Vertrag bedeutet auch Vertrauen

19. September 2007, 14:30
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Und für den Fall, dass man einander doch nicht traut, gibt es den Umweg über die Treuhandschaft - Von Ursula Xell-Skreiner

"Geld auf den Tisch, oder ich unterschreibe nicht! Und bevor ich mein Geld nicht sehe, gebe ich den Schlüssel nicht aus der Hand." Solches Misstrauen mussten sich jüngst der Makler und der Erwerber einer kleinen niederösterreichischen Liegenschaft entgegenhalten lassen - aufgrund der medialen Stimmungsmache durch manche Boulevardmedien leider kein Einzelfall. Verständlich, dass der entnervte Interessent den Kaufpreis sofort bei Vertragsunterfertigung auf den Tisch zu legen bereit war, wollte er doch den Schlüssel bekommen und sich sofort ans Ausmalen machen.

Doch Achtung: Von derart übereilten Auszahlungen muss dringend abgeraten werden! Auch wenn man befürchten muss, dass der Verkäufer die Liegenschaft jemandem anderen verkaufen könnte. Gerade zur Vermeidung des Henne-Ei-Problems, wer mit seiner Leistung denn in Vorlage treten soll, dient die Institution der Treuhandschaft. Sie stellt sicher, dass sich auch der andere an den Vertrag hält. Ein Treuhänder ist beiden Parteien eines Vertrags voll verantwortlich und ist für die Wahrung des Zug-um-Zug-Prinzips zuständig. Außerdem haftet er gegenüber dem finanzierenden Kreditinstitut für die gehörige Eintragung des Pfandrechts für den Käufer.

Rangordnung

Nun sei aufgezählt, in welchen Sicherheitsgenuss der Käufer kommt: Der Kaufpreis hat anlässlich der Vertragsunterfertigung auf dem Treuhandkonto des Anwalts zu liegen. In einem Aufwaschen unterfertigt der Verkäufer eine so genannte Rangordnung, die dem Käufer die Eintragung des unbelasteten Eigentums sichern soll. Den Rangordnungsbeschluss fertigt das zuständige Bezirksgericht aus. Die Ausfertigung gibt es nur als Original. Wer es in Händen hält, ist in der Lage, das Eigentumsrecht des Käufers zu verbüchern. Auf diese Weise besteht für den Käufer ein Schutz, dass die Liegenschaft weder an jemanden anderen verkauft wird, noch dass unerwartet Pfandrechte ins Grundbuch rutschen. Kompliziert, nicht wahr?

"Einem Anwalt traue ich nicht", hört man oft. Doch die Wiener Rechtsanwälte unterliegen dem elektronischen Treuhandbuch. Und dieses ist gesichert. Ohne Zustimmung und ohne Prüfung geht nichts. Misstrauen ist daher nur dann angesagt, wenn der Anwalt bei Vertragsunterfertigung keine schriftliche Meldung an das elektronische Treuhandbuch vorlegt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.9.2007)

  • Ursula Xell-Skreiner, Anwältin
    foto: standard/fischer

    Ursula Xell-Skreiner, Anwältin

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