Neuer Bahnhof ohne Marmor

5. Oktober 2007, 10:31
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Der Salzburger Hauptbahnhof wird vom Grenz- zum Durchgangsbahnhof umgebaut - 2014 soll der Neubau fertig sein

Der legendäre Marmorsaal wird geopfert.

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Salzburg - Manchmal ist der Zufall ein "Genosse": Ende 2008, Anfang 2009 - also wenige Wochen bevor sich die Sozialdemokraten Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und Bürgermeister Heinz Schaden bei den Landtags- und Gemeinderatswahlen der Wiederwahl stellen - wird mit dem Um- und Neubau des Salzburger Hauptbahnhofes begonnen. 2014 - möglicherweise wieder kurz vor einem Urnengang - soll das Projekt dann fertiggestellt sein.

Insgesamt 276 Millionen Euro sind veranschlagt. Der größte Brocken davon werde laut ÖBB-Chef Martin Huber in den technischen Bereich fließen. Bisher war Salzburg als Grenzstadt zu Deutschland ja als Kopfbahnhof konzipiert. In Zukunft werden auf neun Durchgangsgleisen die Züge am Knotenpunkt des Korridors Paris- Bratislava abgefertigt. Salzburgs Bahnstation, die derzeit nur zwei Durchgangsgleise hat, erhält eine komplett neue "Gleisgeometrie" und wird sozusagen EU-tauglich.

Der internationale Durchzugsverkehr kann parallel zum nationalen und regionalen Verkehr abgewickelt werden. Auch das Schnellbahnsystem von Freilassing nach Golling beziehungsweise nach Straßwalchen funktioniert erst mit einem Durchgangsbahnhof ohne Probleme.

Mit den Reisezeiten kann dann kein Auto mehr mithalten: Zwei Stunden 14 Minuten - im Stundentakt - werde die Fahrt von Salzburg nach Wien, von Wien nach Salzburg dauern, kündigte Huber an. Technisch könnte man sogar die Zwei-Stunden-Marke zu unterschreiten, aber die Ankunftsmöglichkeiten in München würden eine andere Taktung vorgeben.

Städtebaulich ist der Bahnhofsumbau der letzte Baustein der Umgestaltung des "Quartiers Bahnhof". In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht die neue Zentrale der Salzburger Gebietskrankenkasse, die Anfang Oktober eröffnet wird.

Dazu kommen ein Einkaufszentrum, ein Hotel sowie ein Büro- und Wohnkomplex. Der von dem deutsch-österreichischen Architektenteam Wittfeld - Kada konzipierte Hauptbahnhof selbst wird ebenfalls rund 5000 Quadratmeter Einkaufsfläche beherbergen.

Die Architektur wird letztlich drei Jahrhunderte umspannen: Das Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Hauptgebäude, die denkmalgeschützte Eisenhalle am Mittelbahnsteig aus 1909 und die Elemente des 21. Jahrhunderts. Wermutstropfen für Salzburg-Kenner: Der Marmorsaal am Mittelbahnsteig, in dem heute das Bahnhofsrestaurant betrieben wird, muss ersatzlos geschleift werden. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 21. September 2007)

  • Die denkmalgeschützte Eisenhalle aus 1909 wird auch im neuen Salzburger Hauptbahnhof erhalten bleiben.
    foto: öbb

    Die denkmalgeschützte Eisenhalle aus 1909 wird auch im neuen Salzburger Hauptbahnhof erhalten bleiben.

  • Der Marmorsaal (oben links) muss ersatzlos weichen.
    foto: wild&team

    Der Marmorsaal (oben links) muss ersatzlos weichen.

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