Neueröffnung: Frohner hätte seine Freude gehabt

27. September 2007, 18:46
1 Posting

Am Samstag wird in Krems das "Forum Frohner" eröffnet, das der Maler als lebendiges Kunstzentrum zu programmieren gedachte

Es wurde, wie es sich der im Jänner unerwartet gestorbene Frohner vorgestellt hatte: ein roh gezimmerter White Cube.


Krems – Die Idee, Adolf Frohner, nächst zu Wien, aber doch in Niederösterreich (in Groß-Inzersdorf) geboren, mit einem Museum zu würdigen, gab es schon länger. Doch dem impulsiven Künstler, viele Jahrzehnte Professor an der Angewandten, war die Ehrung seines Heimatlandes gar nicht so recht: Ein Museum sei doch etwas für Tote, sagte er. Und wünschte sich ein lebendiges Forum, denn das sei "ein Platz, da kann man alles machen".

Auch beim Standort brachte der "Adi" seine Vorstellungen durch. Denn er pendelte mit seiner Frau Woche für Woche zwischen Wien und seinem Landsitz am Jauerling. Und so kam er jedes Mal durch Krems mit der Kunstmeile. Das Land willigte ein. Galt es doch, das ehemalige Minoritenkloster von Stein, dessen Kirche für Veranstaltungen dient, zu adaptieren: Künftig wird es unter anderem das Ernst-Krenek-Archiv und ein Stadtmuseum beherbergen.

Für das Forum Frohner sollte im Klostergarten, vom Minoritenplatz aus nicht sichtbar, ein Neubau errichtet werden. Und der Künstler, der das Programm selbst gestalten wollte, hatte exakte Vorstellungen. Die Architekten Friedrich und Lukas Göbl setzten diese, da sie logisch erschienen, um. Am 19. Jänner dieses Jahres erfolgte der Spatenstich. Fünf Tage später starb Frohner – völlig unerwartet.

Schachtel aus Beton

Das Forum Frohner, das am Samstag eröffnet wird, ist nun also doch eine Art Mausoleum geworden: eine hoch effiziente Schachtel aus unveredeltem Beton, ohne Oberlicht (weil dieses höhere Energiekosten verursachen würde) und fensterlos (um keine Hängefläche zu verlieren). Dass sich der Künstler eine Decke aus Heraklit-Platten wünschte, bringt nicht nur eine gute Akustik mit sich: Das grobe Material erinnert zum Beispiel an Frohners frühe Materialbilder mit zerschlissenen Matratzen.

Ein solches hängt nun auch in der Eröffnungsausstellung. Für sie zeichnet Dieter Ronte verantwortlich, der Ende des Jahres als Chef des Bonner Kunstmuseums in Pension geht. Der Leipziger hatte Adolf Frohner in den 80ern, als er in Wien das Museum Moderner Kunst leitete, kennen gelernt: "Er ist einer meiner besten Freunde geworden", so Ronte zum Standard. "Und er berichtete mir mehrfach von seinen Plänen: Er wollte unter anderem Joseph Beuys zeigen."

Es war daher kein Wunder, dass Ronte nach Frohners Tod von Joachim Rössl, dem Leiter der Landeskulturabteilung, gefragt wurde, ob er nicht das Forum betreuen wolle. Und er sagte spontan zu. Was Tayfun Belgin, dem Direktor der Kunsthalle Krems, gar nicht behagte: Er verlangte, dass Ronte ihm unterstellt werden müsse. Doch das Land wollte nur die Organisation des Forums über die Kunsthalle abgewickelt wissen – bei programmatischer Eigenständigkeit. Was zur Folge hatte, dass Belgin Krems den Rücken kehrte: In wenigen Wochen wird der neue Direktor bekannt gegeben. Nach den bereits erfolgten Hearings (es gab 30 Bewerbungen, was für Rössl von der überregionalen Bedeutung des Hauses zeugt) befinden sich nur noch zwei Kandidaten im Rennen.

Ronte ist nicht darunter: Er versichert, kein Interesse an einem neuerlichen Fulltimejob zu haben. Aber jedes Monat für ein paar Tage in die Wachau zu reisen: Das mache er mit Freude. Und er platzt vor Ideen, die assoziativ mit dem "Spiritus Rector" und seinen Bildtitel in Verbindung stehen: Es soll Konzerte geben, Lesungen, Symposien und vier Ausstellungen pro Jahr. Dass die Eröffnungsschau Frohner gewidmet sein müsse, war für ihn klar:Er erstellte eine Liste mit dessen zentralen Werken. Und dann stellte er fest, dass sich diese zu 80 Prozent mit jenen Werken (im Wert von 630.000 Euro) deckte, die Frohner letztes Jahr dem Land Niederösterreich geschenkt hatte – im Gegenzug für die Errichtung des Forums.

Der Tod im Zentrum

Es lag daher nahe, nur dieses Vermächtnis unter dem Titel "Zufälle, die ich provoziere" zu präsentieren: ein Querschnitt durch das Schaffen Frohners, der den Wiener Aktionismus mitbegründet hatte, von den frühen 60er-Jahren (darunter das wortwörtliche "Dem Bild die Gedärme herausreißen") über eine "Hommage für Hermann Nitsch" (1984) bis zum Selbstbildnis "Zum Baum werden in der Toskana" aus 1995/96. Die chronologische Hängung hat Ronte aber unterbrochen, um Bezüge herzustellen – und zugunsten einer Symmetrie mit dem wunderbar düsteren Gemälde "Der Tod und ein Mädchen" als Achse.

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag wurde dieses Bild schnöde durch eine blitzblaue Land-Niederösterreich-Wand verdeckt, damit Landeshauptmann Erwin Pröll gut zur Geltung komme. Da der Totenschädel über den Paravent ragte (ein köstliches Bild!), musste das Gemälde schnell abgehängt werden. So viel zur Inszenierung der Politik auf Kosten der Kunst. Auch wenn Pröll – angesichts der FP-Pamphlete zum Nitsch-Museum in Mistelbach – ein Plädoyer für die Präsentation von Werten (wie Frohners Weltoffenheit) und Werken wichtiger heimischer Künstler hielt. Denn: "Wahlen kommen und gehen, Werte aber bleiben bestehen." (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2007)

Bis 28. Februar. Täglich geöffnet 11–17 Uhr. Eintritt: 2 Euro, ermäßigt 1 Euro.

Link: forum-frohner.at

  • Blick ins Forum Frohner: Bei der Präsentation lugte der Tod hinter dem blauen Paravent hervor, der für Landeshauptmann Erwin Pröll aufgestellt worden war. Frohners "Der Tod und ein Mädchen" (li.) musste eilig abgehängt werden ...
    foto: nussbaumer

    Blick ins Forum Frohner: Bei der Präsentation lugte der Tod hinter dem blauen Paravent hervor, der für Landeshauptmann Erwin Pröll aufgestellt worden war. Frohners "Der Tod und ein Mädchen" (li.) musste eilig abgehängt werden ...

Share if you care.