Gedenken an einen Unbeugsamen

26. September 2007, 09:16
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Das Bregenzer NS-Opfer Ernst Volkmann erfährt späte Rehabilitierung

Bregenz - Eine kleine Tafel an der Außenwand der Stadtpfarrkirche St. Gallus erinnert seit Sonntag an Ernst Volkmann, der 1941 von den Nazis in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Kurz vor der Seligsprechung Franz Jägerstätter gedenkt die Stadt Bregenz erstmals eines Wehrdienstverweigerers. "Wir sind spät dran", sagte Pfarrer Rudi Siegl beim Gedächtnis-Gottesdienst.

Das Schicksal Ernst Volkmanns wurde verdrängt und vergessen, ebenso wie die Verantwortung seiner Zeitgenossen. Jener, die ihn denunziert, verhaftet, angeklagt hatten, weil er Adolf Hitler einen Mörder nannte und den Wehrdienst verweigerte. Volkmann sah im Militärdienst für die Nationalsozialisten "eine Vergewaltigung seiner sittlichen Freiheit". Der NS-Staatsanwalt attestierte: "Abnormal, aber nicht geisteskrank."

Kein Verständnis

Ernst Volkmann stand nicht nur im Widerspruch zum Regime, er fand auch kein Verständnis bei seinen Mitbürgern und Glaubensbrüdern. Bevor er ins Gefängnis gebracht und ermordet wurde, hatten ihn die Behörden längst seiner Existenz, des Gewerbes und des Geschäfts beraubt, in Bregenz wurde der früher so beliebte Musiker zum einsamen Mann. "Für die überwiegende Zahl war Einrücken Bürgerpflicht", erinnerte Historiker Meinrad Pichler in der Gedenkrede, "aber die Geschichte hat den Unbeugsamen Recht gegeben."

Die späte Rehabilitierung des Instrumentenbauers war für manche Festgäste auch mit einer Enttäuschung verbunden: "Kleiner hätten sie die Tafel nicht machen können", schüttelten einige den Kopf. Das A4-Format der Gedenktafel sei "ein bedauerlicher Fehler", sagt Stadtarchivar Thomas Klagian. Bald werde eine größere Tafel hängen. Eine die neben dem überdimensionierten Kriegerdenkmal nicht ganz verschwindet. (jub/DER STANDARD – Printausgabe, 25.9.2007)

  • Ernst Volkmann verweigerte den Militärdienst, nannte Adolf Hitler einen Mörder und musste dafür sterben.
    foto: jutta berger

    Ernst Volkmann verweigerte den Militärdienst, nannte Adolf Hitler einen Mörder und musste dafür sterben.

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