Spitzen und so weiter ...

3. Oktober 2007, 07:00
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Frauenrechtlerin, dokumentierter Hysterie-Fall, Kunstsammlerin - Bertha Pappenheim wird eine Ausstellung im MAK gewidmet - mit Porträt

Als "Anna O." ist sie in die Geschichte der Psychoanalyse eingegangen, als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der jüdischen Frauenbewegung gründete sie ein "Heim für gefallene Mädchen", als Reisende informierte sie sich über die Situation jüdischer Frauen in Osteuropa und als Kunstsammlerin machte sie sich einen Namen, der bis heute nicht in Vergessenheit geraten ist. Bertha Pappenheim war eine Frau von besonderem Format: vielseitig, umtriebig und zutiefst tiefsinnig.

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Ihre langwährenden psychoanalytischen Gespräche mit Sigmund Freud lieferten ihm den oft zitierten ersten "Fall" seiner Therapie, die Josef Breuer 1895 in den "Studien zur Hysterie" publiziert hat. Nach ihrer Genesung ließ sich Berha Pappenheim 1888 in Frankfurt am Main nieder und widmete sich jener Aufgabe, die ihr Lebenswerk werden sollte. Die gebürtige Wienerin schloss sich der jüdischen Frauenbewegung an und gründete im Jahr 1907 das "Heim für gefallene Mädchen" - ledige Mütter - in Neu-Isenburg, das sie bis zu ihrem Tod 1936 leitete.

Obwohl mit Arbeit zur Gänze ausgelastet, ruhte sie nicht und wollte auf zahlreichen Reisen Erkundigungen über die sozialpolitische Lage von Frauen in anderen Ländern einholen. Neben wesentlichen Informationen für ihre Tätigkeit brachte sie auch ausgefallene Kostüme, Stickereien, Spitzen und andere Textilien mit nach Hause.

Als Ausgleich zu ihrer anstrengenden Arbeit "müffelte" sie, wie sie selbst gesagt hat, bei AltwarentandlerInnen, KunsthändlerInnen und PrivatverkäuferInnen und legte sich im Laufe der Jahre eine beträchtliche Sammlung an. 1850 Teile, darunter Spitzen aus Italien, Frankreich und Belgien aus dem 16. bis zum 18. Jahrhundert umfasst die Kollektion, die nun im MAK - Museum für angewandte Kunst - in Ausschnitten gezeigt wird. Darunter befindet sich auch ihre Eisenkunstguss-Sammlung mit siebzig Objekten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zusätzlich wird dieser großen Frau mit einer Gedenktafel am Haus Liechtensteinstraße 2 im neunten Wiener Gemeindebezirk - hier befand sich Bertha Pappenheims Wiener Wohnung - gedacht.

Ausstellung:
"Spitzen und so weiter ... Die Sammlungen Bertha Pappenheims im MAK"
3. Oktober 2007 - 16. März 2008
Öffnungszeiten siehe: MAK
Jeden Samstag freier Eintritt!
Der Katalog zur Ausstellung kostet Euro 23.

(dabu/dieStandard.at, 03.10.2007)

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"Wer war Anna O.?"
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    Bertha Pappenheim
    (1859 - 1936)

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