Weniger Steuern für Frauen!

26. September 2007, 07:00
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Alberto Alesina hat sich mit seinem Vorschlag der geschlechtergerechten Besteuerung die Zuckerl-Auszeichnung verdient

Was schon lange kein Geheimnis mehr ist, aber leider noch immer traurige Realität: im europäischen Vergleich sind in Österreich die Ungleichheiten in der Erwerbs- und Einkommenssituation von Frauen versus Männern drastisch. Denn die Berechnung der durchschnittlichen Lohndifferenz von ersteren wird von ExpertInnen nach wie vor mit zwei Dritteln der letzteren angegeben. Dieser gravierende Unterschied liegt nicht bloß darin begründet, dass Frauen öfter und länger in Karenz gehen und mehr Teilzeit arbeiten als Männer, sondern auch an der simplen Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts, genannt Diskriminierung.

Was eine Lösung wäre, wenn auch nur vorübergehend, hat Harvard-Ökonom Alberto Alesina dieser Tage fomuliert: Frauen sollen niedriger besteuert werden als Männer. Dieses Modell hätte neben seiner ausgleichenden Wirkung auch den Vorteil, dass es "die Anreize für Frauen erhöhe, überhaupt einer bezahlten Erwerbsarbeit nachzugehen beziehungsweise nach einer Babypause schneller wieder ins Berufsleben einzusteigen", meinte die Finanzwissenschafterin und WIFO-Leiterin Margit Schratzentaller in der STANDARD-Printausgabe vom 22./23. September.

Fraglich sei jedoch, so Schratzentaller, ob die Steuerpolitk der entscheidende Hebel sein könne, um die Erwerbs- und Einkommenssituation von Frauen zu verbessern, und sie argumentiert mit den fehlenden Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Natürlich dürfen die Bestrebungen nach vermehrten und verbesserten Kinderbetreuungsangeboten, nach geteilter Betreuung von beiden Elternteilen, nach mehr Männern in Karenz, nach verringerten Arbeitszeiten für alle und alle anderen Forderungen nach funktionelleren und familienfreundlicheren Strukuren nicht fallen gelassen werden. Doch das reduzierte Besteuerungsmodell für Frauen wäre ein erster, wenn auch möglicherweise bloß vorübergehender Schritt, um die Erwerbsarbeitssituation von Frauen zu verbessern. Dafür erhält Alberto Alesina ein süßes Zuckerl.
(dabu/dieStandard.at, 26.09.2007)

  • Zuckerl-Kandidat Alberto Alesina
    foto: montage/diestandard.at
    Zuckerl-Kandidat Alberto Alesina
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