Oppermann-Schau in der Generali Foundation

2. Oktober 2007, 14:20
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Die letzte Ausstellung in der Generali Foundation unter der Leitung von Sabine Breitwieser wird eröffnet - "Oppermann" ist aber von der Zwangsfusion mit der BAWAG Foundation überschattet

Wien - Eigentlich sollte Anna Oppermann in der Generali Foundation im Mittelpunkt stehen. Schließlich werden erstmals Werke der 1993 verstorbenen deutschen Konzeptkünstlerin in Österreich vorgestellt. Mit 1. Jänner 2008 wird die Kunstinstitution mit der BAWAG Foundation örtlich und personell zusammengelegt, Langzeitleiterin Sabine Breitwieser verlässt das Haus in der Wiedner Hauptstraße. Wie sie zu der Fusion unter dem neuen Namen "Foundation(s)Quartier" stehe, sei bekannt, meinte Breitwieser bei ihrer Abschlusspressekonferenz knapp. "Ich brauche mich dazu nicht äußern."

"Lobbying" statt "Imagetransfer"

Seit 1988 hat Breitwieser die Geschicke der damals neu gegründeten Kunstsammlung geleitet, ihren Abgang hätte sie sich aber wohl anders vorgestellt. Weder sie als Leiterin noch der aktuelle Kunstbeirat seien in die Entscheidung einbezogen worden, hatte sie kürzlich in der Wiener Stadtzeitung "Falter" die Vorgehensweise kritisiert. Offenbar werde wieder vermehrt auf "Lobbying" statt auf "Imagetransfer" gesetzt. Dennoch etwas nostalgisch fiel ihr heutiger Rückblick aus, parallel zog Breitwieser aber auch nüchtern Bilanz: 2.100 Werke von 170 Künstlern umfasse die Sammlung der Generali Foundation nach ihrer Amtszeit, der Anschaffungsetat dafür habe 4,5 Millionen Euro betragen. Heute sei die gesamte Sammlung etwa das Doppelte wert.

Breitwieser erreichte mit rund drei Ausstellungen im Jahr im Schnitt 12.000 Besucher, rund 400 Leihgaben seien zudem überall auf der Welt zu sehen gewesen. Ihr Gesamtbudget pro Jahr habe 1,6 Millionen Euro betragen, in besten Zeiten seien 20 Prozent davon Eigenmittel gewesen. Dass sie die Fusion nicht mitträgt, bedauerte Generali-Aufsichtsratschef Dietrich Karner. Es sei nun die wichtigste Aufgabe, schnell einen Nachfolger zu finden. Breitwieser werde bei der Suche noch behilflich sein.

Die Generali betrachte die Foundation als "wesentlichen Faktor", bekräftigte Karner den Willen zur Erhaltung der Institution, auch wenn man Einsparungen von 300.000 bis 400.000 Euro zu verkraften habe. Damit diese Einsparungen "die Substanz nicht beeinträchtigen", also nicht zulasten der Sammlung, der Depots, der Archive oder des Studienraums gehen, habe man auf struktureller Ebene ansetzen müssen. Man lebe künftig mit der BAWAG Foundation in einer "Wohngemeinschaft", die Kosten der Infrastruktur werden geteilt. Künstlerisch und finanziell seien beide Foundations aber vollkommen unabhängig, so Karner. Breitwieser hatte die Teilung der Raum- und Personalressourcen als "Beschneidung" ihrer Kompetenzen bezeichnet.

Ob das geplante "Foundation(s)Quartier" funktionieren kann? "Die Geldgeber sind ruhig gestellt, das Weitere liegt an den handelnden Personen", meinte Aufsichtsratschef Karner. Die Sammlung werde auf jeden Fall "wie bisher weitergeführt", auch die Ausstellungstätigkeiten werden fortgesetzt. Man werde sich den gemeinsamen Verlauf jetzt einmal zwei Jahre lang ansehen: "Dann schaut man weiter."

Für die teils heftigen Reaktionen während der Pressekonferenz - u.a. war von einem "Desaster" die Rede - hat der Generali-Vertreter der beiden künftigen Geschäftsführer der "Foundation(s)Quartier Gmbh", Wolfgang Steinwendner, teilweise Verständnis. "Ich verstehe die Skepsis", meinte er. Aber es gehe nun mal nicht anders, daher müsse man versuchen, dem Ganzen positiv zu begegnen. Schließlich sei auch eine wichtige andere Kunstinstitution gerettet worden, verwies Steinwendner auf die BAWAG Foundation, das sehe aber offenbar niemand.

Anna Oppermann

Eine ganze Stunde war bei der Pressekonferenz der Zusammenlegung der beiden Institutionen gewidmet worden, erst dann kam doch noch Anna Oppermann an die Reihe. Deren Nachlassverwalterin Ute Vorkoeper berichtete, dass Oppermann nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit geraten sei. Dabei habe sie viele Künstler nach ihr beeinflusst. Ausgestellt werde die Entwicklung der Werke seit Mitte der 60er Jahre, die stets nach dem Vier-Phasen-Muster "Meditation, Katharsis, Reflexion und Analyse" entstanden seien. Oppermanns "Ensembles" - so auch der Name der Ausstellung - sind raumgreifende Installationen, bei denen es im Wesentlichen um die Dokumentation von Wahrnehmung und die Visualisierung psychischer Prozesse geht. (APA)

Anna Oppermann: "Ensembles", 27. September bis 16. Dezember 2007
Generali Foundation, Wiedner Hauptstraße 15, 1040 Wien
http://foundation.generali.at
  • Anna Oppermann, Spiegelensemble, 1968–1998, Ausstellungsansicht Generali Foundation
    foto: generali foundation/werner kaligofsky

    Anna Oppermann, Spiegelensemble, 1968–1998, Ausstellungsansicht Generali Foundation

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