Lamas: Aus den Anden in die Alpen

26. September 2007, 19:24
4 Postings

Neben Rindern, Schafen und Ziegen bevölkern immer öfter auch Lamas heimische Weiden - zum Beispiel am Berghof Sturmgut in OÖ

Immer öfter werden in Österreich Lamas gesichtet. Kein Zufall, denn Züchter schätzen die Genügsamkeit der pflegeleichten Tiere, die südamerikanisches Temperament auf die Weide bringen. Auch die Verkaufserträge sind höher als beim heimischen Vieh.

* * *

Linz/St. Pölten - Weite Wiesen, verschlungene Wanderwege, steile Weiden, Kühe, Schafe, Lamas, das Panorama der Kalkalpen - Moment: Lamas? Im oberösterreichischen Stodertal? Tatsächlich, just auf der Hannes-Trinkl-Abfahrt, wo sich jeden Winter die weltbesten Skifahrer in die Tiefe stürzen, lassen die Anden grüßen. Friedlich grasend stehen die Tiere im Gelände, nehmen kaum Notiz von Wanderern, die überrascht innehalten und den ungewöhnlichen Anblick fotografieren. Doch eine Begegnung dieser Art ist in Österreich kein Einzelfall mehr, laut Landwirtschaftsministerium bevölkern bereits 903 Lamas die Alpenrepublik; Jungtiere unter einem Jahr nicht mitgezählt.

Die Hauslamas im idyllischen Farnau bei Hinterstoder gehören zum Berghof Sturmgut, wo die Familie Kletzmair Urlaub am Bauernhof anbietet. "1999 haben wir mit einem Hengst und drei Stuten begonnen, derzeit halten wir 19 Lamas", erzählt Rainer Kletzmair im Standard-Gespräch. Auf die Idee, ein wenig südamerikanisches Temperament auf die Weiden zu bringen, sei man bei einer Pferdemesse in Wels gekommen, wo Lamas als genügsames Vieh angepriesen worden seien.

"Lamas sind aber nicht nur genügsam, sie sind auch sehr gelehrig und quasi stubenrein", lobt Rainer Kletzmair seine Herde. Zum Misten begäben sich die Tiere immer an eine bestimmte Stelle ins Freie. Die Lamas sind aber natürlich auch eine Touristenattraktion des Bauernhofes. "Unsere Herde ist sehr kinderfreundlich", so Kletzmair. Reiten stehe aber nicht auf dem Programm.

Großviehförderung

Eine spezielle Förderung für die Lamahaltung gibt es in Österreich nicht, sie fallen in die übliche Kategorie der Großvieheinheiten. Da aber der Haltungsaufwand viel geringer ist, als zum Beispiel bei Kühen, bleibt vom Förderbetrag mehr über. Zudem bringen die Andentiere mehr ein als jene aus den Alpen: Lamastuten kosten bis zu 2000 Euro, Hengste die Hälfte.

Der "Lamaflüsterer" der heimischen Szene, Gerhard Rappersberger, betreibt in Listberg bei Oberdorf (NÖ) eine Lamaranch. Vor elf Jahren haben er und seine Gattin Renate drei Hektar Grünland gekauft und das erste landwirtschaftliche Gebäude in Österreich errichtet, das ausschließlich für die Lamahaltung konzipiert und bewilligt wurde.

Mittlerweile ist der Betrieb im Mostviertel Anlaufstelle für "Llameros" aus ganz Europa. Angeboten werden nicht nur Zuchtfohlen, Training für Lamas und viele Produkte, die aus Lamawolle hergestellt werden, sondern auch ein- oder mehrtägige Trekkingtouren, bei denen die Tiere die Last des Gepäcks übernehmen. Sogar Schulausflüge mit Lamas können im "Lamawanderland" gebucht werden. Derzeit stehen etwa Borsti, Professor Caruso, Carlos, Estero und Cani als Begleittiere ganz oben auf der Beliebtheitsskala. (Michael Simoner/DER STANDARD – Printausgabe, 22./23.9.2007)

LAMA-LEXIKON


  • Alpaka:
  • Mit bis zu 65 Kilogramm sind Alpakas (Lama pacos) deutlich leichter als ihre großen Lamaverwandten. Sie werden wegen ihrer qualitativ hochwertigen Wolle geschätzt.


  • Brummen:
  • In Südamerika werden Lamas auch "stumme Freunde" genannt. Untereinander verständigen sie sich meist mit Brummlauten.


  • Federung:
  • Wie alle Kamele haben Lamas an den Füßen Sohlenpolster. Auf Wiesen richten sie deshalb im Passgang weniger Trittschaden an. Ihre Oberlippe ist gespalten und sehr beweglich.


  • Futter:
  • Lamas sind genügsam. Sie ernähren sich von Gras und Sträuchern, fressen aber auch Karotten und Semmeln. Manche heimische Farne sind Lama-Gift.


  • Kamel:
  • Das Lama (lat. Lama glama) ist eine südamerikanische Kamelart. Im Gegensatz zu den so genannten Altweltkamelen (Dromedar und Trampeltier) haben sie aber keinen Höcker.


  • Spucken:
  • Wenn sich Lamas bedroht fühlen oder die Rangordnung klarstellen wollen, können sie sehr zielsicher spucken. Zur Vorwarnung mit Speichel, wenn's ernst wird, mit halbverdautem Mageninhalt. (simo)
    Am Sonntag, 23.9., findet auf dem Gelände der Ranch eine "Lama-Fiesta" mit südamerikanischer Live-Musik statt.
    Beginn: 10 Uhr

    Links:

    Lamawanderland

    Sturmgut

    • Südamerikanisches Flair im oberösterreichischen Stodertal: Die Herde von Jung-Lamas gehört zum Berghof Sturmgut.
      foto: berghof sturmgut/kletzmair

      Südamerikanisches Flair im oberösterreichischen Stodertal: Die Herde von Jung-Lamas gehört zum Berghof Sturmgut.

    Share if you care.