In vino renditas

30. September 2007, 15:14
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Dass im Wein die Wahrheit liegt, wussten bekanntlich schon die alten Römer. Dass sich mit edlen Tropfen auch gut verdienen lässt, hat sich erst sehr viel später herumgesprochen

Ihre Zahl geht in die Zehntausende, ihre Formenvielfalt scheint unbegrenzt. Sie sind die Lieblinge der Investoren, ob Profi oder Privatanleger. Zertifikate gibt es für Zocker und für konservative Anleger. Ihr Siegeszug am Kapitalmarkt startet mitten im Börsenboom des Jahres 2000. Die Kurse fast aller Aktien und die der meisten Aktienfonds verlieren in den Folgejahren dramatisch an Wert, die der Zertifikate dagegen nehmen seitdem sprunghaft zu.

Denn spätestens seit dem Platzen der Börsenblase suchen Anleger verstärkt nach transparenten, berechenbaren Instrumenten zur Geldanlage - mitunter auch mit "genussvollen" Investments. So legt die Raiffeisen Centrobank (RCB) im Herbst 2005 mit dem "Wein Basket" (WKN RCB2CL) Europas erstes und bislang einziges Wein-Zertifikat auf. 13 Aktien großer börsenotierter internationaler Unternehmen liegen im Korb - unter ihnen klingende Namen wie Baron de Ley, Davide Campari, Laurent Perrier, Pernod-Ricard, Remy Cointreau oder Diageo. Bei den meisten zeigt der Trend steil nach oben.

Auszahlung in flüssiger Form

"Beim 'Wein Basket' handelt es sich um so genannte Open-End-Zertifikate mit offener Laufzeit. So kann jederzeit gekauft und verkauft werden", so Heike- Dietlind Arbter, Leiterin Aktienhandel Ausland bei der RCB. Im Unterschied zu den in Deutschland aufliegenden Wein-Fonds: Arbter: "Dabei handelt es sich um geschlossene Fonds. Nach Ablauf der Anlagezeit werden die Anteile nicht in Geld, sondern in 'flüssiger Form' ausgezahlt: Die Anleger können ihren Wein dann entweder konsumieren oder verkaufen." Einer der ganz großen am deutschen Markt ist die Blue Capital. Seit 1999 hat sie mittlerweile vier Weinfonds aufgelegt - mit einer Mindestbeteiligung von 10.000 Euro müssen die Anleger auch das nötige Kleingeld auf den Tisch legen. Im Portfolio befinden sich zwischen 30 und 100 Spitzenweine mit Schwerpunkt auf die französische Bordeaux-Gegend. Die Auflösung der ersten Fonds ist für Ende 2007 geplant.

Der Preis je Zertifikat im "Wein Basket" liegt aktuell bei 11,23 Euro. Nach Berechnungen der RCB entwickelt sich das Zertifikat in den vergangenen vier Jahren mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent deutlich besser als der MSCI-World-Index. Seit Oktober 2005 beträgt das Wachstum 15 Prozent. Aktuell liegt die Berechnung des Baskets somit bei 115 Euro. Trotz relativ risikoamer und krisensicheren Anlage bleibt der Investment-Rausch in den Korb bislang aus. Arbter sieht den Grund dafür schlichtweg in der Mentalität der Österreicher: "Österreicher kaufen Weine, Österreicher trinken Weine. Als klassisches Investmenthema ist er ihnen aber wahrscheinlich noch zu exotisch."

Auf eine Ausschüttung müssen Investoren im übrigen wie bei Zertifikaten üblich verzichten. Die anfallenden Dividenden gehen an die RCB. (Sigrid Schamall)

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    Wein - nicht nur europäisches Kulturgut,...

  • ...sondern auch eine geschmackvolle Form der Geldanlage.
    foto: derstandard.at

    ...sondern auch eine geschmackvolle Form der Geldanlage.

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