"Ein engstirniger und grausamer Diktator"

25. September 2007, 19:36
378 Postings

Der iranische Präsident Ahmadinejad wurde bei Rede an Columbia-Universität als "Diktator" begrüßt - Demos in New York

New York - Der Präsident der New Yorker Columbia-Universität, Lee Bollinger, hat den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad als "engstirnigen und grausamen Diktator" zu einem Auftritt vor seinen Studenten begrüßt. Wenn Ahmadinejad den Holocaust leugne, sei er entweder "schamlos provokativ oder erstaunlich ungebildet", sagte Bollinger, der den Auftritt als notwendige geistige Auseinandersetzung verteidigt hatte, am Montag.

Damit könne der iranische Präsident vielleicht Ungebildete und Unwissende täuschen, sagte Bollinger weiter. "Wenn Sie aber an einen Ort wie diesen kommen, machen Sie sich (damit) einfach lächerlich. Der Holocaust ist das am meisten dokumentierte Ereignis in der Menschheitsgeschichte."

Ahmadinejad wurde mit Beifall begrüßt, als er an der Universität ans Rednerpult trat. Er wies Bollingers Einführung als Beleidigung zurück. Der Uni-Präsident sei unter dem Einfluss "der feindseligen US-Presse und -Politiker". Er wolle sich nicht "von dieser unfreundlichen Behandlung" beeinflussen lassen. Auf Fragen aus dem Publikum zu seinem Ausspruch, der Holocaust sei ein Märchen, sagte er: "Angenommen, es ist geschehen: Was hat das mit dem palästinensischen Volk zu tun?"

Auf eine Nachfrage zu Todesurteilen gegen Homosexuelle im Iran sagte Ahmadinejad, die iranische Justiz richte Gewaltverbrecher und Rauschgifthändlerbosse hin. Er verglich das mit Mikroben, die durch medizinische Behandlung eliminiert würden. Erneut auf die Todesstrafe gegen Homosexuelle angesprochen, sagte er: "Wir haben im Iran keine Homosexuellen wie ihr in eurem Land." Nachdem einige im Publikum lachten, fügte er hinzu. "Wir haben im Iran nicht dieses Phänomen. Ich weiß nicht, wer Ihnen gesagt hat, wir hätten es."

"Bände über Amerikas Größe"

Gegen den Auftritt Ahmadinejads demonstrierten am Montag tausende Menschen in New York. Ahmadinejad dürfe keine Bühne geboten werden, sagte eine der Demonstrantinnen, Stadtratsmitglied Christine Quinn. US-Präsident George W. Bush reagierte betont gelassen: Ahmadinejads Auftritt in der Columbia-Universität spreche Bände über Amerikas Größe, sagte er im Fernsehsender Fox.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP meinte Ahmadinejad, der Iran plane keinen Angriff gegen Israel oder einen anderen Staat. "Der Iran wird überhaupt kein Land angreifen", sagte der Präsident. Die Außenpolitik Teherans sei von humanitären Bestrebungen getragen und dem Bemühen um Gerechtigkeit.

Zum Streit über das iranische Atomprogramm sagte er, es sei falsch anzunehmen, dass der Iran und die USA auf einen Krieg zusteuerten. Zugleich dementierte er in einem Interview mit dem US-Sender CBS erneut, dass sein Land den Besitz von Atomwaffen anstrebe. In den heutigen politischen Beziehungen sei eine Atombombe nicht von Nutzen. (APA/AP)

  • Download
  • Proteste gegen den iranischen Präsidenten vor der Columbia-Universität.
    foto: epa

    Proteste gegen den iranischen Präsidenten vor der Columbia-Universität.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vor der Columbia University.

Share if you care.