Visionen von omnipräsentem Computer werden auf Tiroler Kongress real

18. September 2007, 16:33
posten

Ferrari präsentierte Autositz, der per Ellbogenstoß Radiosender wechselt

Visionen von allgegenwärtigen, miteinander kommunizierenden Computern werden auf dem diesjährigen internationalen Kongress zum Thema "Ubiquitous Computing" in Innsbruck Realität. Ferrari präsentierte etwa einen Autositz, der per Ellbogenstoß den Radiosender wechselt. Aber auch ein automatischer Rasensprenger, der sich nach der Wetterprognose im Internet richtet, könnte bald zu unserem Alltag gehören.

Emotionen verkaufen

"For Ferrari money is not the king", zitierte der Präsident der UbiComp 2007, Univ.-Prof. Thomas Strang, den Vortragenden. Dem Automobilhersteller gehe es darum, Emotionen zu verkaufen. Damit lasse sich erklären, warum ein Unternehmen wie Ferrari bereit sei, viel Geld in Forschung für Technologien zu investieren, deren Nutzen auf den ersten Blick nicht erkennbar sei. "Was sinnvoll ist und was nicht, stellt sich meist erst später heraus", meinte Strang.

"Intelligenter" Esstisch

Eine Gruppe aus Taiwan stellte beispielsweise einen "intelligenten" Esstisch für Kinder vor, der ihnen ausgewogene Ernährung beibringen soll. Die Kinder können einen Computer-Bären ausmalen, aber nur wenn sie von allen der ihnen vorgesetzten Nahrungsmittel essen, können sie den Bären ganz bemalen. "Solche Sachen kommen häufig aus Asien und lösen bei uns Schmunzeln aus", räumte Univ.-Prof. Albrecht Schmidt von der Universität in Bonn ein. Aber auch das Mobiltelefon sei am Anfang belächelt worden, und mittlerweile brechen viele in Panik aus, wenn sie einmal ein Wochenende ohne Handy auskommen müssen.

Keine Gefahr der Entmündigung

Die Gefahr, dass dem Menschen durch eine weitergehende Vernetzung der Computer immer mehr Entscheidungen abgenommen werden und er so entmündigt wird, sieht Strang nicht. "Die Technik darf den Menschen nicht bevormunden. Sie soll ihn da unterstützen, wo er Unterstützung braucht", erklärte er. Die wichtigste Funktion bei all diesen Technologien sei der Ausschaltknopf. Der Mensch stehe im Mittelpunkt, und er müsse selbst darüber entscheiden können, ob er diese Unterstützung haben wolle oder nicht. Sehr großes Potenzial für vernetzte Computer sehe er vor allem im Gesundheitsbereich. Dort sei Überwachung etwas Positives.

400 ForscherInnen aus 50 Ländern

400 ForscherInnen aus über 50 Ländern treffen sich seit 16. bis 19. September zur mittlerweile 9. Konferenz dieser Art in Innsbruck. Im nächsten Jahr soll sie in Korea statt finden. Der Begriff Ubiquitous Computing wurde in den 80er Jahren geprägt und bedeutet nichts anderes, als dass Computer und Informationsverarbeitung im menschlichen Alltag allgegenwärtig sind.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.