Perlenbesetzte Paradiesvögel

23. September 2007, 19:07
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Eröffnung des Salon du Collectionneur in Paris

Paris - Aufreger wie der Diebstahl eines 112-Millionen-Dollar-Diamanten bei Chopard oder der Blitzverkauf eines 48 Millionen teuren Smaragd-Armbandes bei Cartier sind Geschichte.

Mit solchen Adrenalintreibern wartet die Vernissage des dritten Salon du Collectionneur nicht auf, das bleibt, wie es scheint, der Biennales des Antiquaires vorbehalten. Wer am Eröffnungsabend Ende vergangener Woche nicht genug der Miniaturhäppchen erwischte, den verschlug es zu Wickerl's Hawara. Französisch klingt "Chez L'Ami Louis" ungleich eleganter, an guten Tagen trifft man in diesem Bistro schon mal auf Johnny Depp, an anderen auf Wilfried Seipel.

Die landestypischen Spezialitäten lockten vergangenen Freitag nicht nur leidenschaftliche Stelzennager aus den USA, sondern auch eine kunstsinnige Delegation österreichischer Stippvisitler, darunter eben auch den scheidende Direktor des Kunsthistorischen Museums. Ankäufe scheint er im Rahmen der bis zum 23. September laufenden Messe keine getätigt zu haben. Der aus München angereiste Kunstkammerspezialist Georg Laue sehr wohl, vom Kölner Antikenhändler Gordian Weber weiß man es nicht. Die Auswahl ist angesichts der 123 Teilnehmer, davon 85 französische, 13 belgische und 24 Aussteller anderer Nationalität, fassettenreich.

Die Bandbreite reicht von exquisiten Trouvaillen über Design des 20. Jahrhunderts bis zu herrlichen Gemälden alter Meister. In letzterer Sektion stößt man bei der Galerie De Jonckheere (Brüssel/Paris) auf einen alten Bekannten, konkret die Paradieslandschaft von Jan Breughel d. J., die im April im Rahmen der Jubiläumsauktion des Dorotheums für taxierte 60.000 bis 90.000 Euro im Angebot stand.

Der Hammer fiel bei netto 400.000, jetzt buhlt das herrliche Kupferbild - von Restauratorenhand sanft gereinigt - für 900.000 Euro um die Gunst eines Käufers. Susans Ollemans, auf orientalische Kunst spezialisierte Händlerin aus London, macht ebenfalls hier Station. Zu ihren Highlights gehört etwa ein ursprünglich für einen Turban vorgesehenes Schmuckstück, ein fein emaillierter und mit weißen Smaragden verzierter Paradiesvogel mit Perlschnüren im Schnabel. Die veranschlagten 10.500 Euro sind angesichts des Erhaltungszustandes und der Datierung Ende des 18. Jahrhunderts moderat bemessen. Wolfgang Bauer, als einziger Vertreter Österreichs, hat neuerlich im Grand Palais Quartier bezogen.

Nach dem erfolgreichen Debüt bei der Biennale im vergangenen Jahr lief es auch am ersten Messewochenende gut. Die auch flächenmäßig deutlich großzügigere Präsentation stieß auf starkes Interesse, konkret wechselten mehrere Lötz-Vasen und Objekte der Wiener Werkstätte hier ebenso bereits den Besitzer wie Hoffmann-Möbel. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD/Printausgabe, 20.09.2007)

  • Dieser Vogel zierte ursprünglich einen Turban. Zu haben für 10.500 Euro bei Susans Ollemans.
    foto: ollemans

    Dieser Vogel zierte ursprünglich einen Turban. Zu haben für 10.500 Euro bei Susans Ollemans.

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