Im Gemeinderatswahlkampf sind Minderheiten wie Burgenlandkroaten kein Thema - Ein erstes Zeichen dafür, dass die Mehrsprachigkeit am Schwinden ist?
"Bei uns im Dorf ist Zweisprachigkeit selbstverständlich," erzählt der Siegendorfer Ernst Gollubits, Burgenlandkroate und Lehrer, im Gespräch mir derStandard.at. In Siegendorf gibt es eine zweisprachige Schule, alle öffentlichen Gebäude sind zweisprachig beschriftet, auch die Gemeindenachrichten und Flugblätter sind sowohl in Kroatisch als auch in Deutsch verfasst. Siegendorf - traditionell rot - ist nur eines der 47 Dörfer im Burgenland, das sich über die Zweisprachigkeit definiert. Fast 40 Prozent der Einwohner gehören zur größten burgenländischen Minderheit. Insgesamt leben im Burgenland 16.245 Menschen, die bei der Volkszählung 2001 angegeben haben, kroatischsprachig zu sein.
Ortstafeln
Eitel Wonne herrscht aber im Burgenland auch nicht. "Das Betonen der burgenländische Vielfalt ist häufig leider nur Thema von Sonntagsreden. Es existieren leider kaum vernüftige Programme zur Erhaltung der Mehrsprachigkeit," bemängelt Joško Vlasich, der Volksgruppen- und Minderheitensprecher der burgenländischen Grünen. Hauptsächlich liege das zwar im Verantwortungsbereich des Landes, vor allem im Schulwesen müsse man hier nachjustieren, so Vlasich. Aber auch in den Gemeinden bemerke man eine zunehmende Ignoranz in dieser Hinsicht. Im Burgenland fehlen immer noch zweisprachige Ortstafeln. Und neben einem Mangel an Schulen beklagt die kroatische Volksgruppe auch die fehlende Durchsetzung des Kroatischen als Verwaltungssprache.
Im Wahlkampf ist das - wie Minderheitenbelange im Allgemeinen - allerdings kein Thema. Eigene Bürgerlisten für die Minderheit treten bei den Gemeinderatswahlen nicht an.
Wählerpotenzial
Dass die Parteien, die am 7. Oktober um die Mehrheiten in den Gemeindevertretungen kämpfen, die Burgenlandkroaten aber zumindest als Wählerpotenzial wahrnehmen, ist an den zweisprachigen Wahlplakaten zu erkennen. Neben den Grünen werben auch die beiden Großparteien in den betreffenden Gemeinden mit zweisprachigen Plakaten. Das ist Usus, erklärt Joško Vlasich.
Warnungen
Auch Štefan Emrich vom Kroatischen Akademikerklub sorgt sich um die Zukunft der kroatischen Minderheit. "Das Kroatische beginnt sich teilweise zu verlieren", beklagt er und teilt damit die Befürchtungen vieler überzeugter Burgenlandkroaten. Lehrer Gollobits, selbst Vater, bemerkt auch im eigenen Umfeld, dass Kinder beginnen, ihre Muttersprache zu verlieren. Das Umfeld akzeptiere die Minderheitensprache nicht mehr und sehr viele Burgenlandkroaten sprechen die Sprache nicht mehr, sobald sie von zu Hause wegziehen. Und: "Ich haben den Eindruck, dass manche sich sogar für ihre kroatischen Wurzeln genieren." (mhe, derStandard.at/1.10.2007)
Minderheiten im Burgenland: Die größte Minderheit im Burgenland sind die Kroaten (Angabe Volkszählung 2001: 16.245). Dazu kommen ca. 5.000 Burgenlandungarn und wenige Burgenland-Roma. Die Anzahl nach Selbsteinschätzungen unterscheiden sich meist vehement. Die verschiedenen Sprachgruppen sind gesetzlich anerkannt als autochthon. Die kroatischsprachigen und die ungarischsprachigen BurgenländerInnen, sowie die Sinti und Roma haben das Recht auf Verwendung ihrer Sprachen im öffentlichen Verkehr.
In Hackerberg, Kroatisch-Tschantschendorf, Reinersdorf, Eisenhüttl und Heugraben stehen keine zweisprachigen Ortstafeln, obwohl die Ortschaften dem vom VfGH empfohlenen zehn prozentigen Anteil der Minderheit entsprechen würden.