Hartholz für jeden Anlass

18. September 2007, 21:32
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Bei Profactor werden Oberflächen je nach Bedarf beschichtet und getestet

Holz in der Bauindustrie anwenden, und zwar nach ganzheitlichen Prinzipien unter Verwendung spezieller Thermo-Verfahren: Das lässt sich für die internationalen Partner, mit denen man so ein Projekt federführend durchführt, auf Englisch dehnen: Holistic implementation of European thermal treated hardwood. Kurz hingegen: Holiwood.

Holiwood ist ein Vorzeigeprojekt von Profactor, der seit 1995 in Steyr und mittlerweile auch in Seibersdorf angesiedelten, auf Produktionstechnologien spezialisierten Entwicklungsgruppe.

"Spezialisiert" kann vieles heißen. Unter anderem, sagt Ko-Geschäftsführer Friedrich Mader, steht es für "eine intelligente Kombination aus dezentraler Steuerung und dem Einsatz von Robotik - Stichwort Produktion für die Losgröße eins".

Individualfertigung nämlich wird immer wichtiger, daher müssen Produktionsanlagen selbst sehr flexibel sein. Autohersteller etwa nehmen immer mehr Rücksicht auf die Sonderwünsche ihrer Kunden. Ein System, das Profactor gemeinsam mit der Firma Atensor anbietet, findet bei Daimler und anderen Erzeugern Anwendung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die industrielle Bildverarbeitung. Dort kommen die Software-Kenntnisse, die bei der Robotersteuerung gewonnen wurden, zur fruchtbaren Weiteranwendung; die TU Wien ist Kooperationspartner.

Profactor macht zu 70 Prozent "verkaufbare Forschung", so Mader. "30 Prozent sind Grundlagenforschung. Finanziert werden wir durch Kunden, Bund, Land - und die EU."

Im Rahmen des sechsten EU-Rahmenprogramms wird auch das Holiwood-Projekt durchgeführt. Projektleiter Rainer Schöfler koordiniert 16 beteiligte Unternehmen aus neun Ländern. Kern ist die chemische Entwicklung von geeigneten Holzbeschichtungen auf molekularem Niveau. Hartholz - das als nachhaltiger Baustoff mit vielen Vorteilen bei Herstellung, Transport und Recycling anerkannt ist - soll durch bestimmte Oberflächen für besondere Zwecke hergerichtet werden: wasserabstoßend, ölabweisend, Wärme besonders gut isolierend, die Lärmdämpfung unterstützend.

Das Material für die Beschichtung wird auf solche Eigenschaft hin entwickelt. Es soll richtig andocken und zugleich die Fähigkeiten haben, die man erwartet. Und das auf lange Zeit: Profactor testet die Materialien bei künstlicher Alterung.

"Wir vergleichen bereits Nanobeschichtungen im Alltag", ergänzt Mader, der als Absolvent der TU Graz (Elektronik und Nachrichtentechnik) über eine Ingenieurskarriere zur Verantwortung für Vertrieb, Marketing, Forschung und Technik bei Profactor gekommen ist. "Wir haben bei uns verschieden beschichtete Fußböden, die ständig benutzt werden. Daran können wir ohne weiteres Zutun erkennen, wie dauerhaft die Oberflächen sind."

Für das Ende der Holiwood-Forschung, im Sommer 2009, haben die Steyrer mehrere Vorzeigeprojekte angekündigt, unter ihnen eine einen Kilometer lange Lärmschutzwand. Früher schon soll das Pilotprojekt für das eco2building-System im steirischen Niklasdorf fertig werden: Am 5. Oktober findet der Spatenstich für das Gebäude der Eine Welt Handel AG statt, das neben anderen Prädikaten spielend die Anforderung für einen Passivbau erfüllen soll. Hier werden doppelte Nanobeschichtungen in größerem Maßstab angewendet. Außerdem - das Auge wohnt und arbeitet mit - ist "eine attraktive Lärchenholzverkleidung" vorgesehen. Vor Hollywood wird sich der Bau nicht verstecken müssen.

Vom 2. bis 4. Oktober findet die Messe Smart Automation in Linz statt, am 3. wird ein internationales Symposium über Mechatronik abgehalten. (Michael Freund/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2007)

  • Technologieentwickler in Steyr richten Hartholz für besondere Zwecke her, machen es zum Beispiel ölabweisend.
    foto: der standard

    Technologieentwickler in Steyr richten Hartholz für besondere Zwecke her, machen es zum Beispiel ölabweisend.

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