Psychodaten-Sammlung zu heikel

25. September 2007, 10:03
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Das Innenministerium will heikle Daten von Mitarbeitern sammeln - Doch die Datenschutzkommission sagt nein

Nur Psychologen dürfen den Test, den auch Waffenbesitzer absolvieren müssen, auswerten.

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"Wenn man mir die Gelegenheit dazu gäbe, könnte ich ein guter Anführer sein." Wer im Innenministerium arbeiten möchte, kommt um diese und fast 600 weitere Testfragen nicht herum. Sie stammen aus dem so genannten Minnesota Multiphasic Personality Inventory Test (siehe Wissen), mit dem klinische Psychologen überprüfen, ob jemand an einer psychischen Erkrankung leidet. Auch Waffenverlässlichkeitsprüfungen werden in Österreich damit durchgeführt. Das Innenministerium wollte die neue Computerversion des Psychotests, kurz MMPI, routinemäßig für die Personalabteilung einsetzen - doch die EDV-gestützte Sammlung der heiklen, medizinischen Daten durch Laien geht der Datenschutzkomission zu weit. Das Ansuchen wurde abgelehnt.

Auch Professor Rolf Engel vom Klinikum der Universität München, der vor sieben Jahren ein "Update" des aus den 1940er-Jahren stammenden Tests durchgeführt hat, warnt vor einem Einsatz als Berufseignungstest. "Das Verfahren darf nur dazu dienen, eine mögliche psychische Erkrankung zu diagnostizieren", erklärt Engel auf Anfrage des Standard. Für die Auswertung sei außerdem eine umfassende Kenntnis von Persönlichkeitstheorien notwendig.

Selbsteinschätzung

Der MMPI-2, wie die aktuelle Version heißt, ist einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Tests zur Selbsteinschätzung von Personen. Dennoch - oder wahrscheinlich gerade deswegen - ist er in der Fachwelt nicht unumstritten. In einer Bewertung durch Wissenschafter der Universität von Trier heißt es beispielsweise, dass das Verfahren "nicht vertretbar" sei, weil es "keinen empirischen Gültigkeitsnachweis" gebe.

Wie auch immer, der MMPI wird jedenfalls seit 1997 für Waffenverlässlichkeitsprüfungen eingesetzt. Um, wie es im Waffengesetz heißt, zu überprüfen, "ob der Betroffene dazu neigt, insbesondere unter psychischer Belastung mit Waffen unvorsichtig umzugehen und sie leichtfertig zu verwenden".

Wer in Österreich eine Schusswaffe will, muss also vorher seine Zuverlässigkeit nachweisen. Und zwar bei einem zugelassenen klinischen Psychologen. Die Resultate unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht, aber wer kein positives Gutachten erhält, kann auch keine Waffenpapiere beantragen und ist damit vom Waffenkauf ausgeschlossen. Allerdings ist es möglich, es bei verschiedenen Psychologen mehrere Male zu probieren. Im Kuratorium für Verkehrssicherheit, dessen Psychologen auch Waffenverlässlichkeitsprüfungen durchführen, heißt es, dass der MMPI gar nicht verwendet werde. Man habe ein eigenes, zugelassenes Verfahren entwickelt.

Weniger Waffenpässe

Die Zahl der waffenrechtlichen Dokumente für genehmigungspflichtige Schießeisen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. 1997, als das Waffengesetz verschärft und die psychologischen Tests eingeführt worden waren, gab es laut Innenministerium noch rund 356.000 Waffenpässe und Besitzkarten, Anfang des Jahres 2007 waren es nur mehr knapp 253.000.

Jäger und Träger von Dienstwaffen müssen keinen Psychotest absolvieren. Für einen Waffenpass, der auch das Führen erlaubt, muss eine Notwendigkeit, wie sie etwa bei Jägern vorliegt, oder eine besondere Gefährdung glaubhaft gemacht werden. (Michael Simoner/DER STANDARD – Printausgabe, 25.9.2007)

  • Seit 1997 gilt: Wer ballern will, muss seine Zuverlässigkeit nachweisen.
    foto: michael simoner

    Seit 1997 gilt: Wer ballern will, muss seine Zuverlässigkeit nachweisen.

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