Des "Falters" 30 Jahre in 30 Sätzen

26. September 2007, 19:56
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Die Stadtzeitung feierte am Wochenende in der Ottakringer Brauerei

Was VIPs zum VIP-Sein brauchen, ist ein Podium. Und Nicht-VIP-Publikum. Und weil Medienmacher das gut wissen, gibt es bei Jubiläen von Blättern und Gazetten viel Setting, Zeremoniell und Hierarchien. Also eine Plattform, auf der Politik und Anzeigenkunden denen, die sonst - natürlich unabhängig und unvoreingenommen - berichten, ewige Freundschaft und Zuneigung versichern. Es brauchte nicht Österreich, um dieses "System" zu erfinden, aber wenn ein Medium in der Hochblüte des Fellnerismus dieses Spiel nicht spielt, fällt das auf.

Als der Falter am Wochenende in der Ottakringer Brauerei seinen 30er feierte, zelebrierte das Wiener Stadtblättchen die Antipode zum Promi-Tschingbum: Armin Thurnher verlas 30 Sätze zu 30 Jahren Falter - das war es ansprachen- und selbstlobtechnisch schon. Und weil nicht kommt, wer nicht hofiert wird, verlief das Zweitagesfest angenehm, da ohne Rückschleimer-Auftritte. Stattdessen nahm man sich selbst aufs Korn: Maschek re-synchronisierten einen Auftritt von Thurner in der "ZiB", und alle fanden das fein. Gerade weil man weiß, dass die bloße Erwähnung einer solchen Performance anderswo schon fast ein Kündigungsgrund wäre. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD – Printausgabe, 24.9.2007)

  • Selbstlobtechnisch bescheiden: Armin Thurnher
    foto: heribert corn

    Selbstlobtechnisch bescheiden: Armin Thurnher

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