Studenten gründen eigene Stipendienstiftung

11. Februar 2008, 09:04
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75.000 Euro sind schon in der Kassa - Weil Ministerium den SchülerInnenaustausch der "United World Colleges" nicht fördern will, setzen sich zwei Absolventen dafür ein

Jeremias Prassl, 21 Jahre alt, und Sebastian Butschek, 22 Jahre alt, sind seit Montag die jüngsten Stiftungsgründer Österreichs. Zusammen haben sie es geschafft, das Grundkapital von 75.000 Euro für die Stipendienstiftung "alumnifund" aufzubringen. Die Präsentation fand am Montag in Wien im Rahmen einer Pressekonferenz der "United World Colleges" statt. Doch was bewegt junge Menschen dazu, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen?

In erster Linie vor allem die Tatsache, dass das österreichische Unterrichtsministerium sich dazu entschlossen hat, erfolgreiche Bildungsmodelle nicht länger finanziell zu unterstützen. Nach über 40 Jahren Zusammenarbeit wird Österreich in Zukunft kein Geld mehr für die Stipendien der United World Colleges zur Verfügung stellen.

Laut Bundesministerium ist es nicht möglich, diese pädagogische Ausrichtung mit zu gestalten, man wäre aber bereit, die Auswahl der Stipendiaten zu übernehmen. Kein Geld in die Kassa bringen, aber sehr wohl Geld aus der Kassa nehmen? So nicht, dachten sich Prassel und Butschek und nahmen die Angelegenheit selbst in die Hand. In rund drei Monaten besuchten sie den Großteil der über hundert in Europa lebenden UWC-AbsolventInnen, um sie zur Teilnahme an der Stiftungsgründung einzuladen. Vor wenigen Tagen wurde nun die Schwelle von 75.000 Euro überschritten, und alle schriftlichen Formalitäten stehen kurz vor dem Abschluss.

Doch nicht nur der finanzielle Aspekt spornte die beiden Studenten an, sondern auch ihre Begeisterung für das Programm der United World Colleges. Prassl und Butschek sind selbst UWC-Absolventen und waren von ihren Erfahrungen so beeindruckt, dass sie nun auch andere österreichische Schülerinnen und Schüler dazu motivieren wollen, diese Bildungschance zu nützen. Die United World Colleges bieten seit 1964 jungen Menschen die Möglichkeit, die letzten zwei Jahre ihrer Schulausbildung im Ausland zu absolvieren und diese mit der internationalen Reifeprüfung, einem weltweit anerkannten Ausbildungsstandard, abzuschließen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die schulischen Leistungen, sondern auch die Förderung von sozialen Kompetenzen, gegenseitigem Verständnis und Toleranz. Bestes Beispiel hierfür ist das jüngste der insgesamt zwölf Colleges, jenes in Mostar, das 2006 gegründet wurde. Hier werden erstmals seit 1995, als der Krieg in Bosnien-Herzegowina endete, bosnische, kroatische und serbische junge Menschen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus mehr als 30 anderen Nationen unterrichtet. Weitere Colleges befinden sich in den USA, in Kanada, Italien, Indien und Venezuela.

United World Colleges erheben jedoch nicht den Anspruch, Elite-Schulen zu sein. Alle ausgewählten Schülerinnen und Schüler erhalten Stipendien, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund und ihren finanziellen Möglichkeiten.

Derzeit erfolgt in Österreich die Finanzierung solcher Stipendien durch Absolventinnen, die Zukunft der österreichischen Stipendien für UWC ist jedoch mehr als ungewiss und wird in Anbetracht des derzeitigen Zustandes nicht länger als bis 2009 sichergestellt werden können, so Franz Fischler, Präsident des Advisory Boards, UWC Österreich. (Laura Puglisi/derStandard.at, 26. September 2007)

  • In Mostar (Bosnien-Herzigowina) befindet sich das jüngste United World College.
    foto: uwc

    In Mostar (Bosnien-Herzigowina) befindet sich das jüngste United World College.

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