Autor Robert Schindel: "Haxlstellen als Raison d’être"

31. Oktober 2007, 10:27
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Den österreichische Schriftsteller bringt die Koalition in Verlegenheit, erfreulich findet er dagegen Bildungsministerin Schmied

Schriftsteller Robert Schindel: „Zeitalter des Populismus.“ Foto: Corn

Ob ihm die große Koalition gefällt? „Sie bringen mich in Verlegenheit“, sagt Robert Schindel. Die Regierung, meint der Schriftsteller, spiele keine gute oder schlechte, sondern gar keine Rolle – weshalb es schwierig sei, überhaupt etwas zu kritisieren. „Dafür haben alle viel Zeit, sich auf ihren Privatbühnen zu profilieren“, meint Schindel: „Das Zeitalter des Populismus ist auf dem Höhepunkt, Politiker gieren nach der schnellen, kleinen Streicheleinheit. Das mag für schlichte Gemüter interessant sein, ich finde es öd.“

Zu den erfreulichen Erscheinungen zählt Schindel Bildungsministerin Claudia Schmied, „die viel Schwung gebracht hat“, und mit Abstrichen Sozialminister Erwin Buchinger, „der sich wenigstens erinnert, dass es arme Leute gibt“. Und Andrea Kdolsky? „Die mag ja originell sein“, urteilt der Autor, „aber nicht als Gesundheitsministerin. Sie ist eher eine literarische Figur.“

Als „Hausherrenpartei“ geriere sich die ÖVP, „gesichtslos, überaltert, unfähig zur Selbstkritik, fast schon wie die alte Stahlhelmpartie“. Die SPÖ reagiere unentschlossen, „baut den Sozialstaat zwar nicht ab, verteidigt ihn aber auch nicht wirklich“. So schiebe die Regierung die Probleme vor sich her, sagt Schindel, „etwa die Pflegereform, die sich wie ein Strudelteig zieht“. Auch ein strukturelles Problem, meint er. „Ich fordere keinen starken Mann. Aber der Kanzler braucht mehr Richtlinienkompetenz, wie Frau Merkel in Deutschland.“

Als Ausweg sieht Schindel Neuwahlen, die neue Kräfteverhältnisse bringen sollten – und am besten Rot-Grün. Die Idee einer Minderheitsregierung hat Schindel mittlerweile verworfen. „Dazu bräuchte es eine andere politische Kultur“, sagt er: „Haxlstellen ist bei uns Raison d’être.“ (DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.9.2007)

  • Schriftsteller Robert Schindel: „Zeitalter des Populismus.“
    foto: der standard/corn

    Schriftsteller Robert Schindel: „Zeitalter des Populismus.“

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