"Betrügerische Krida ist kein Hoppala"

22. Oktober 2007, 09:25
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Aussage gegen Aussage stand es am ersten Prozesstag in der Causa der Pleite gegangenen Disco "A2 Südpol". Angeklagt sind Mirko Kovats und zwei seiner Geschäftspartner

Die Verteidigung hat sich mit Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer aufgerüstet.

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Wien – "Wenn es Ihnen zu eng ist, können sie auseinanderrücken, vielleicht wollen sie sich dort drüben hinsetzen." Die drei Angeklagten, Mirko Kovats, Franz Mock und Wolfgang Gröger, schlugen das Angebot von Richter Wolfgang Fahrner aus. Vielleicht, weil die drei langjährigen Geschäftspartner mit Nähe kein Problem haben. Nun hat ihnen ihre Nähe eine Anklage wegen betrügerischer Krida eingebracht.

Böhmdorfer als Verteidiger

Der erste Prozesstag begann am Montag mit einer Überraschung: Die bis dahin aus den Anwälten Rainer Rienmüller und Bernd Eder bestehende Verteidigung hat sich um Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer verstärkt. Er verteidigt Franz Mock, den langjährigen Geschäftspartner des Gründers, Hauptaktionärs und Vorstandschef des börsennotierten Industriekonglomerats A-Tec Industries.

Böhmdorfer ging, noch vor Vortrag der Anklageschrift durch Staatsanwältin Gabriele Mucha, nicht gleich in medias res. Vorher beantragte er, dass der von ihm engagierte "Privat-Sachverständige", der das vom Gericht beauftragte Sachverständigengutachten auseinandernehmen sollte, im Saal 303 des Wiener Straflandesgerichts sitzen bleiben durfte und zwar direkt hinter den Anwälten, nicht als Zuhörer. Mucha versuchte das wohl zu verhindern, musste sich aber fügen.

Vorwürfe "mangelhaft"

An der Anklageschrift ließen die Verteidiger naturgemäß kein gutes Haar. Sie sei mangelhaft, von betrügerischer Krida, wie sie den drei Geschäftsleuten bei der Mitte der 1990er-Jahre gegründeten Discothek "A2 Südpol" im Multiplex-Kinocenter der Shopping City Süd (SCS) vorgeworfen wird, könne keine Rede sein.

Die Hauptstoßrichtung der auf einer Anzeige der SCS basierenden Anklage: Kovats, Gröger und Mock hätten über die in ihrem Einfluss stehenden Gesellschaften A2 Südpol Diskothekenbetrieb GmbH (wurde 1998 in die ähnlich lautende KEG umgewandelt und war persönlich haftender Gesellschafter der nachfolgenden E&I Immobiliendevelopment, Anm.), E&I und IAEG bei SCS und GiroCredit (heute Erste Bank) Gläubigerforderungen angehäuft, deren Tilgung verweigert und diese Gläubigerinteressen auch noch vorsätzlich geschädigt zu haben.

"Privat Geld zugeschossen"

Konkret hätte die Errichtungsgesellschaft E&I Immobilien Development (sie hat eine Lagerhalle im Multiplex um 94.000 Euro in eine Discothek umgebaut, Anm.), deren Geschäftsführer Kovats und Mock bis Ende 1997 waren, vom Discobetreiber A2 Südpol Mieten und Benützungsentgelt bekommen sollen. Da die Disco aufgrund der von der SCS zu behebenden Baumängel "schlecht gegangen" sei, wie Kovats und Mock in abgesonderten Befragungen schilderten, habe A2 Südpol Mieten und Benützungsentgelte nicht bezahlen können und in der Folge auch die E&I nicht an die SCS. Stattdessen hätten ohnehin sie, Kovats und Mock, persönlich Geld zugeschossen, um die E&I-Investitionen zu retten, wie sie beteuern. Rechnungen an die A2 Südpol hätten Kovats und Mock (über die E&I) deshalb gar nicht mehr ausgestellt, weil diese Forderungen nicht werthaltig gewesen wären und umgehend wertberichtigt hätten werden müssen. Daher sei beim A2-Südpol-Konkurs 1999 auch niemand vorsätzlich geschädigt worden.

Die Staatsanwältin hat die Anklage dagegen auf 392.000 Euro ausgedehnt, weil: "Betrügerische Krida ist kein ungewolltes Hoppala." Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Fortsetzung am Mittwoch. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.9.2007)

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    Das siegessichere Lächeln des Mirko Kovats gefror und wich langsam hörbarer Nervosität.

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