Dachausbau: Bitte beeilen!

26. September 2007, 13:23
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Dachbodenausbauten sind immer schwieriger zu realisieren. Ende 2008 droht mit dem neuen Eurocode das endgültige Aus - Von Udo Weinberger

Die Beletage des klassischen Wiener Zinshauses ist über dem Hochparterre und dem Mezzanin angesiedelt. Doch im Gegensatz zu damals ist das Wohnen in der schönen Etage längst nicht mehr begehrt. Zahlungskräftige Mieter und Käufer sind mit dem ersten Stock nicht mehr zufrieden zu stellen - sie wünschen sich ein Objekt im Dachgeschoß mit Ausblick und Dachterrasse. Der Markt hat reagiert: Die Preise potenzieller Liegenschaften sind in den vergangenen Jahren rasant angestiegen. Eine rigorose Anwendung bautechnischer Normen, wie dies zurzeit vor allem durch die Magistratsabteilung 37 praktiziert wird, könnte den Dachausbau à la longue jedoch wirtschaftlich unrentabel machen.

Schon bisher war die Realisierung derartiger Projekte nicht gerade einfach. Doch mit Ende 2008 droht das endgültige Aus. Mit der Umsetzung einer europaweit gültigen Erdbebenrichtlinie werden die Voraussetzungen weiter verschärft. Der Eurocode sieht eine einheitliche Gewichtung des Erdbebenrisikos unabhängig von der tatsächlichen Gefährdung des jeweiligen Bauplatzes vor. Manche werden sich bedanken. Ein Projekt der Gruppe SEISMID arbeitet nun daran, tatsächlich gefährdete und weniger betroffene Gebiete in einer sogenannten Mikrozonierung zu unterscheiden. Internationale Vorbilder dafür gibt es beispielsweise in Köln, Thessaloniki und Bukarest. Ziel ist es, die Gefährung für ein konkretes Projekt im Einzelfall zu ermitteln und die statisch erforderlichen Maßnahmen danach abzuschätzen. So könnten teure und umfangreiche statische Aufrüstungen im Idealfall unterbleiben.

Es ist ratsam, etwaige Dachbodenausbauten in den kommenden Monaten einzureichen und nicht allzu lange abzuwarten. Falls der Antrag beispielsweise wegen fehlender Unterlagen abgewiesen wird, könnte es andernfalls knapp werden. Da die Stadt Wien die Nutzung der Dachböden klar als politisches Ziel deklariert hat, spricht sehr viel dafür, dass man im Ressort von Stadtrat Ludwig nach Lösungen trachten wird, die dieses wertvolle Potenzial zukünftig nicht brach liegen lassen werden.

Ein erster Schritt ist getan: Das für Fachleute verblüffende Erkenntnis des VwGH wurde durch eine "Blitznovelle" der Wiener Bauordnung wieder entschärft. Seit Ende August können Dachgeschoße wieder im gewohnten Winkel von 45 Grad geplant und gebaut werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.9.2007)

  • Udo Weinberger, ÖVI-Präsident.
    foto: övi/mathias lenz

    Udo Weinberger, ÖVI-Präsident.

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