Nabucco: Aseris an Bord

31. Oktober 2007, 13:05
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Die Aserbaidschanische Firma soll an der Gaspipeline beteiligt werden

Baku - Die OMV, treibende Kraft hinter dem Nabucco-Projekt einer Gasleitung aus dem kaspischen Raum bis Österreich, will mit einer neuen Taktik Schwung in das zuletzt ins Stocken geratene Unterfangen bringen. Damit sich Aserbaidschan einen Ruck gibt und einen Vertrag über langfristige Gaslieferung nach Europa zustimmt, soll die staatliche Gasgesellschaft Aserbaidschans, Socar, bis zu zehn Prozent der Anteile an der Nabucco-Betreibergesellschaft bekommen.

Zusätzliches Gewicht hat diese Absicht durch ein Memorandum of Understanding, erhalten, das Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und sein Visavis auf aserbaidschanischer Seite, Energieminister Natiq Aliyew, in Baku unterzeichnet haben. Bei den Gesprächen mit hochrangigen Regierungsvertretern wurde Bartenstein zum Abschluss einer Wirtschaftsmission nach Zentralasien und Aserbaidschan in Baku auch eine Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zugesichert.

Echtes Eigenkapital

Partner im Nabucco-Konsortium sind derzeit die Gasgesellschaften der Türkei, Griechenlands, Bulgariens, Rumäniens, Ungarns und Österreichs. Als sechster Partner wird dem Vernehmen nach die deutsche RWE dazukommen; ob auch Gas de France aufgenommen wird, ist noch nicht entschieden.

Socar wäre das erste Unternehmen im Konsortium, das auch über die notwendigen Gasreserven verfügt. Socar müsste im Fall einer Aufnahme in das Konsortium echtes Eigenkapital einbringen. An ein Gegenrechnen mit Gaslieferungen sei nicht gedacht, sagte Reinhard Mitschek, Leiter des gesamten Pipelinesystems der OMV und Geschäftsführer der Nabucco-Projektgesellschaft, Reinhard Mitschek, dem STANDARD.

Energieminister Aliyew beteuerte das Interesse Aserbaidschans, mehr Gas nach Westeuropa zu liefern und seine Rolle als Transitland zu stärken. Die Kaukasusrepublik, deren Gasvorräte auf etwa 2300 Mrd. m3 geschätzt werden, könnte bis zu zehn Mrd. m3 Gas pro Jahr in die Nabucco-Röhre einspeisen, erwarten Experten. Damit sich das rund fünf Mrd. Euro teure Projekt rechnet, müssten zum Start mindestens zwölf Mrd. m3 Gas durchgeschleust werden. Im Endausbau sollen es 31 Mrd. m3 sein.

Die restlichen Mengen, die stark ansteigen sollen, könnten aus Turkmenistan, das Land mit den drittgrößten Gasreserven der Welt; rund 23.000 Mrd. m3) kommen. Weil der Bau einer transkaspischen Pipeline (siehe Grafik) wegen russischer Bedenken politisch heikel ist, könnte es zu einer Unterwasserverbindung der offshore-Bohrungen von Turkmenistan und Aserbaidschan kommen. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.9.2007)

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