Rhythmisches Klatschen für den Traumjob

16. Oktober 2007, 13:58
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Oder: Weshalb manche angehende LehrerInnen davon träumen, in der Wiener Stadthalle vorsingen zu müssen – Ein derStandard.at- Lokalaugenschein bei den Eignungstests

"You can get it if you really want, but you must try, try and try, try and try, you'll succeed at last", tönt es aus dem Boxen im Musikzimmer. Ivo Zopf und Wolfgang Vancura, beide unterrichten Musik an der Pädagogischen Hochschule (PH) Wien, haben die Aufgabe, die "musikalisch-rhythmische Eignung" zukünftiger Volks- und SonderschullehrerInnen sowie HauptschullehrerInnen, die Musik unterrichten wollen, zu überprüfen. "Musikalische Erziehung ist wichtig für die psychologische und intellektuelle Entwicklung der Kinder", erklärt Vancura. Deshalb ist Musikerziehung in den Lehrplänen verankert.

Halb zwei am Nachmittag. In das Musikzimmer im Erdgeschoss dringen nur wenige Herbstsonnenstrahlen. Im Halbkreis sitzen sechs potenzielle StudentInnen der PH. Aufgeregt lauschen sie den Anweisungen der Prüfer. Bald werden sie ungefähr 20 verschiedene "zweitaktige Rhythmen zu je acht Schlägen", die Zopf vorgibt, nachklatschen. Oder es zumindest versuchen. Und damit man auch noch unter Beweis stellen kann, dass man sich von der Musik im Hintergrund nicht abbringen lässt, wird das Happening von Jimmy Cliff aus der Konserve begleitet. Brav wird im Takt geklatscht, aber auch das Improvisieren scheint einigen KandidatInnen zu liegen. Ihre Klatschgeräusche sind an Zopfs Vorgaben maximal angelehnt.

"I must try, try, try"

Weiter geht es zum zweiten Teil. Töne erkennen und Melodien nachsingen, lautet die Herausforderung. "I must try, try, try" - Mit Klavierbegleitung trällern die StudentInnen in der Gruppe aber auch einzeln die Textzeilen, die Zopf vorgibt. Zwei KandidatInnen werden aufgefordert, ein anderes Lied ihrer Wahl zu singen. Mit: "Ich weiß nicht, was ich singen könnte" oder "Ich kenne auch nur Hänsel und Gretel", können sie dann den "Anschlag" aber doch noch erfolgreich abwehren.

Wer Zopfs und Vancuras Vorstellungen nicht entsprochen hat, findet auf seinem Eignungsfeststellungsblatt ein "R". Zusammen mit den anderen Beobachtungen aus der Eignungsfeststellungsphase entscheidet sich, ob der Kandidat oder die Kandidatin zum Studium zugelassen wird.

Nicht nur singen

Insgesamt haben sich um die 300 Personen für das Studium an der PH Wien beworben. Die Volksschule ist der beliebteste Arbeitsplatz der zukünftigen LehrerInnen. Und vor allem Frauen möchten an der PH studieren. Ob die zukünftigen LehrerInnen Deutsch in Wort und Schrift beherrschen und ob ihre Sprech- und Stimmleistung ausreichend ist, wird ebenso überprüft. Je nach angestrebtem Lehramt muss auch die körperlich-motorische Eignung unter Beweis gestellt werden. Die Eignungsfeststellungstests sind Teil eines mehrteiligen Aufnahmeverfahrens, das auch erste Praxisbegegnungen in den Schulen, Orientierungsworkshops und individuelle Gespräche vorsieht.

"Ich habe geträumt, dass ich vor einem riesigen Publikum in der Wiener Stadthalle singen muss". Martina Lettl hat den Test soeben hinter sich gebracht. "Wie wars?" und "Ich schaffe das nicht, ich werde sicher nicht genommen", ist von der nächsten Gruppe, die schon vor dem Musikzimmer wartet, zu hören. Ob sie nun tatsächlich Lehrer werden dürfen, werden sie erst in zwei Wochen erfahren. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 18. September 2007)

  • Die Eignungsfeststellungstests sind Teil eines 
mehrteiligen Aufnahmeverfahrens an der Pädagogischen Hochschule.
    foto: derstandard.at/burg

    Die Eignungsfeststellungstests sind Teil eines mehrteiligen Aufnahmeverfahrens an der Pädagogischen Hochschule.

  • Musiklehrer Ivo Zopf und sechs KandidatInnen der Pädagogischen Hochschule bei der Eignungsfeststellung.
    foto: derstandard.at/burgstaller

    Musiklehrer Ivo Zopf und sechs KandidatInnen der Pädagogischen Hochschule bei der Eignungsfeststellung.

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