Chefablöse teurer als versprochen

18. Oktober 2007, 15:49
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Heute will der Aufsichtsrat die Abberufung des Dreiervorstands formal fixieren. Nicht abgenommen werden der Asfinag die enormen Ertragsprobleme

Am Donnerstag will der Asfinag-Aufsichtsrat die Abberufung des Dreiervorstands formal fixieren. Nicht abgenommen werden dem staatlichen Autobahnbauer seine enormen Ertragsprobleme. Er muss Schnellverbindungen bauen, die extrem unrentabel sind.

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Wien – Die Einigung erfolgte in letzter Minute. Am Nachmittag vor der Asfinag-Aufsichtsratssitzung heute, Donnerstag, mit dem brisanten Punkt "Vorstandsangelegenheiten", hat sich das Verkehrsministerium mit dem Dreiervorstand über das Geld für den vorzeitigen Abgang geeinigt. Der formale Beschluss für den im Juni angekündigten zwangsweisen Abschied von Franz Lückler, Mathias Reichhold und Christian Trattner kommt dem Steuerzahler allerdings deutlich teurer, als versprochen.

Wie der STANDARD von hochrangigen Beamten im Ministerium des Werner Faymann (SPÖ) erfuhr, muss das aus Rechtsanwalt Eduard Saxinger, Ex-Porr-Chef Horst Pöchhacker und Herbert Kasser (Generalsekretär im Verkehrsministerium) bestehende Asfinag-Präsidium als Abfindung für die bis 2011 laufenden Verträge des Trios deutlich mehr absegnen, als die bis Mittwoch gebotenen knapp 300.000 Euro pro Mann. Insider wollen von mehr als 1,5 Millionen Euro wissen.

Als Nachfolger wünscht man sich in der SPÖ den Asfinag-Baumanager Alois Schedl und in der ÖVP Johannes Seiringer (in der Investkredit für Public-Private-Projekte zuständig). Die Ausschreibung endet Ende September.

Leicht einsparen ließe sich Geld dagegen beim Autobahnbau. Denn das im März von Faymann nach neuen Prioritäten gereihte Bauprogramm der Asfinag hat deutliche Züge eines Wunschprogramms der Bundesländer. In Ober- und Niederösterreich werden nämlich Schnellstraßen und Autobahnen gebaut, die extrem teuer – und für das hochrangige Straßennetz keineswegs prioritär sind. Auch fehlt der unter enormen Ertragsproblemen und Milliardenschulden leidenden Asfinag das notwendige Geld dafür.

Extrem schlecht schneidet nach einer dem Standard vorliegenden Projektergebnisrechnung die S10 ab, die 22,5 Kilometer lange Mühlviertelschnellstraße (samt Umfahrung Freistadt). Sie wurde von den Linzern geplant, auf 689 Mio. Euro taxiert – und ist mit minus 498 Mio. Euro nachhaltig unrentabel. Und: Von der Asfinag vorgeschlagene Kosteneinsparungen wurden abgelehnt, "dabei hätte dort eine Bundesstraße auch gereicht", wie es heißt. Brauchen würde eine Autobahnumfahrung dagegen Steyr, weil das ein florierendes Industriegebiet sei.

Ebenfalls in die Kompetenz der Linzer gehört nach Meinung hochrangiger Beamten der Linzer Westring (A26) – "wie alle Stadtautobahnen extrem teuer, für das hochrangige Straßennetz aber ebenfalls nicht so wichtig, dass es der Bund zahlen muss", wie in der Asfinag-Bau-Tochter eingeräumt wird.

Besonders bitter: Das Verkehrsministerium verlegte bei diesen Projekten, die sich just im Heimatland von Saxinger, Ex-Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka und Vizekanzler Wilhelm Molterer befinden, sogar den Baubeginn nach vorne: Von 2010 auf 2009 für die S10 und für die A26 von 2011 auf 2009. Um zwei Jahre auf 2010 vorverlegt wurde ein Projekt in Niederösterreich, bei dem das eingesetzte Kapital – gemessen an Investitionsvolumen, Verkehrsaufkommen, Streckenlänge etc. – so bald nicht zurückverdient werden kann – und für das ab Staatsgrenze der Autobahnanschluss fehlt:_die S3 ab Hollabrunn. Eine Art Geisterbahn dürfte die Traisental-Schnellstraße S34 sein. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.09.2007)

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    Die Asfinag-Vorstände Mathias Reichhold, Christian Trattner und Franz Lückler (v.l.n.r.)

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    grafik: asfinag
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