Wohnbauförderung in Raten

19. September 2007, 14:00
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Ein siegreicher Vorschlag für eine "langfristige Leistbarkeit im Lebenszyklus" - Mit Grafik

Lassen sich in der Wohnbauförderung soziale und ökologische Ziele miteinander verbinden? Christoph Amann, Experte für Gebäude und Raumwärme der Austrian Energy Agency, ist davon überzeugt. Und als Sprecher einer der neun Tische, die über die richtige Prioritätensetzung für die Wohnbauforderung in der Zukunft diskutierte, gelang es ihm, diese Überzeugung in eine Maxime zu packen: "Langfristige Leistbarkeit im Lebenszyklus".

Für die anderen Teilnehmer des Standard-Wohnsymposiums war dieser knappe Satz so überzeugend, dass sie ihn mit knappem Vorsprung zum Sieger kürten (siehe Grafik).

Statt nur auf die Kosten bei der Errichtung zu schauen, sollte die öffentliche Hand bei der Vergabe von Förderungsgeldern die langfristigen Lebenszykluskosten eines Gebäudes über Gutachten analysieren lassen und auf dieser Basis entscheiden, erläutert Amann im Standard-Gespräch.

Prinzip der Nachhaltigkeit

Ein solches Vorgehen zahle sich auch für die Bewohner aus, denn: "Wenn der Bauträger zu billig baut, dann kann sich das rächen. Schlecht gebaute Gebäude haben viel höhere Erhaltungskosten." Über dieses Prinzip der Nachhaltigkeit würden sowohl soziale als auch ökologische Aspekte der Wohnbauförderung abgedeckt werden, betont Amann.

Eine Möglichkeit zur konkreten Umsetzung wäre es etwa, die Wohnbauförderung nicht gleich am Anfang komplett auszuzahlen, sondern einen Teil in Raten nach Bezug des Gebäudes. Dies würde nicht nur eine nachhaltige Qualitätssicherung der Erhaltung des Gebäudes ermöglichen, sondern dem Bauträger und der Hausverwaltung auch Freiräume für zukünftige Verbesserungen - etwa auch auf Grundlage neuer Technologien - geben. Überhaupt ist die Motivation der Bauträger, Eigentümer und Hausverwaltungen auch langfristig, sich um Dinge zu kümmern und Verantwortung zu zeigen, für die Verbesserung des Klimaschutzes im Wohnbausektor entscheidend, betont Amann.

Zweckbindung

Bei den acht anderen Vorschlägen, die auf dem Symposium präsentiert wurden, stachen zwei Aspekte hervor:

  • Die Ökologisierung der Wohnbauförderung dürfe nicht auf Kosten der Leistbarkeit gehen; und

  • die 2001 deutlich gelockerte Zweckbindung in der Wohnbauförderung müsse rasch wieder eingeführt werden. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.9.2007)
    • Energieexperte Christoph Amann: Rache des billigen Bauens.
      foto: standard/newald

      Energieexperte Christoph Amann: Rache des billigen Bauens.

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      grafik: standard
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