Himmlisch, diese Himbeeren

23. September 2007, 17:00
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Destillate aus Beeren – von Apfelbeeren bis zu Vogelbeeren – zu verkosten, kann richtig Freude bereiten. Zur schönsten Beere, der Himbeere, einige Bemerkungen von Vene Maier

Hmm, hmm, sagt man da, wenn man diese Himbeeren alle verkostet hat. Sowas von glanzvoll und geschmeidig, dabei apart und sensibel sind die Brände aus Himbeeren, dass sich wohl niemand findet – vorausgesetz, er/sie lehnt Schnaps nicht als das Böse unter den Alk-Getränken per se ab –, der/die dabei nicht wohlgefällig in sich geht und diesem symphatischen und erotischen Geschmack nachsinnt. Himmlisch.

Oder anders: Mit einem Himbeerschnaps – so wie sie im Ranking beschrieben und bewertet werden – gelingt die Konvertierung von Schnaps-Atheisten ins Gegenteil sicher leichter als jene vom Religions-Atheisten zum Gottgläubigen. Er hat ja auch nichts überirdisches (oder irgendeine Form von Nirvana) an sich, sondern ist sinnlich ganz leicht zu begreifen. Ohne dies wissenschaftlich erklären zu können, bereitet es einfach ein irres Vergnügen, frische Himberen zu pflücken und sich eine (drei, zehn oder zwanzig) Handvoll auf der Zunge zergehen zu lassen. Ich hatte diese Lustbarkeit von wenigen Wochen, als im steirischen Gebirgsland die Pilze ein echtes Tief, dafür aber die Himbeerschläge ihre Hoch-Zeit hatten.

Bei fast keiner anderen Frucht gelingt es dermaßen trefflich, das Aroma der Frischfrucht auch ins Glas zu bringen wie bei der Himbeere. Voraussetzung ist natürlich, dass die Beeren wirklich reif sind und man soviel von der raren Ware (Waldhimbeeren) bekommt, dass sich das Brennen lohnt.

Aber: Selber Beeren sammeln ist für den gewerblichen Schnapsbrenner eine Illusion. Unter einer Tonne spielt sich da nichts ab, und alles was darüber liegt, erhöht auch das Risiko. Johann Zauser aus Bregenz: „Selber sammeln nicht mehr möglich, aber auch als Inportware sind Himbeeren, vor allem Waldhimeeren, schon sehr knapp. Es ist sehr mühsam, die Ware überhaupt zu kriegen. Auch in Rümänien steigen sowohl Nachfrage und auch Preise, und man muss froh sein, wenn man gute und sachgerecht gefrorene Himbeeren geliefert bekommt. Als kleiner Brenner riskiert man auch viel, wenn’s nämlich nicht klappt, ist auch gleich der Gewinn des ganzen Jahres hin.“

Wenn aber alles gut wird – wie in Zausers Fall sogar sehr gut – dann hat man/frau einen Schatz im Kästlein. Zwar ist ein echter, also zu 100 Prozent aus Himbeeren destillierter Brand, nicht billig, aber sicher preiswert. Den Preis wert. Denn damit macht man sich Freude und – bei gezielter Einladung – auch Freunde. (derStandard.at)

  • Die schönste unter den Beeren.
    foto: photodisc

    Die schönste unter den Beeren.

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