Förderungsrealität mit Schattenseiten

19. September 2007, 13:50
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Praktiker Wippel und Krainer: Massive Probleme in der Steiermark, Verzicht macht Bauen in Wien billiger

Dass bei der österreichischen Wohnbauförderung nicht alles zum Besten steht, wurde in den Aussagen zweier Praktiker auf dem Wohnsymposium offensichtlich. Christian Krainer, Geschäftsführer der Grazer Wohnbaugenossenschaft ÖWGES, zeichnete ein düsteres Bild der Wohnbaupolitik in der Steiermark, wo die Aufhebung der Zweckbindung und der Verkauf der Forderungen dem System den Treibstoff entzogen hat. "Die Wohnbauförderung in der Steiermark ist tot", sagt er. "Und auch die Leistbarkeit von Wohnungen ist weg."

Die Bundesmittel würden in Straßen und Skiliften versickern, und die Rückflüsse aus alten Krediten wären fast völlig versiegt. Von der Verpflichtung zum Holzbau profitiere vor allem ein Oligopol von wenigen, überteuerten Anbietern.

Auch für die Sanierung sieht Krainer wenig Chancen: "Wir bringen Sanierung nur schwer durch, es landet fast immer in Außerstreitverfahren." Seine Alternative: "Reißen wir die alten Buden einfach weg, die Menschen wollen ohnehin nicht in den alten Grundrissen leben."

Es geht auch ohne

Jörg Wippel, Chef des kommerziellen Wiener Bauträgers WVG, will die Wohnbauförderung an sich nicht kritisieren, denn er sieht sie als wichtigen Trendsetter und Garant des sozialen Friedens. Die WVG aber hat seit 2006 aufgehört, mit öffentlichen Zuschüssen zu bauen und erreicht dennoch den gleichen Quadratmeterpreis.

Von 13 erworbenen Grundstücken hätte er sonst vier gar nicht kaufen dürfen, weil sie für die Kriterien der Wohnbauförderung zu teuer waren, sagt Wippel. "Bei einem Verzicht der Förderung kann ich mit der Bauindustrie früher verhandeln und einen ,negotiated bid' machen, was mir das Ausschreibungssystem der Wohnbauförderung verbietet. Dadurch brauche ich nur 30 Monate zum Bauen - das ist mit Förderungen fast nicht zu erreichen - und erspare mir dabei Zinsen." Der Nachteil des Verzichts auf Wohnbauförderung, so Wippel, sei ein höheres Risiko. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.9.2007)

  • Jörg Wippel (WVG): schneller bauen ohne Förderung.
    foto: standard/newald

    Jörg Wippel (WVG): schneller bauen ohne Förderung.

  • Christian Krainer (ÖWGES): abreißen statt sanieren.
    foto: standard/newald

    Christian Krainer (ÖWGES): abreißen statt sanieren.

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