der schönste Tag der Woche: Als Hauptpreis eine ganze Sau

15. September 2007, 00:00
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Nach den schreckenerregenden Auftritten der heimischen Kicker gegen Japan und Chile ist der ÖFB auf der Suche nach Gegnern

Nach den schreckenerregenden Auftritten der heimischen Kicker gegen Japan und Chile ist der ÖFB (= Österreichischer Fußballbund, nicht zu verwechseln mit Ögrenci Faaliyetleri Bogazici, was immer das sein mag) auf der Suche nach Gegnern, die unseren armen Spielern endlich zu einem Erfolgserlebnis verhelfen sollen. Falls die Elf um den laut Eigendefinition "hervorragenden (Pause) Trainer (Pause) Hickers (Pause) berger" noch keinen passenden Sparringpartner gefunden hat, schlage ich die Mannschaft von Amerikanisch-Samoa vor, die vor einigen Jahren gegen Australien 31:0 und unlängst gegen die Salomonen 12:1 verlor.

Ich denke, da sollte sich selbst für Österreich ein knappes 1:0 ausgehen, zumal Amerikanisch-Samoa mit Aruba, Dschibuti und sieben weiteren hierzulande eher unbekannten Ländern zurzeit den letzten Platz der FIFA-Weltrangliste einnimmt. Als Gegenleistung für diesen Tipp möchte ich aber 2008 bitte nicht Teil unserer Fußballnationalmannschaft werden. Der ORF hat nämlich angedroht, unsere Spielers, wie sich der legendäre Ernst Happel auszudrücken pflegte, rund um die Uhr zu begleiten und so Zuschauerinnen und Zuschauer "zu Teilen dieser Mannschaft zu machen".

Langsam frage ich mich, was wir Schlimmes getan haben, dass wir vom ORF immer wieder so grausam bestraft werden. Ich sehe es schon vor mir: Alfons Haider wie er vergeblich versucht, die Spieler nach der dritten Niederlage in Folge mit dem Lied "Wir wollen niemals auseinandergehn" aufzuheitern, oder unsere Dancing-Stars, die Hickersberger mit einem heißen Tango vor dem Einschlafen bewahren wollen. Statt "Mitten im Achten" wird es dann heißen: "Mitten in der Kabine mit Zabine". Stellvertretend für viele bitte ich jetzt schon um Gnade und flehe den ORF an, uns mit solchen Zerrbildern des Grauens zu verschonen.

Ich verstehe ja gar nicht, weshalb in Österreich um die Fußball-EM ein derartiges Tamtam gemacht wird. Es gäbe so viele andere Sportereignisse, über die berichtet werden könnte. Wie wäre es mit der Mehlspeis-Europameisterschaft, für die gerade im Radio geworben wird? Oder mit dem Wettfischen in "Fredis Teich Großstelzendorf", bei dem als Hauptpreis eine ganze Sau gewonnen werden kann? Hier besteht für den ORF noch gewaltiger Nachholbedarf. Ein Gutes hat die Krise um den österreichischen Fußball allerdings: Sie zeigt, dass Geld allein nicht ausschlaggebend dafür ist, ob ein Land gute Kicker hervorbringt oder nicht. Während Österreich als eines der reichsten Länder in der FIFA-Weltrangliste lediglich an 85. Stelle steht, nimmt z. B. Mali den 49. Rang ein, obwohl es zu den vier ärmsten Ländern gehört. Warum ich ausgerechnet auf Mali komme, hat einen einfachen Grund: Dieses Land feiert am 22. September seinen 47. Unabhängigkeitstag, zu dem ich ihm ganz herzlich gratulieren möchte, wobei sich die Frage stellt, ob man einem Land überhaupt zu irgendetwas gratulieren kann.

Sollte das nicht der Fall sein, dann gratuliere ich stellvertretend meinem Spezi Sidi Bamadio aus Bamako zum Unabhängigkeitstag, auch wenn das ein bisschen merkwürdig klingt, weil ich mir gerade vorstelle, wie das umgekehrt wäre, wenn mir Sidi Bamadio zum "Tag der Fahne" ein Telegramm schicken würde. Aber das mit Mali wird schon passen, denn der Papst hat nach seinem Besuch ja auch Österreich gedankt, wobei ich diesem Papst zutrauen würde, dass er damit die Zeitung gleichen Namens gemeint hat, zu der mir eine Passage aus Finnegans Wake von James Joyce zu passen scheint, die da lautet: "Is smutsick rivulverblott". (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 22./23.09.2007)

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    foto: michaela mandl
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