Stilles Jubiläum

von Redaktion  |  27. September 2007, 19:25

Ein Jahr lang leiden die Verantwortlichen nun an den Folgen ihres aufmüpfigen Wahlverhaltens

In diese Tage fällt ein Fest, also wird man es gebührend feiern, auch wenn nicht alle freudigen Herzens dabei sind und zum Feiern überhaupt nicht allzu viel Grund besteht. Vor einem Jahr erlebte Wolfgang Schüssel die peinliche Überraschung, von den Wählerinnen und Wählern ganz gegen seine Selbsteinschätzung abgewählt, und Alfred Gusenbauer die überraschende Peinlichkeit, ganz gegen jede Fremdeinschätzung in die Rolle des Bundeskanzlers mehr gekippt als gewählt worden zu sein. Ein Jahr lang leiden die Verantwortlichen nun an den Folgen ihres aufmüpfigen Wahlverhaltens, und der 1. Oktober, an dem sich nicht die rot-schwarze Koalition, sondern das rot-schwarze Wechselspiel im Blockieren jährt, bringt da, wie es aussieht, keine Zäsur.

Was der größte erkennbare Gewinn war, der sich für Österreich aus dem 1. Oktober 2006 ergeben hat, führen uns, als sollten es Jubiläumsgeschenke zum Jahrestag sein, die zwei Hauptstützen der damals abgewählten Regierung vor: Sie müssen nun, wie sie es anderen so leidenschaftlich gepredigt haben, ihren Lebensunterhalt in Eigenverantwortung zu verdienen trachten, was sie in ebenso bizarrer Weise versuchen, wie sie es vorher unter dem Vorwand der Regierungsverantwortung getan haben. Dass Karl-Heinz Grasser, schon im Amt ein Finanzgenie in Selbstvermarktung, es besser treffen und nach längerer Suche endlich viel Geld dafür verdienen würde, dass er mit nichts etwas zu tun hat, war ebenso vorherzusehen, wie dass Schüssels Vizekanzler nach seinem verblendeten Aktionismus im Straßenverkehr "available anytime" bleiben wird, wie der Kurier enthüllte. Da wird es auch nichts helfen, wenn er sich seinem "long-time friend" in der Labour-Regierung - Freundschaften gibt es, da wird sich so mancher altgediente Blauorange wundern - als illegitimer Herrenreiter auf dem Rücken des österreichischen Bundesadlers in Erinnerung ruft. Diese Stützen der Schüssel'schen Gesellschaft losgeworden zu sein, ist schon Grund zu ein wenig Freude.

Sonst gäbe es mehr zu feiern, wäre die Energie, mit der Rot und Schwarz einander nun ein Jahr lang sekkieren, in fruchtbare Kooperation geflossen. Damit ist freilich nicht zu rechnen, solange sich die ÖVP unter Wilhelm Molterer nicht von den ideologischen Vorgaben Schüssels frei machen kann. Er soll eine Partei, die deutlich abgewählt wurde, erneuern, ohne dass der Eindruck einer Erneuerung allzu deutlich ausfällt, weil das einen Schatten auf seinen Vorgänger werfen könnte. Wie sich abzeichnet, werden bei diesem Versuch einer Quadratur des Kreises die ersehnten Perspektiven nicht viel Neues bringen. Wenn es da nicht gelingt, Urväter Hausrat endlich auszumisten, werden Selbstbekränzungen als Architekt eines Doppelbudgets oder eines fertigen Finanzausgleichs, den der Verhandlungspartner erst als Entwurf erkennt, auch nicht viel helfen.

Gusenbauer hat es in der Gestaltung seiner Rolle leichter, auch wenn sie noch keine erkennbaren Früchte getragen hat. Als kalmierender Moderator über den Streithanseln in seiner Regierung zu stehen, kann längerfristig nur den Kanzlerbonus bringen, wenn Erfolge in sozialen Fragen sicht- und vor allem spürbar werden. Davon kann bisher keine Rede sein. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird für viele Menschen eher schlechter als besser, sie arbeiten immer härter, während die Reallöhne am Stand von vor zehn Jahren verharren. Dagegen hilft keine Beschwörung, man gehe ohnehin den Weg der sozialen Fairness. Die Wähler sind kalte Rechner geworden, Schüssel musste es erleben. Erst ein Jahr ist es her. (Günter Traxler/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2007)

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20 Postings
Christian Eder  
29.09.2007 16:06
Schüssels Flaschenzug

Sickl, Forstinger, Schmid, Reichhold, Gorbach, Grasser usw.- so viele Unfähige waren noch in keiner Regierung. Weil er´s konnte...

wim surbier
30.09.2007 08:51
du erinnerst dich leider nur an die unfähigen aus dieser seltsamen fraktion

bitte nicht vergessen auf:
alfred finz
lisl gehrer
bartenstein
morak
rauch-kallat
kukacka
...

brrr, besetzungsliste von stephen-king-film??

dritter mann 
29.09.2007 23:36
Gutes Gedächtnis,

ich wäre beinahe auch nicht mehr auf alle diese Krücken gekommen, dafür ist mir aber Michael Krüger eingefallen, der eigentlich lustigste - zumal sein Kanzleikollege immer hinterher war, um sofort die Ankäufe von 50 Jaguars und 2500 m Perserteppichen für das Justizministerium zu stornieren, so dass letztlich kein wirklicher Schaden entstand. Insgesamt freilich hat die Lustigkeit dieser Idiotenpartie Kosten und Verhältnisse verursacht, die selbst gediegene Großunternehmen in die Ruin getrieben hätten. Dafür sollte die ÖVP zur Verantwortung gezogen werden - und zwar nicht nur bei Wahlen, sondern auch im Rahmen zivil- und strafrechtlicher Gesetze, beginnend bei der Republikschädigung, die noch ein Jahrzehnt andauern wird.

rasenmaeher
29.09.2007 11:38
Zum Feste feiern ist kein Anlaß, eine Trauerminute

wäre eher am Platz.
Den Roten hätte klar sein müssen, daß die ÖVP die Wahlentscheidung der Österreicher nicht achtet, daß Schüssel aus dem Hintergrund justament alles verhindern wird, was Fortschritt in der Bildungs- und Steuerpolitik bedeutet.

Sie hat-auch schon in der Vorkriegszeit- lediglich an die Vorteile ihrer Seilschaft gedacht.

Auf Kosten der Steuerzahler hat sie Werbung betrieben, die die Folgen ihrer Politik behübschten. Schuldenpolitik und Verscherbelung von Substanz, seien es Industrie, aber auch Liegenschaften und Wohnungen war an der Tagesordnung.
Die wenigen Fortschrittlichen in in der ÖVP wurden mit" Hände falten, Goschen halten" zum Schweigen gebracht.


Norbert A. Ciperle
28.09.2007 01:32
Schwarzmalerei!

Und selbst wenn es nur das wieder zurechtbiegen des Verfassungsbogens gewesen sein sollte, ist die Abwahl der schwarz-blau-orangen Regierung mehr als nur gerechtfertigt gewesen! Es lebe der Rechtsstaat und die Demokratie!

rasenmaeher
29.09.2007 11:20
Es war ein schlimmes Vorbild, das die ÖVP bot

als sie beschloß die Schenkungs-und Erbschaftssteuer auslaufen zu lassen.
So entzog sie sich dem "Auftrag " des VfGH endlich die überholten Einheitswerte zu sanieren.

Daß durch Untätigkeit dieser Partei dann die Sankion des Auslaufens der Gesetze griff, war die Absicht derÖVP.

Diese problematische Haltung zu Erkenntnissen des VfGH ging nur ob des populistischen Geschwätzes von Molterer und Co unter

Hubert Ungeist 
28.09.2007 08:21
Klar unter Schüssel gab es keine Demokratie

und keinen Rechtsstaat. Glatt einspesrren sollte man VP Anhänger und FP Mitglieder ausweisen. Erst dann herrscht Demokratie.

Oder eben das was gewissen Leute unter Demokratie verstehen.

rasenmaeher
29.09.2007 11:01
Aber nein, nichts von dem, was Sie präsentieren.

Abwählen war das Beste. Und in Anbetracht des üblen Schauspiels, das die ÖVP bietet, sollten mehr als minius 8 % drinnen sein.....

Hubert Ungeist 
30.09.2007 09:16
Warten sie es ab...

wir werden es sehen.

roterbruder
28.09.2007 14:12

aus is und goa is und guad is das woa is!

Bodo Ballermann 
28.09.2007 10:37
jetzt brauchens aber nett beleidigt reagieren.

der hr. ciperle hat nichts davon geschrieben das es unter schüssel keine demokratie gab. aber das unter seiner - schüssels führung, komische figuren, die uns viel geld gekostet haben, an die oberfläche gespült wurden, wird man ja noch sagen dürfen und ist evident, oder...?

BB

Hubert Ungeist 
28.09.2007 12:57
Da gabs unter anderen BKs auch..

etwa um nur ein SP Beispiel zu nehmen. Der Klimasohn unter BK Klima.

Auch nichts anderes, und scheints immer nur böse wenn es "die anderen" machen.

rasenmaeher
29.09.2007 11:12
Aber Herr Ungeist, keine andere Verteididigungs-

rede parat ?

Es ist keineswegs lustig, daß Grasser mit Meinl und Flöttle zusammen in einem Boot saßen. Es ist nicht lustig, daß Kleinanleger um ihr Geld umfallen. Es ist nicht lustig, daß Grasser von den Vorgängen um die Meinl Geschäfte nichts wußte.
...
Es ist nicht lustig, daß Grasser von der IV gesponsert wurde und dann Steuergeschenke über die Mitglieder dieser Lobby ergöß und es war nicht lustig, daß einen p. Untersuchungsausschuß nur geschwärzte Akten übergeben wurden
Nichts davon ist lustig....

Hubert Ungeist 
30.09.2007 09:14
Und wenn sie es tausendmal behaupten..

keine Ihrer Unterstellungen hat einem Gericht standgehalten, die meisten waren es nicht mal wert vor Gericht genannt zu werden.

Es nutzt halt nix.

Bodo Ballermann 
29.09.2007 07:47
...was..?!?!

ein klima sohn war minister?

Hubert Ungeist 
30.09.2007 09:15
Nein, aber er wurde im Zuge einer Affäre um

eine Lehrlingsoffensive gerichtlich verurteilt

al.bert
27.09.2007 21:44

Wie aus einem kurzen Fieberschub eine schmerzhafte chronische Krankheit wurde oder
was Schüssel & Khols angerichtet haben, wird noch lange und über viele Jubiläen hinaus auszulöffeln sein.

rasenmaeher
29.09.2007 14:02
Kohlmaier, ein ÖVP Generalsekretär sagte nach

verlorenen Wahlen, es sei an der Zeit, daß die ÖVP ins Trockrendock ginge.Das berichtet die Fama.
Dieser Partei ist aber auch durch Generalreparatur nicht zu helfen.
Die ÖVP hat einfach schon lange ausgedient und wurde seit 2000 nur durch einen völlig inferiorenPartner am Leben gehalten. sodaß ein Neuerungsprozeß jahrelang verhindert wurde und die Verknöcherung heillos fortgeschritten ist.
Mit einer derartigen Karrikatur einer "Wertepartei"
ist die Zusammenarbeit mühsam.

Guido Gänsefuss
29.09.2007 08:44
buahh

wartens mal ein bisserl.

gusi konnte leider im ersten jahr nix anrichten, weil ihm niemand gefolgt ist.

rasenmaeher
29.09.2007 14:04
Sie sind wohl einer der letzten Kampfposter der

Schwarzen. Von wo nehmen Sie Ihre Texte her ?

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