschichte schreiben.

„Viele Themen werden auf der Agenda des Gipfels stehen, aber einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu schaffen wird meine größte Priorität sein“, kündigte Roh Moo-hyun, dessen Amtszeit nächsten Februar endet, am Montag an.

40 Meter Fußmarsch

Der südkoreanische Präsident fährt am Dienstagmorgen mit einer Limousine zur so genannten „Entmilitarisierten Zone“, nicht ganz eine Autostunde nördlich von Seoul, gefolgt von 30 Kleinbussen. Roh hält dann eine Rede, in der er Nordkorea ein Friedensangebot unterbreitet, bevor er dann langen protokollarischen Planungen folgend zu Fuß knapp 40 Meter Weg auf die nordkoreanische Seite zurücklegt und mit dem Wagen dann weiter drei Stunden nach Pjöngjang reist.

Seit dem Ende des Koreakriegs 1953 gilt lediglich ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Nordkorea und der UNO, unter deren Flagge die USA den Krieg geführt hatten. Nord- und Südkorea sind technisch noch im Kriegszustand.

Der dreitägige innerkoreanische Gipfel sollte ursprünglich Ende August stattfinden, war aber wegen der Flutkatastrophe im Norden auf Anfang Oktober verschoben worden. Damit rückte das Treffen zwischen Roh und Kim noch näher zum Präsidentschaftswahlkampf in Südkorea, wo die Kandidaten aus Rohs Lager derzeit scheinbar aussichtslos hinter der konservativen Opposition zurückliegen. Gleichzeitig verbesserte sich aber das politische Umfeld nach der jüngsten Runde der Sechs-Parteien-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm.

Rohöl für Nordkorea

Der amerikanische Unterhändler Christopher Hill hatte sich am Sonntag positiv über Nordkoreas Bereitschaft zur Abschaltung der nuklearen Anlagen geäußert. US-Präsident Bush ordnete die Lieferung von 50.000 Tonnen Rohöl nach Nordkorea an.

Roh will nach Angaben seiner Berater den Atomstreit während des bis Donnerstag dauernden Besuchs in Pjöngjang nicht zum Thema machen. Dafür kursierten Pläne über ein Angebot an Nordkorea, einige Abschnitte der verminten und militärisch stark gesicherten „Entmilitarisierten Zone“ ebenso wie die Seegrenze in „Friedenszonen“ umzuwandeln. Dabei sollen entlang der Pufferzone auf dem Land Truppen abgezogen und „Naturparks“ angelegt werden.

Roh wird zudem vorschlagen, weitere Industriezonen südkoreanischer Unternehmen in Nordkorea einzurichten. Derzeit gibt es nur eine solcher Zonen in Kaesong nahe der Demarkationslinie. Besonders strittig ist in Südkorea Rohs Teilnahme an einer Massen-Tanzveranstaltung, in der Nordkorea verherrlicht wird. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2007)

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    Zum zweiten Mal Gastgeber: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il empfängt seinen Amtskollegen aus Seoul.

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    Große Pläne: Südkoreas Präsident Roh will dem Norden ein Friedensabkommen vorschlagen.

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