Gerüttelt, nicht gerührt

20. September 2007, 17:00
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Kurventraining mit Rüttelplatte und Kawasaki ZX6 R im Fahrsicherheits- Zentrum Driving Camp Pachfurth

Wenn der Sulzi und ich einen Fototermin mit einem scharfen Eisen haben, treffen wir uns zumeist im Driving Camp Pachfurth. Die haben dort alles, was wir für ein gutes Shooting brauchen. Außerdem ist die Strecke stets gut gewartet. Und dann gibt es dort noch die Natascha.

Groß, schlank, blond und sehr zuvorkommend. Sie winsle ich immer an, wenn ich einen Fototermin im Driving Camp brauche. Und weil ich so schön winsle, tut sie dann alles in ihrer Macht stehende, mir zu helfen. Ich glaub ja, dass sie es gar nicht so schwer hat, weil wenn sie ihrem Chef, dem Christian Thiesen, tief in die Augen schaut, dann tut er sich bestimmt schwer, der Natascha irgendwas auszuschlagen.

Die Natascha hat mich, ob meines hinichen Leders irgendwann gefragt, ob es nicht gescheit wäre, einmal einen Fahrsicherheitskurs in Pachfurth zu machen. Immerhin ist das Driving Camp eines der größten und das technisch modernste Fahrsicherheitszentrum in Europa.

Wenige Tage später steh ich vor Gerhard Nigischer, Oberinstruktor der 2Rad-Akademie im Driving Camp Pachfurth und Häuptling der Fahrschule Columbus. Titel der Veranstaltung: "Improve". Thema der Veranstaltung: "Kurven".

Der Häuptling erklärt kurz, worum es beim Training gehen wird – Minuten später zaht es mir den Hinterbock von der Kawasaki ZX 6 R weg. Der Grund ist einfach erklärt.

Übung Nummer eins: Kennen lernen der Rüttelplatte. Nachdem die aber kein Patschhanderl hat, das man zur Begrüßung schüttelt, und somit der Einstieg in den Smalltalk fehlt, lernt man die Rüttelplatte am Besten kennen, indem man über sie drüber fährt. Meine Frau hat mich ja auch so ähnlich kennen gelernt. Die ist gleich einmal über mich drüber gefahren.

Aber die Rüttelplatte ist nicht so schüchtern wie ich, die schlägt sofort aus. Nämlich genau dann, wenn man mit dem Hinterradl drauf ist. Huiheißa. Das hätt ich mich bei der Reißerischen trauen sollen, ihr ein Haxerl wegzuziehen.

Damit die Geschichte mit dem ausbrechenden Hinterrad ein bisserl spannender ist, steht gleich nach ein paar Metern eine Handvoll Pylonen, die geschlangenlinient werden wollen. Wenn das alles hinhaut und einen nicht mehr das kalte Grauen packt, sobald man auf die Rüttelplatte zufährt, stellt der Häuptling die Platte einfach immer härter ein.

Die Pylonenstraße am Rückweg zur Rüttelplatte baut er übrigens auch um. Die ist eh nur so breit, dass die Zylinder einer BMW lachen, weil sie bei der Durchfahrt dauernd von den Huterln gekitzelt werden. Und wenn’s nicht mehr enger geht, versetzt der Häuptling die Schikane immer weiter nach außen, bis die Kawa wegen des mangelnden Lenkeinschlags eines Supersportlers fast zum Pylonenmähdrescher mutiert.

>>> Huiheißa!

Zur Auflockerung gibt es dann ein paar flotte Handlingübungen. Bei zügigem Tempo werden die Schräglage gesteigert und die Linie verfeinert. Wo anbremsen, wo den Scheitel setzen, wo wieder ans Gas gehen? Also kein Training für Neulinge.

Noch vor der Mittagspause muss ich meine Kneepads umbauen, weil sie durchgewetzt sind. Ich brauch dringend neue, sonst schleif ich demnächst auf der Kniescheibe. Zwei Jahre Garantie? Papperlapapp.

Nach der Mittagspause dann enge Kehren bergauf und bergab. Eng heißt jetzt, dass die Fahrspur bei weitem keinen Meter breit ist. Ein beinah unbewältigbare Übung mit der ZX 6 R, wegen des mangelnden Lenkeinschlags. He, für so was ist die Kawa nun wirklich nicht gebaut! Das weiß auch der Häuptling. Probieren will er es mit der Grünen aber trotzdem – und schafft es beim zweiten Versuch. Also kein Häuptling des großen Spruchs, sondern Häuptling des gelungenen Versuchs.

Dass er sich dann mit mir auch noch ein Hatzerl am Handlingparcours gegeben hat, brauch ich nicht sagen, oder? Dass er ein Eck flotter war als ich, auch nicht. Bevor er mich aber herbrannte, besuchten wir noch einmal die Rüttelplatte. Simulation eines wegrutschenden Hinterrades in Schräglage. Natürlich mit steigender Rüttel-Intensität.

Am Anfang ist es schon eine Überwindung, mit der nigelnagelneuen Kawa in Schräglage über die Platte zu fahren. Wieder huiheißa! Da bist froh, wenn’st vorher noch schnell wischerln warst, sonst kann’s schon sein, dass ein Tröpferl daneben geht. Aber nach ein paar Mal hast das voll im Griff. "Leichteste Übung", schmetterst dann dem Häuptling entgegen. Und dafür kriegst dann sogar eine Urkunde. Nicht nur für die leichteste Übung, sondern für das gesamte Training.

Wem das Training zu milde sein sollte: Es gibt im Driving Camp auch noch das Training "Stage III". Trainingspunkte sind dort: (hydraulisch verstellbare) Bodenwellen in Schräglage, Vorderradblockierer bei hohen Geschwindigkeiten und so weiter. Probier ich demnächst aus. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, derStandard.at, 20.9.2007)

Guido Gluschitsch ist Redakteur beim Motorradmagazin.

  • Beim 2Rad-Training in Pachfurth gab es einiges zu lachen. (Zumindest hinter Guido Gluschitschs Rücken.)
    foto: sulzbacher

    Beim 2Rad-Training in Pachfurth gab es einiges zu lachen. (Zumindest hinter Guido Gluschitschs Rücken.)

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