Aufregung um geplante Linzer "Großmoschee"

14. Jänner 2008, 21:44
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In Linz soll auf 6000 Quadratmetern ein islamisches Kulturzentum gebaut werden - Die FPÖ wettert gegen eine "Großmoschee"

Linz - Oberösterreichs Landeshauptstadt soll ein islamisches Kulturzentrum erhalten. Dazu werden in der Linzer Gemeinderatssitzung am Donnerstag die Weichen gestellt. Hinter dem unscheinbar wirkenden Tagesordnungspunkt "Änderungsplan Nr. 19 zum Örtlichen Entwicklungskonzept, Teilkonzept Ost, Wahringerstraße - Seelsorge- und Kultureinrichtung" verbirgt sich die dafür notwendige Voraussetzung: Eine Umwidmung des dafür vorgesehenen 6000 Quadratmeter großen Areals in der Nähe der Voest, das derzeit laut Bebauungsplan noch Betriebsgelände ist.

Meinungsschwenk

Die absolut regierende SPÖ wird die Änderung mit den Stimmen der Grünen beschließen. "Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass in Linz Platz für verschiedene Religionen und Kulturen ist," begründet Grünen-Stadtrat Jürgen Himmelbauer den Meinungsschwenk seiner Partei. Noch im Planungausschuss des Stadtsenats Anfang September hatten sich die Grünen der Stimme enthalten. Es seien die "Rahmenbedingungen" nicht geklärt gewesen, meint Himmelbauer.

Das sieht die Volkspartei auch noch immer so. Wenn die anschließende Betriebsfläche zugunsten des Islamischen Zentrums umgewidmet werde, nehme man dem Stahl-Konzern weitere Expansionsmöglichkeiten, argumentiert ÖVP-Vizebürgermeister Erich Watzl. Zudem hält er es "nicht für die Aufgabe der Stadt Linz, hier ein österreichweites Islamzentrum zu ermöglichen". Die in Linz lebenden Muslime (rund 20.000) hätten bereits in der Stadt ihre Gebetshäuser. "Für mich ist Integration keine Einbahnstraße, und nur wir geben", wiederholt Watzl den ÖVP-Leitsatz.

Der Linzer FPÖ-Bezirksobmann Detlef Wimmer hat bereits offen zum Widerstand aufgerufen: "Nach einigen anderen Städten wird nun offensichtlich auch Linz vom Moscheenbau-Rausch erfasst: Wir, die FP Linz, werden uns mit ganzer Kraft gegen das Projekt Großmoschee einsetzen", kündigt er an. Der mutmaßliche "Moscheen-Erbauer", SP-Planungsstadtrat und Klubobmann Klaus Luger, sieht der voraussichtlich hitzigen Debatte im Gemeinderat gelassen entgegen. "Der Islam ist in Linz die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft, und ihr stehen auch endlich ordentliche Räumlichkeiten zu."

Nur ein Gebetsraum

Bei ihm hatte der "muslimische, deutschsprachige, österreichische Kulturverein Al-Andalus" angefragt, ob die Stadt ein öffentliches Grundstück für ein islamisches Kulturzentrum zu Verfügung stellen könne. "Es wird sicherlich keine Moschee", beteuert Moussa von der islamischen Religionsgemeinschaft Linz. Der Muslim will zum Schutze seiner Familie nicht mit vollem Namen genannt werden. In dem geplanten Zentrum sei jedoch auch ein rund 250 Quadratmeter großer Gebetsraum vorgesehen.

Geplant, geführt und verwaltet soll das neue Haus vom Verein Al-Andalus werden. In der Wahringerstraße in Voest-Nähe soll sich in Zukunft auch das Büro der islamischen Religionsgemeinde Linz für Oberösterreich befinden. Daher werde das Vorhaben auch von der offiziellen Vertretung der Muslime, der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), unterstützt, hießt es auf der Homepage des Vereins. Stadtrat Luger bestätigt, dass es Gespräche mit IGGÖ-Präsident Anas Schakfeh geben habe. Das Grundstück wird die Stadt dem Kulturverein auf 99 Jahre zum ortsüblichen Pachtzins zur Verfügung stellen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 19.9.2007)

  • Schon allein die Pläne fürs Islamische Kulturzentrum in Linz sorgen für Aufregung
    foto: stadt linz

    Schon allein die Pläne fürs Islamische Kulturzentrum in Linz sorgen für Aufregung

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