Liebe und Vervollkommnungsdrang

26. September 2007, 20:38
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Die Galerie Richard Ruberl in der Wiener Himmelpfortgasse zeigt Vermischtes von Arnulf Rainer

Wien - Mit leichten Schwankungen ist die Bewertung für Arbeiten Arnulf Rainers laut der amerikanischen Kunstpreisdatenbank "Artprice" im Auktionsbereich seit 1997 kontinuierlich im Steigen begriffen.

Das bislang stärkste Jahr war 2005, mit einem Zuwachs von 57 Prozent (im Vergleich zu 2004) und einem weltweiten Auktionsumsatz von 613.300 Euro. Den stärksten Umsatzanteil hat Österreich mit 45 Prozent gefolgt von Deutschland (26 Prozent) und Großbritannien (19 Prozent). Hauptsächlich tragen dazu Gemälde (53 Prozent) und Zeichnungen (36 Prozent) bei, die oftmals im Angebot stehenden Grafiken nur zu sieben Prozent.

Letztere Medienkategorie dürfte auch das Gesamtbild in Sachen unverkauft gebliebener Werke verwässern: 2006 - der in den weltweiten Auktionssälen zusammengeklopfte Umsatz belief sich auf knapp 453.000 Euro - blieben satte 40 Prozent des Angebotes unbeboten. Nicht Masse, sondern Klasse, scheint die Forderung des Marktes.

Und eine solche findet sich derzeit in der Wiener Himmelpfortgasse versammelt. Die Galerie Richard Ruberl veranstaltet noch bis zum 25. Oktober eine Ausstellung, bei der zwischen 1948 und in den 1990er Jahren entstandene Arbeiten Rainers zum Verkauf angeboten werden.

Durch Liebe und Vervollkommnungsdrang kam Rainer laut eigenen Angaben zu den Übermalungen, die teils noch heute von der Öffentlichkeit in ihrem Prinzip falsch verstanden werden.

"Ich wollte noch schönere Kunstwerke daraus machen, alles andere sind Gerüchte", gab er Anfang der 70er-Jahre zu Protokoll, setzte damit dem Ruf eines Kunstzerstörers entgegen. Aus der ersten Phase der Übermalungen zeigt die Galerie Ruberl ein Großformat mit Gerinne auf Pressspannplatte von 1956/57, weiters bilden die in den 70er-Jahren entstandenen Face Farces, überarbeitete Selbstporträts und andere Fotoserien, das Zentrale Thema dieser Jahre. Bei den Radierungen spannt sich der Bogen von den Anfang der 60er-Jahre entstandenen der Mappe Haute Coiffure bis zu starkfarbigen Kreuzen aus den 80er-Jahren.

Zu den Höhepunkten der Präsentation gehört fraglos die 1948 entstandene surrealistische Zeichnung Brillenfrau, mit einem rauchenden Brenneisen als Zeichen masochistischer Selbstzerstörung, gefangen in einem Spinnennetz der Absurditäten.

Veranschlagt ist diese Rainer-Rarität mit 75.000 Euro. Günstiger kommen natürlich Radierungen (1900 bis 2500 Euro), für Papierarbeiten und Gemälde sind zwischen 17.000 und 190.000 Euro bereitzuhalten. (kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.9.2007)

  • Arnulf Rainer bei Galerie Ruberl: 1948 entstand diese surrealistische Zeichnung, für 75.000 Euro zu haben.
    foto: galerie ruberl

    Arnulf Rainer bei Galerie Ruberl: 1948 entstand diese surrealistische Zeichnung, für 75.000 Euro zu haben.

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