Geldgeber ruhig gestellt

2. Oktober 2007, 14:20
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Neu in Wien: "Foundation(s)Quartier" - Neben jenem für die Museen wird Wien demnächst schon ein Quartier für die Foundations erhalten

"Foundation(s)Quartier" wird es heißen, und praktischerweise muss man sich gar nicht lange mit Architekten herumschlagen, es existiert schon: Die Räume der Generali Foundation werden einfach umgetauft, ein zweites Logo drauf, und fertig! So etwas geht schnell, so etwas ist billig. Und schließlich mussten Jabornegg/Pálffy die 1995 eröffneten Räume ohnehin so konzipieren, dass man ohne gröbere Umbauten gleich eine Bank daraus machen kann - wenn das mit der Kunst nicht klappt.

Jetzt ziehen zwar keine Schalterbeamten ein, aber immerhin die Kunstabteilung der Bawag/PSK zu. Und zwar deshalb, weil Bawag wie Generali einsparen wollen. ("Die Geldgeber sind jetzt ruhig gestellt", meinte Generali-Foundation-Aufsichtsrat Dietrich Karner) Man setzt auf das Zauberwort Synergie und will nicht nur Räume, sondern auch Mitarbeiter teilen: Jene der Generali haben Angestelltenverträge, werden demnach wohl bleiben und künftig einen abwechslungsreichen Job bekleiden.

Simultan werden sie den völlig unterschiedlichen Sammlungskonzepten der beiden Institute gleich intensive Dienste leisten, locker zwischen den Vorstellungen von Kristine Kintisch (Bawag), die bleibt, und jenen von Sabine Breitwiesers Nachfolger hin- und herschalten, bipolar Öffentlichkeitsarbeit betreiben, beider Institutionen Betriebsgeheimnisse streng getrennt voneinander in sich hüten. Ja, auch Institutionen der schönen Künste stehen in Konkurrenz. Gerade in Wien sollte man das wissen.

Oder ist alldem nicht so? Soll langfristig ohnehin alles unter eine gemeinsame Leitung gestellt werden? Sabine Breitwieser steht für diese Konstruktion jedenfalls nicht mehr zur Verfügung. Die aktuelle Retrospektive auf Anna Oppermann wird ihr letztes Projekt für die Generali Foundation gewesen sein.

Vorausplanen durfte sie schon seit Langem nicht mehr, weil die nötigen Budgets dafür schlicht nicht freigegeben wurden. Jetzt wird ihre Nachfolge ausgeschrieben. Was passiert, bis jemand gefunden wird, der nicht nur bereit ist, die absurde Konstruktion und demotivierte Mitarbeiter hinzunehmen, sondern auch jene Qualifikationen mitbringt, die ein Weiterführen der Foundation auf bisherigem Niveau ermöglicht, ist offen. Man wird wohl Werke aus der Sammlung zeigen, aus einer einzigartigen Sammlung, die in 20 Jahren auf 2100 Werke und rares Dokumentationsmaterial angewachsen ist, die international höchste Reputation genießt. Eigentlich müsste die Erste-Bank Interesse am Erwerb haben: Man käme damit zu einem historischen Fundament für das noch junge eigene Engagement für Kunst aus dem ehemaligen Osten. Geschätzter Wert: rund neun Millionen Euro. (Markus Mittringer, DER STANDARD/Printausgabe, 26.09.2007)

  • Sabine Breitwieser verlässt "ihre" Foundation.
    foto: generali

    Sabine Breitwieser verlässt "ihre" Foundation.

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