Zur Spitze zählen, aber Mensch bleiben

11. Oktober 2007, 08:00
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Allergologin Fatima Ferreira ist eine der ersten Frauen, die ein privatwirtschaftliches Forschungslabor leitet - ein Porträt

"Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt sind die Basis für gutes Teamwork."

Die aus Brasilien stammende Allergologin Fatima Ferreira kommt aus einfachsten Verhältnissen, hat zwei Universitätsstudien absolviert, bekleidet seit ihrer Studienzeit Führungspositionen und ist eine der ersten Frauen, die ein privatwirtschaftliches Forschungslabor leitet. Ein Porträt von Gastautorin Teresa Arrieta.

Position: Leiterin des Christian Doppler Labors für Allergiediagnose und Therapie an der Universität Salzburg, Department of Molecular Biology.
Ausbildung: Zahnarztstudium, Studium der Biochemie.
Wissenschaftsdisziplin: Allergieforschung

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Das Selbstbewusstsein hat sie von ihrer Mutter. Die war Schneiderin, hat alleine drei Kinder groß gezogen, und immer gesagt: "Das wichtigste ist, zu studieren und einen Beruf zu haben, denn das kann euch niemand wegnehmen." Sichtlich gerührt ist Fatima Ferreira, als sie von ihrer Mutter erzählt, oder davon, dass sie ein "positives Vorbild" für ihre Mitarbeiter sein möchte. Oder auch, dass ihr Wiener Lehrmeister, der Allergiepapst Professor Dietrich Kraft "wie ein Vater" für sie war. Eine Frau mit viel Gefühl ist sie, sehr ehrgeizig, aber mit Gespür für Zwischenmenschliches. "Mein Ziel war immer, als Forscherin zur Spitze zu zählen und dabei Mensch zu bleiben", fasst sie ihre Lebenshaltung zusammen.

Allergien untersucht die Medizinerin seit nun schon sechzehn Jahren. Im Visier hat sie vor allem die Pollenallergie, der sie mit den Mitteln der Gentechnik beizukommen versucht. Im Labor isoliert ihr Team jene Pollengene, die Allergien auslösen, um so einen Impfstoff zu entwickeln. Für das Biotechunternehmen Biomay hat die ambitionierte Wissenschafterin das erste künstliche Allergen entwickelt. Biomay war die erste Firma weltweit, die rekombinante - also künstliche - Allergene auf den Markt gebracht hat.

Brückenschlag zwischen Industrie und Universität

Die Firma ist auch ihr Finanzpartner im neuen, von ihr geleitete Christian Doppler Labor für Allergiediagnostik und Therapie in Salzburg. Christian Doppler Labors dienen der anwendungsorientierten Grundlagenforschung und fördern die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen. Die Labors werden je zur Hälfte von der öffentlichen Hand und den kooperierenden Mitgliedsfirmen der Christian Doppler Gesellschaft finanziert. Die größte Herausforderung im Rahmen ihrer neuen leitenden Position ist für sie "auf ihre MitarbeiterInnen einzugehen". Die Wissenschafterin sieht darin eine "große Verantwortung".

In der gruppendynamischen Situation des Forschungslabors lerne sie die "tieferen Beweggründe" von Menschen besser verstehen. Auch über sich erfährt sie dabei viel Neues, es gebe wohl "keine bessere Therapie" als das Feedback der anderen, so Ferreira über ihren Arbeitsalltag. Das gemeinsame Ziel des Teams ist, ganz oben in der Forschungselite mitzumischen. Was auch gelingt, denn Österreich zählt im Bereich der Allergieforschung zur Weltspitze, berichtet Fatima Ferreira voller Stolz.

Empor gearbeitet

Sie strahlt, wenn sie von ihren außergewöhnlichen Leistungen erzählt. Fatima Ferreira gehört zu jenem einen Prozent BrasilianerInnen, die ein Universitätsstudium abgeschlossen haben. Sie selbst hat sogar zwei Studien absolviert, beide aus staatlichen Stipendien finanziert. Einen "eisernen Willen" braucht es dafür, und ohne die Unterstützung ihrer Familie hätte auch der nicht gereicht. Ihr unprätentiöses Selbstbewusstein? Von ihrer Mutter übernommen, einer "sehr starken Frau", die ihren Kindern beibrachte, das, was man will, in die eigenen Hände zu nehmen - und sie auf dem gewählten Weg vorbehaltlos unterstützt hat.

In Fatimas Fall war dieser Weg zuerst ein Zahnarztstudium und dann eine Dissertation in Biochemie. Die Studentenzeit verhalf ihr zur späteren steilen Karriere, denn damals erhielt sie die Möglichkeit, ihre Führungsqualitäten zu erproben: Ferreira war Klassensprecherin und hernach oberste Studentenvertreterin. "Ich hab mich immer getraut", erinnert sie sich heute. In diesen Jahren habe sie verstanden, dass sie keine Angst zu haben brauche, etwas falsch zu machen.

Neues Zuhause in Österreich

Nach der Lehrzeit folgte ein Postdoc in Toronto, das ihren Weg nach Österreich besiegelte, denn in Kanada lernte Fatima Ferreira ihren zukünftigen Mann kennen, einen Wiener, ebenfalls Biochemiker. Ein "absoluter Traummann" sei er, sagt sie und ihre Augen leuchten. Er habe immer alles getan, damit sie erfolgreich sein konnte. Ein weiterer Unterstützer war ihr Wiener Lehrer, Professor Dietrich Kraft. In einer Zeit, wo Gleichbehandlung keineswegs en vogue war, habe er Frauen nach Kräften gefördert. Viele seiner ehemaligen Mitarbeiterinnen seien heute dank seiner unsichtbaren Hand erfolgreich. Am meisten hat Ferreira damals seine Ehrlichkeit imponiert: Ein besonderes Klima des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts habe er zu schaffen verstanden. Heute bemüht sie sich, gegenüber ihren Mitarbeitern im Christian Doppler Labor ähnliche Führungsqualitäten an den Tag zu legen. "Ehrlichkeit ist die Basis einer guten Zusammenarbeit", so ihr Leitsatz.

Auch die Förderung von Frauen sind der 47jährigen ein besonderes Anliegen: Obwohl sie und ihr Mann sich zur Kinderlosigkeit entschlossen haben, legt sie Wert darauf, dass Frauen mit Kindern die Möglichkeit zur Karriere erhalten – es gibt mehrere Alleinerzieherinnen in ihrem Forscherteam, betont Fatima Ferreira. Wenn sie nicht im Labor steht, kocht sie brasilianisch, hört brasilianische Musik, oder erhält Besuch von ihrer brasilianischen Familie. Natürlich sei es in Österreich anfangs schwer für sie gewesen, aber in der Zwischenzeit ist hier für sie Heimat geworden: "Wenn ich meine Familie in Brasilien besuche, sag' ich zum Abschied immer: Jetzt fahr' ich nach Hause."

Gastautorin Teresa Arrieta ist freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin.

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www.w-fforte.at
Wirtschaftsimpulse für Frauen in Forschung und Technologie
  • Artikelbild
    foto: privat
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