Burma: Junta-Generäle kappen das Internet

29. September 2007, 09:27
posten

Ein Land vom Internet zu trennen ist technisch nicht besonders aufwändig

Das Büro im Zentrum Oslos ist unauffällig: Eine kleine Hinterhauswohnung im zweiten Stock eines Hauses nahe dem St. Olavsplass. Drinnen geht es hektisch zu. Seit der Krise wurde das sonst sehr spärliche Programm des burmesischen Exilsenders „Democratic Voice of Burma“ (DVB) von zwei Stunden am Tag auf sieben ausgeweitet. Drei Radiosendungen täglich und jeweils eine Fernsehsendung am Samstag und am Sonntag sind es nun.

Internetverbindungen kappen

Wegen seiner Kontakte in Burma ist DVB besser und schneller informiert als Nachrichtenagenturen, CNN und BBC, die oft Bilder und Videos des Senders aus Oslo übernehmen. Am Freitag, dem dritten Tag der Niederschlagung der Proteste im Land, ließen Burmas Generäle aber offenbar die Internetverbindungen kappen. Ein Unterseekabel sei beschädigt, erklärte die staatliche Telekommunikationsbehörde. Doch auch Internet-Cafés in der größten Stadt Rangun waren geschlossen, Mobiltelefone funktionierten zum Teil nicht mehr.

Technisch einfach

Obwohl nur ein Prozent der Bevölkerung in Burma Zugang zum Internet haben sollen, war die Weitergabe von Bildern und Nachrichten durch so genannte „Bürgerjournalisten“ in den vergangenen Tagen eine wirksame Waffe gegen die Junta.

Trennung technisch nicht besonders schwierig

Wie ein Sprecher der Telekom Austria dem Standard bestätigte, sind derzeit die Leitungen beider Telekom-Unternehmen im Land gesperrt. Ein Land vom Internet zu trennen ist technisch nicht besonders aufwändig. Sollen nur bestimmte Seiten im Netz nicht angesteuert werden können, erledigt das spezielle Filtersoftware, die automatisch das Netz nach bestimmten Begriffen wie „Demokratie“ oder „Protest“ durchforstet und die entsprechenden Seiten sperrt.

Softwerebefehle manipulieren

Für eine komplette oder teilweise Abschaltung des Internet-Zugangs können einzelne so genannte Router ausgeschaltet oder mit Software-Befehlen manipuliert werden, sodass sie bestimmte Seiten nicht mehr ansteuern.(André Anwar/Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 29.9.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.