PS-Sucht oder Angsttrieb?
In Zeiten, da der Kraftstoffverbrauch immer kritischer betrachtet wird, stellt sich die Frage, warum das PS-Wettrüsten bei den Familienautos der Premiumklasse einem Höhepunkt zustrebt. 420 PS bei BMW M3 und Audi RS 4, 457 PS nun beim Mercedes C 63 AMG. Es wirkt doch zynisch, in diese Richtung zu fahren, während die EU von 120 g/km CO2 Flottenverbrauch spricht. Oder ist es bloß der letzte Angsttrieb, bevor das Auto und dann die ganze Welt ausstirbt oder umgekehrt?
Selbstverständlichkeit
Doch man kann das auch so sehen: Automobilkompetenz wurde von jeher mit Leistungsfähigkeit gleichgesetzt. Die neu dazu gekommene Dimension der Sparsamkeit ist in diesen Autos zwar enthalten, kommt aber nicht zur Geltung, weil sie vorerst noch von enormer Leistung überdeckt ist.
Tatsache ist, dass viele Bauteile, die Autos sparsamer und sauberer machen, in diesen einigermaßen verrückten Wagen zuerst auftauchen. Bis jetzt war es in der Automobilgeschichte so, dass wichtige Neuerungen immer in den teuren, leistungsstarken Autos als erstes zu haben waren, und allmählich Wagenklasse für Wagenklasse nach unten rutschten, bis sie für alle zur Selbstverständlichkeit wurden.
Teuer und unpraktisch
Will die Industrie die künftig sehr strengen Verbrauchsvorschriften der EU einhalten, wird sie kürzere Wege finden müssen, um Technologien einzuführen. Das geschieht auch parallel dazu. Die akute Umweltschädlichkeit dieser PS-Protze hält sich jedenfalls in Grenzen. Weil sie sehr teuer und eher unpraktisch sind, gibt es nicht sehr viele, und wenn, dann stehen sie in Garagen und werden mit verschwenderischen Mengen an Putzmittel gestreichelt. (rs, AUTOMOBIL, 28.9.2007)