Hygienemängel in heimischen Thermen

4. Oktober 2007, 11:38
21 Postings

Mehr als die Hälfte der Kaltbecken und Saunabereiche verstoßen gegen gesetzliche Bestimmungen

Wien - Die Hygiene in heimischen Thermalbädern lässt zu wünschen übrig: Das ergab eine mikrobiologische Untersuchung von 20 Thermen durch das Bischofshofener Prüflaboratorium für Hygiene und Medizinprodukte Hygcen.

Mehr als die Hälfte der Kaltbecken und Saunabereiche verstoße gegen die gesetzlichen Bestimmungen, heißt es in einem Bericht des Nachrichtenmagazins Format. Mehr als 600 Proben aus Beckenwasser, Duschwasser und sonstigen Flüssigkeiten wurden zu stark belasteten Zeiten, und an möglichst ungünstigen Stellen entnommen. Die Oberflächen wie etwa in den Saunabereichen seien mittels Abdruckplatten untersucht worden.

Chlormangel

In 29 "Verdachtsfällen" wurde der Chlorgehalt in Becken bestimmt. Davon wiesen 16 gar keinen messbaren Chlorgehalt auf. Auch der Zustand beim Duschwasser sei nicht befriedigend: Beim Großteil der Thermen wurden dort Legionellen festgestellt. In acht Prozent aller Becken, und auch in einigen Trinkbrunnen wurden diese Bakterien nachgewiesen. In den Saunabereichen fand man auf den Oberflächen teilweise hohe fäkale Belastungen.

Der Nachweis von Legionellen und Pseudomonas aeruginosa (Boden- und Wasserkeime) im Badewasser hat außerdem ergeben, dass dort kein ausreichender Desinfektionsmittelgehalt existiere. "In diesen Zonen können von Badegästen eingebrachte Krankheitserreger über längeren Zeitraum infektiös bleiben, beziehungsweise können sich Krankheitserreger dort vermehren", berichtete Format über die Studie.

Lungenentzündung

"Pilzerkrankungen, vor allem Vaginalpilze, aber auch Lungenentzündungen können die Folge sein", berichtet die Studienverantwortliche Margarita Gilowsky. Legionellen sind im Verdauungsapparat ungefährlich, können aber bei Eintritt in die Atemwege Lungenentzündung auslösen. Die genannten Pseudomonas aerguinosas können Schlauchsysteme, Filtermaterialien, Teile medizinischer Geräte sowie ganze Installationssysteme kontaminieren und lösen Haut- und Hörgangsinfektionen aus, schreibt "Format". In Krankenhäusern zählen sie zu den häufigsten Auslösern von Wund-, Harn- und Atemwegsinfektionen mit oft tödlichem Verlauf.

Als Grund für die fatalen Zustände sehe Gilowsky weniger den bösen Willen oder Schlampigkeit, als vielmehr mangelnde Information: "Es war geradezu erschütternd, wie wenig die Verantwortlichen über hygienische Erfordernisse wussten.

"Unqualifizierte Angriffe"

Österreichs Bäder und Thermen wehrten sich gegen "unqualifizierte Angriffe eines Mediums, wonach Bäder und vor allem Thermen in Österreich für Badegäste einen Risikofaktor darstellten". "Österreichs Thermen unterliegen den schärfsten Hygienevorschriften europaweit", erklärte dazu die Obfrau des Fachverbandes der Bäder in der Wirtschaftskammer Österreich, Franziska Pirker. Zudem sei die zitierte Studie bereits ein Jahr alt.

Eine neue Studie des Wellnesshotelführers "RELAX Guide" wirft indes neue Kritik auf: Bei rund 1.800 Einzeltests von insgesamt 440 Pool-Wasseruntersuchungen in Österreich, Deutschland und auf der Fernreiseinsel Maurititus schnitten die heimischen Hotels am schlechtesten ab. Details werden mit Erscheinen des neuen "RELAX Guides" 2008 in etwa zwei Wochen veröffentlicht. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.