"Ich bin stolz auf meine Erfindungen"

15. Oktober 2007, 10:44
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Susanne Windischberger, "Techwoman 2004", entwickelt winzige Handylautsprecher und möchte Mädchen Mut zur Technik machen - ein Porträt

"Ich hab mir meine Stellung am Anfang erst erkämpfen müssen, mich durchsetzen müssen, zeigen, was ich kann."

Susanne Windischberger, "Techwoman 2004", entwickelt winzige Handylautsprecher, mit denen man Mozart hören kann, hat gelernt, wie frau einen Raum betritt anstatt hineinzuschleichen und möchte jungen Mädchen Mut zur Technik machen. Ein Porträt von Gastautorin Teresa Arrieta.

Position: Abteilungsleiterin Philips Sound Systems.
Ausbildung: Studium Technische Physik, Universität Wien.
Wissenschaftsdisziplin: Elektrotechnik

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"Na weißt du denn überhaupt, was du dir antust!" rief Susanne Windischbergers Gymnasiallehrerin entsetzt, als die Schülerin als Studiums-Wunsch "technische Physik" angab. Das verwirrte die angehende Maturantin – waren naturwissenschaftliche Fächer doch immer ihre Stärke gewesen. "Die Lehrkräfte sind halt damals noch nicht auf geschlechtssensible Erziehung geschult worden", urteilt Susanne Windischberger im Rückblick. Sie selber setzt sich hingegen heute nach Kräften dafür ein, jungen Mädchen die Scheu vor der Technik zu nehmen.

Neben ihrer erfolgreichen Tätigkeit bei Philips Sound Solutions ist sie Vorstandsmitglied bei der Beratungsstelle Sprungbrett, die junge Mädchen bei der Berufsorientierung unterstützt. In den Köpfen der Schülerinnen geistern noch viele Vorurteile gegenüber der Technik herum: "Das ist uncool, da macht man sich schmutzig..." Im Rahmen des Vereins werde sehr viel darüber diskutiert, wie früh mit der Sensibilisierung angefangen werden sollte, denn den Kindern wird schon im Kindergartenalter vermittelt, in welche Richtung sie gehören: So sind beispielsweise Legosteine für kleine Buben viel komplexer zusammen zu bauen, als jene für Mädchen.

Unterstützung durch die Mutter

Mit vierzehn Jahren sei es dann schon "ziemlich in den Köpfen drin, was sich für ein Madel gehört". Windischberger möchte den Jugendlichen jedoch zeigen: "He, es gibt auch andere Möglichkeiten für dich." Ihr konnte man die naturwissenschaftliche Laufbahn auch deswegen nicht verleiden, weil sie viel Unterstützung von daheim genoss, denn ihre Mutter unterrichtet Mathematik und Physik. So inskribierte Susanne Windischberger unerschrocken technische Physik an der Technischen Universität Wien und absolvierte ihr Doktorat am Atominstitut. Doch als Universitätsassistentin wurde ihr bald klar, dass die Grundlagenforschung sie nicht zufrieden stellen würde: "Mit dem Untersuchungsergebnis schreibt man ein Paper, da macht man dann zwei Löcher rein, legt es in die Schublade und das war's."

Statt also die Forscherinnenlaufbahn zu beschreiten, bewarb sie sich für eine ausgeschriebene Stelle bei Philips Sound Systems und hat den Schritt nie bereut: Seit viereinhalb Jahren werkt sie begeistert an der Weiterentwicklung von Miniaturlautsprechern. In weniger als einer Sekunde fällt so ein Lautsprecher vom Band. "Bei uns muss die Entwicklung rasch gehen, denn der Handymarkt ist ein sehr schneller und das gefällt mir wahnsinnig gut."

Fluchende Kollegen

An acht Patenten hat die Technikerin seit ihrem Philips Einstand mitgewirkt. Sie erfindet keine kompletten Lautsprecher, sondern kleine Details zur Optimierung: Strukturen auf Lautsprechermembranen, Miniaturbestandteile bei der Einspannung. "Ich trage dazu bei, dass Lautsprecher kleiner und flacher werden und trotzdem eine gute akustische Performance liefern. Die Herausforderungen werden immer größer, denn die Leute wollen mit dem Handy Mozart hören", erklärt Susanne Windischberger. "Ich bin schon stolz auf meine Erfindungen."

Die Anfänge bei Philips waren allerdings nicht ganz einfach: Der Sache nicht genug, dass sie eine der wenigen Frauen war. Zu allem Überdruss führte Susanne Windischberger auch noch neuartige Computersimulationen ein, anstatt mechanische Experimente zu tätigen. So stellte sie die Philips Entwicklungsabteilung sukzessive auf theoretische Beine. Doch der entstandene Männeraufruhr legte sich bald, als klar wurde, dass die Computerarbeiten der neuen Mitarbeiterin mit den Experimenten zusammenpassten und sie darüber hinaus ihren Kollegen zu verstehen gab: "Ihr dürft bei mir fluchen." Denn unter Technikern werde halt ein lockerer Umgangston gepflegt. "Sie entschuldigen sich dann immer und ich sage jedes Mal darauf: Ich habe das Wort schon mal gehört!"

Frauen bremsen sich selbst

Trotz allem erfolgte der wahre Karrierekick erst, als Susanne Windischberger im Rahmen des Leonardo Awards "Techwoman of the year 2004" wurde. Zwar hatte es schon vorher Karrieregespräche mit Vorgesetzten gegeben, bei denen ihre hohen Entwicklungsmöglichkeiten festgehalten worden waren. Trotzdem habe es viel mehr bewirkt, als im Rahmen des Award auch von außen bestätigt wurde: "Die ist gut", analysiert Windischberger im Nachhinein. Im vergangenen Jahr avancierte die Physikerin dann zur Leiterin der Vorentwicklungsgruppe, was ihr großen Spaß macht, denn "ich habe den Mut, Entscheidungen zu fällen und übernehme gerne Verantwortung." Das war jedoch nicht immer so.

Viel geholfen hat ihr auch das Philips Frauenmentoring Programm. Mit ihrer Mentorin arbeitete sie etwa am selbstsicheren Erscheinungsbild: "Wenn ich einen Raum betrete, bin ich früher hineingeschlichen – das hat sich nun verändert." Fortan beobachtete sie ihre Körperhaltung, denn ein Mann sitzt nun mal ganz anders: "Breite Beine, breite Ellenbogen - automatisch raumfüllender als die meisten Frauen." Damals wurde Windischberger bewusst, dass Frauen sich oft selbst bremsen: "Kein Mann hält mich davon ab, mich aufrecht hinzusetzen, und dadurch stärker zu wirken."

Gastautorin Teresa Arrieta ist freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin.

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www.w-fforte.at
Wirtschaftsimpulse für Frauen in Forschung und Technologie
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    foto: privat
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