Steinharte Beweise

27. September 2007, 20:00
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Seemännisches Können: Das Material einer auf Französisch-Polynesien gefundenen Steinaxt wurde vor mehreren Jahrhunderten per Boot vom 4000 km entfernten Hawaii importiert

Washington - 10° Süd, 150° West: Hier, in den fast unendlichen Weiten des Pazifiks, ist unser blauer Planet besonders blau. Die geografischen Koordinaten deuten auf die Mitte des "Polynesischen Dreiecks", eines riesigen Inselreichs zwischen Hawaii im Norden, Neuseeland im Südwesten und der Osterinsel im Osten und der Heimat eines der geheimnisvollsten Völker der Welt.

Die Anwesenheit von Menschen auf den entlegenen Inseln des Zentral- und Ostpazifiks hat Gelehrten schon seit mehr als vierhundert Jahren Kopfzerbrechen bereitet. Bereits James Cook erkannte die kulturelle Verbundenheit zwischen den Inselbewohnern und sprach von einer "Polynesischen Nation". Eine Erklärung für ihre Herkunft hatte er aber nicht.

Stück für Stück setzen Forscher das Puzzle aus Polynesiens Prähistorie zusammen. Inzwischen weiß man: Die Insulaner kamen aus Asien und verfügten schon vor Christi Geburt über hoch entwickelte nautische Fähigkeiten. Mit stabilen Katamaranen eroberten sie den Pazifik und trieben Handel. Kompasse waren den Polynesiern unbekannt. Stattdessen dienten ihnen die Sterne oder die Dünung des Ozeans als Navigationshilfen.

Den neusten Beweis für die rege Reisetätigkeit der alten Polynesier liefern zwei australische Forscherer von der University of Queensland. In der neuen Ausgabe des Fachblatts Science (Bd. 317, 1907) berichten der Geochemiker Kenneth Collerson und der Archäologe Marshall Weisler über eine überraschende Entdeckung.

Analysierte Äxte

Sie untersuchten 19 antike Steinäxte, die auf einigen Atollen Französisch-Polynesiens gefunden worden waren. Der Kopf dieser Werkzeuge besteht aus scharfkantigem Basalt, einem Material, welches an den Fundorten selbst nicht vorkommt und also von anderen Inseln stammen muss.

Mittels Massenspektrometrie und Isotopenanalyse gelang es den Experten, die genauen Zusammensetzungen der Axtköpfe zu bestimmen. Anschließend verglichen sie diese mit vorhandenen Daten von Gesteinsproben pazifischer Vulkaninseln. Das Ergebnis: Das Material kam nicht nur von relativ nah gelegenen Eilanden wie Tahiti, sondern auch aus Rapa vom südlichen und Pitcairn vom nordöstlichen Rand des Polynesischen Dreiecks. Der Werkstoff für ein Axtkopf muss gar von der Hawaii-Insel Kaho'olawe nach Französisch Polynesien transportiert worden sein – über einen Seeweg von mehr als 4000 Kilometern.

Die Entdeckung bestätigt alte mündliche Überlieferungen, wonach zwischen Hawaii und Zentralpolynesien regelmäßiger Bootsverkehr stattfand, lange bevor die Europäer den Pazifik entdeckten. Das Basaltgestein, so schreiben Collerson und Weisler, könnte den Seefahrern als Ballast für ihre Schiffe gedient haben. Oder war es vielleicht gar ein Andenken? (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. September 2007)

  • Was macht die Steinaxt im Labor? Mit dem Massenspektrometer (vorn) wird ihre Herkunft bestimmt.
    foto: jeremy patten

    Was macht die Steinaxt im Labor? Mit dem Massenspektrometer (vorn) wird ihre Herkunft bestimmt.

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