Musterbefragung - "A Retrospective"

27. September 2007, 19:25
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Die Secession zeigt "A Retrospective", eine lustige Werkschau des lustigen polnischen Künstlers Piotr Uklanski

Eine Ausstellung, wahlweise zum Nachdenken oder Nichtnachdenken.

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Wien – Von Piotr Uklanski ist alles zu erwarten. Immerhin hat der Mann den ersten polnischen Western gedreht und Val Kilmer darin als Leiche besetzt. Lustig, sehr sehr lustig! Und wenn man etwa jetzt in der Secession einen wirklich hübschen entblößten Damenhintern sieht, dann ist der nicht etwa neu, sondern auch schon wieder ein paar Jahre im Wiedererkennungswert gestiegen.

Weil: 2003 schon haben diese Backen von einer Doppelseite Artforum aus so das Betrachterglück berührt, dass man sich dafür auch gar nicht schämen musste. Weil: Alles gut im Kontext gelegen. Und eben dieser Kontext wird auch gleich wieder hinterfragt und noch mal und dann nochmal.

Also es ist so: Das Pobild heißt Untitled und lustigerweise folgt dem in Klammern Ginger Ass. Und wenn man jetzt weiß, dass Piotr Uklanskis Freunding Alison Gingeras heißt und die Kuratorin einer Kunstsammlung von Welt, nämlich der des Französischen Luxusgüterunternehmen sammelnden Francois Pinault, ist, dann ist das vielleicht noch lustiger.

Und klarerweise wird Piotr Uklanski von einer super Galerie für Superstars vertreten, die Gagosian heißt und auch eine Filiale in Beverly Hills hat. Und bei einer Performance, die The Full Burn hieß, hat Uklanski einen Stuntman angezündet, und es gibt eine mittlerweile selbstverständlich "legendäre" Fotoserie, die The Nazis heißt, und – man kommt aus der Superlativreihe gar nicht mehr heraus – mit Dance Floor hat Uklanski Mitte der 90er-Jahre nicht nur seinen Ruhm begründet, sondern auch gleich noch den tollsten Kommentar zur Minimal Art abgegeben, den man sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Und in der Secession betrachtet er sich jetzt selbst ganz retrospektiv, hat eine Wand aufgezogen, auf der sich findet, was ihn ausmacht. Echt lustig. Diese Werkcollage, sagt er, die bin ich. Und wer mich jetzt zu fassen sucht, wer mich einkasteln will, mir den Platz in einer der gängigen Kategorien zwischen Minimalist, Konzeptualist, Moralist oder Post-was-immer-ist anweisen will, der hat sich getäuscht. Nichts davon stimmt, weil Piotr Uklanski ist immer eine Metaebene weiter und also berühmt. Und an Provokation ist ihm sowieso nicht gelegen, und Ruhm ist bloß Gegenstand der Analyse. (Markus Mittringer, DER STANDARD/Printausgabe, 21.09.2007)

Bis 18. 11.
  • Nur eine Wand, und doch der ganze Uklanski: Die Secession widmet dem polnischen Künstler eine natürlich erheiternde Art von Retrospektive.
    foto: secession

    Nur eine Wand, und doch der ganze Uklanski: Die Secession widmet dem polnischen Künstler eine natürlich erheiternde Art von Retrospektive.

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