Hauptwärmer

26. September 2007, 17:00
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Seit der Bronzezeit ist die Kapuze als Wetterschutz bekannt - Als Gugel war sie modische Kopfbedeckung des Mannes im Mittelalter

Eine geniale Erfindung, überaus praktisch und derzeit wieder sehr in Mode. Die Kapuze kann bei plötzlichem Kälteeinbruch, Regen, Schnee oder Wind gute Dienste leisten. Haube, Hut oder Schirm müssen nicht eigens mitgeführt werden. An allen möglichen Kleidungsstücken befestigt, wird die Kapuze seit Jahren an Shirts und Sweatern, klassisch an Mänteln (Dufflecoat) und Jacken wieder öfter gesichtet. Besonders in der Sportkleidung ist sie häufig anzutreffen. In den 1970er-Jahren waren Kapuzenkleider - die Kapuzen oft in kontrastierenden Stoffen und Farben - besonders en vogue.

Zweckmäßige Umhangkleidung

Die Kapuze (spätlat. "cappa", mhd. "kappe" oder "zipfel", ital. cappucio) ist erst um 1500 aufgekommen. Eine separate Kapuze als Kopfbedeckung findet sich jedoch bereits im Altertum bei den Persern und Skythen. Seit der Bronzezeit (1800 - 750) war die Kapuze an ein Überwurfgewand, dem späteren Kapuzenmantel, angeschnitten und diente als Wetterschutz. Hinweise dafür bestehen beim keltischen "Bardocucullus", beim gallischen "Cucullus" sowie beim römischen "sagum cucullatum" und "caracalla", die in ihrer Form der griechischen "chlamys", einem viereckigem grobem Stück Wollstoff entsprachen, das über die linke Schulter gelegt und auf der rechten Schulter mit einer Fibel oder Schnalle geschlossen worden ist. Bei den Römern soll übrigens das An- bzw. Ablegen des "sagum" Kriegserklärung bzw. Friedensschluss bedeutet haben.

Gugel mit Goller

In der frühen Eisenzeit diente die Kapuze aus Fell Bergleuten als Kälteschutz. "Kukka", später Gugel genannt, ist somit eines der ältesten Zeichen einer Arbeitskleidung. Die Gugel mit schulterbedeckendem bis umhangartigem Kragen, dem sogenannten "Goller" oder "Koller", der sich aus dem "cucullus" entwickelt hat, wurde von Bauern, Jägern und auch Reisenden getragen und war lange Zeit modische Kopfbedeckung des Mannes. Aus leuchtenden Stoffen, bestickt und mit Perlen sowie Edelsteinen verziert, war die Gugel ab den 1360er-Jahren auch für Frauen höheren Standes in Mode. Als der Kapuzenzipfel allmählich länger und zur schwanzartigen Sendelbinde mutiert ist, nannte man diese Form "geschwänzte Gugel".

Nach 1360 setzte sich die Gugel als turbanähnliche Kopfbedeckung unter den Begriffen "cappuccio", "chaperon" und "Sendelbinde" allgemein durch. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts kam sie aus der Mode und war vereinzelt lediglich in der Jagd- und Bauernkleidung sowie als Narrenkappe anzutreffen. Im 15. Jahrhundert lebte sie als Vorbild für die im Haus getragene Zipfelmütze des Mannes kurzzeitig auf.

Bis ins 21. Jahrhundert hinein haben sich Kapuzen in unterschiedlichen Formen gehalten: im "Roquelaure" um 1800, in der "Kalesche", einer Kapuzenhaube für die Frau, im "Burnus" in der Mitte des 19. Jahrhunderts und bei modischen Kapuzenformen bis heute. (dabu)

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    Der deutsche Polarforscher Alfred Wegener (1880-1930) auf einer Grönland-Expedition - undatiertes Archivfoto.

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    Kind mit Kapuzen-Anorak

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    Spätmittelalterliche Gugel aus Wollfilz

  • Moderne Gugel des 21. Jahrhunderts
    foto: www.per-aspera.de/

    Moderne Gugel des 21. Jahrhunderts

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