Erbsen zählen

27. September 2007, 19:25
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Jirí Kovandas "eigenartiger ironischer Minimalismus" ist in der Galerie Krobath Wimmer wiederzufinden

In der Tate Modern zeigte Anfang des Jahres seine Aktion "Kissing Through Glass". Er forderte dort die Passanten dazu auf, ihn durch eine Glasscheibe zu küssen. Seine zweite Einzelausstellung in Wien hat er nun ebenfalls mit einer Performance eröffnet.

Jirí Kovanda ist nicht der Typ Künstler, der sich gerne vor Publikum produziert. Angesichts seiner früheren Aktionen, in denen das deutlich wird, dürfte ihn die Aktion "Kissing Through Glass" in London wohl trotz der Anonymität der Großstadt ziemliche Überwindung gekostet haben. In Wien ist der tschechische Künstler (geb. 1953) nach mehreren Gruppen- und einer Einzelausstellung aber erstens seit Längerem kein Unbekannter mehr, und zweitens ist hier die Kunstszene im Gegensatz zu London doch relativ klein.

Über die wahren Gründe, wieso er sich hier nicht für eine Intervention in die intimen zwischenmenschlichen Räume, sondern für eine Aktion im öffentlichen Stadtraum entschieden hat, kann man allerdings nur spekulieren, denn schließlich ist der Künstler seit Mitte der 70er- Jahre Performance-erprobt. Präsentiert wurden seine Schwarz-Weiß-Fotos, mit denen er seine Aktionen stets dokumentiert, auch bei der documenta in Kassel: Er steht dabei verkehrt auf einer Rolltreppe und schaut den Entgegenkommenden in die Augen, baut mit Zuckerwürfeln Skulpturen oder wartet vor einem Telefon sitzend auf einen Anruf. In seiner jüngsten Performance fanden diese frühen Arbeiten insofern eine Fortsetzung, als dass er hier über den Gehsteig vor der Galerie eine Linie aus Erbsen legte, die der Künstler, sobald sie von den Vorbeigehenden zerstört wurde, wieder neu arrangierte.

Den "eigenartigen ironischen Minimalismus" seiner Performances findet man aber auch in Objekten aus den 90er-Jahren wieder: Er bediente sich dabei gefundener Tischplatten oder Holzstücke, in die er Bindfäden oder bunten Spagat eingearbeitet hat. Ähnlich wie die collagenartigen Bilder, für die er Karton, Stücke von Tapeten oder Klebstreifen verwendet hat, sind aber auch sie nicht nur humorvoll, sondern führen die Betrachter durch ihre einfache poetische Gestaltung auch zu den Ursprüngen der frühen Gebrauchsgrafik zurück. (cb /DER STANDARD, Printausgabe, 20.09.2007)

Galerie Krobath Wimmer
Bis 3. 11.
Eschenbachgasse 9, 1010 Wien
  • Jirí Kovanda: "o. T.", 1991
    foto: woessner/krobath wimmer

    Jirí Kovanda: "o. T.", 1991

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