Präsident entzweit Studierende

1. Oktober 2007, 10:28
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Heftige Onlinedebatten nach Uni-Besuch Ahmadi-Nejads

Der umstrittene Auftritt des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad an der Columbia University in New York hat nicht nur jede Menge politischen Wirbel erzeugt. Er spaltete am Dienstag auch die Meinungen der Studierenden. Kritische Stimmen gab es in den Internetforen der Uni nicht nur gegen den Besucher selbst, sondern auch gegen die US-Politik.

Weit vorne auf der Liste der Kritik stand bemerkenswerterweise Lee Bollinger, der Rektor der Columbia University. Seine Einleitungsworte - er nannte Ahmadi-Nejad einen "engstirnigen und grausamen Diktator" - verärgerten viele Studenten. "Würden wir wollen, dass Bush von seinem Gastgeber derart beleidigt wird?", schreibt etwa Blogger "Nigel Cairns" auf der Webseite des Columbia Spectator, der Universitätszeitung.

Viel gelobt wurde allerdings auf der Webseite des Spectator, dass die Diskussion den Menschen die Möglichkeit gebe, sich ein nicht durch die Medien vermitteltes Bild vom Iran zu machen. "Es war ein großer Fehler, ihn einzuladen", schreibt dagegen ein anderer Blogger, Ahmadi-Nejad habe eine Plattform für seine Propaganda erhalten.

"In seinem eigenen Land lässt er Menschen aufhängen und verbietet ihnen die Redefreiheit", kritisiert auch "Sarah Ishal". Andere Internetnutzer pochten auf die Redefreiheit in den USA. Und zumindest Online hat Ahmadi-Nejad offenbar auch neue Fans gefunden. "Im Gegensatz zu anderen Politikern macht er, was er sagt und sagt, was er meint", schreibt ein Blogger.

Auch über den Atomstreit mit dem Iran gingen die Meinungen auseinander. Über die Vermutung, dass der Iran nach Atomwaffen trachte, schrieb ein User: "Natürlich. Zumindest hoffe ich das. Das wäre der einzige Weg, um den Iran vor der imperialistischen US-Regierung zu schützen, die es auf ihre Öl-Ressourcen abgesehen hat." Kritik gab es an der Art der Diskussionsveranstaltung: Denn die Studierenden konnten sich nicht direkt an Ahmadi-Nejad wenden. Ein Moderator gab die vorher gesammelten Fragen an den Präsidenten weiter. (Laura Puglisi/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2007)

  • Aufregung in Israel: "Ha' aretz" berichtet umfangreich über die UN-Sitzung.
    foto: ha'aretz

    Aufregung in Israel: "Ha' aretz" berichtet umfangreich über die UN-Sitzung.

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