Fünf aus 45: Finale im Rennen um die Kompetenzzentren

25. September 2007, 20:22
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Am Donnerstag beginnt das finale Auswahlverfahren für Comet - mit Grafik

Eine zwölfköpfige Expertenjury entscheidet bis Freitag, welche drei Konsortien die für Kompetenzzentren der Spitzenforschung reservierten Fördermillionen abholen dürfen.

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Der Druck steigt. Am Donnerstag, tritt die Jury unter Vorsitz von Ex-Verbund-Chef Hans Haider zusammen, um über die Anträge für das Kompetenzzentren-Förderprogramm Comet zu befinden.

Die Sache ist heikel, denn im Budget gibt es nur Geld für drei K2-Zentren. Um die drei Startplätze rittern aber offiziell sechs - aus je mindestens fünf Industriebetrieben und Universitäten bestehende - Konsortien. Damit ist klar, woher der Druck kommt: Von den - ebenfalls mitzahlenden - Bundesländern, die "ihr" jeweiliges K2 pushen.

Ein klein wenig nachgelassen hat der Druck übrigens. Denn bei den Hearings in der Vorwoche hat sich die von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG offiziell genannte Zahl von sechs Kandidaten bereits reduziert: CEST, aus dem K-plus-Zentrum Echem (mit Forschungszentrum Seibersdorf) und dem K-ind-Zentrum IMA (Integrated Microsystems Austria, Wiener Neustadt) bestehend, wurde von der Jury empfohlen, sich besser als K1-Zentrum zu bewerben. Der nicht offiziell bestätigte Grund: Das Elektrochemie-Zentrum sei wissenschaftlich schwächer gewesen als erwartet, sagt ein Hearing-Experte zum Standard, die Exzellenz reiche für K2 womöglich nicht.

Damit ist auch das dritte K-Zentrum mit Seibersdorf-Beteiligung aus dem Rennen. Das Leichtmetall-Zentrum LKR in Ranshofen läuft aus, und ACV, Advanced Computer Vision and Audio, ist als kleineres K1-Zentrum im Rennen.

Wissenschaftliche Exzellenz ist bei den pro Zentrum und Jahr mit bis zu fünf Millionen Euro geförderten K2-Zentren aber der Knackpunkt. Da ihre Beurteilung stets Anlass für Eifersucht ist - und Spekulationen über wissenschaftliche Objektivität nährt -, wurde die neunköpfige Comet-Jury um drei Mitglieder verstärkt: Dietmar Theis (Siemens Deutschland), Jari Romanainen (Tekes, Finnland) und John Baras (University of Maryland) verstärken das aus Hartmut Kahlert (TU Graz), Eva-Maria Binder (Erber AG), Stefan Jähnichen (Fraunhofer Institut), Hans Haider (Ex-Verbund-Chef), Horst Pöchhacker (Ex-Porr-General), Per Eriksson (Vinnova in Schweden), Johann Eder (Uni Wien), Norma Selve (noxxon Pharma) und Gerd Müller (Fraunhofer) bestehende Panel.

Sie müssen nicht nur Interventionen jeder Art abwehren, sondern insbesondere faire Zensuren an die verbliebenen fünf Kandidaten vergeben.

  • K2Mobility Sustainable Vehicle Technologies unter Leitung der TU Graz arbeitet an der Systemoptimierung von Fahrzeugen. Zu dem Industriepartnern gehören Konzerne wie AVL, Magna Steyr Fahrzeugtechnik, Siemens Transportation Systems, Audi, BMW und Porsche, die teils an Virtual Vehicle Competence Center (ViF), ACC-Akustik, LEC um dem VKM-Kompetenznetzwerk zu Verbrennungskraftmotoren beteiligt waren.

  • Metallische und keramische Werkstoffe erforscht MPPE, das Integrated Research in Materials, Processing and Product Engineering in Leoben. Konsorten sind Montan-Uni Leoben, TU Graz, Böhler, Voestalpine, RHI und AT&S, die teils bereits im Kplus-Zentrum MCL-Materials Center Leoben beteiligt waren.

  • Gut abgeschnitten hat bisher auch ACCM, das Austrian Center of Competence in Mechatronics, mit der Uni Linz an Bord. An der Querschnittsmaterie zwischen Elektronik, Mechanik und IT forschen das K-plus-Zentrum Center of Mechatronics (LCM) und Vatron (Kompetenzzentrum für Mechatronik & Automation).

  • Gerüchte über viel Flexibilität bei Ausrichtung und Eigentümern und noch mehr politischen Einfluss begleiten das Krebsforschungsprojekt Oncotyrol in Innsbruck. Die erste Hürde nahm es im April als "K2 Center for Personalized Cancer Medicine, mit dabei sind die Med-Uni Innsbruck, die private Universität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik (UMIT), Uni Innsbruck sowie die K-ind-Zentren KMT (Medizin) und HITT-Health Information Technologies Tirol.

  • Einen relativ hohen Staatsanteil weist ICT, das Competence Center for Information and Communication Technologies rund um Telekom Austria, Alcatel-Lucent, Asfinag, Eybl International und Infineon auf, die sich mit TU Wien und TU Graz zusammengefunden haben. Offen ist hier nach wie vor, ob sich die Stadt Wien doch noch beteiligt.

    Hoffnung, dass doch alle fünf Kandidaten zum Zug kommen, und nicht zwei auf den nächsten Call 2009 (120 Millionen Euro) vertröstet werden müssen, besteht übrigens. Noch fehlt dem Infrastrukturministerium für eine Vorziehung des Geldes aber das grüne Licht aus dem Finanzministerium. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2007)

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