Napoleon, Hitler, Stalin: Dämonische Psychogramme

9. September 2007, 13:00
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Hatten ihre psychischen und körperlichen Befindlichkeiten einen Einfluss auf ihre politischen Entscheidungen?

Die Biographien von Napoleon, Hitler und Stalin haben den Lauf der europäischen Geschichte maßgeblich mitbestimmt und tun dies bis heute. Es handelt sich dabei um eine Geschichte kranker Gehirne, zweifelsohne. Von Anton Neumayr wurden nun die persönlichen Lebensläufe dieser "Dämonen der jüngeren Geschichte" einer medizinischen Analyse unterzogen.

Der Mediziner und Medizinhistoriker unternimmt in "Krankheiten großer Diktatoren. Diktatoren im Spiegel der Medizin" ein detaillierte Aufbereitung der Krankheitsgeschichte des jeweiligen Machthabers und setzt das historische Psychogramm in Relation zu den Lebensläufen der Eltern und der Großeltern. Er berücksichtigt dabei psychiatrische, psychohistorische und kriminalpsychologische Aspekte und zeigt immer wieder die Zusammenhänge zwischen körperlichen und seelischen Befindlichkeiten sowie den täglichen Entscheidungen der "Politiker" auf.

Diktatoren mit narzisstischem Größenwahn

Napoleon etwa soll sein ganzes Leben lang durch einen starken Juckreiz gequält worden sein, der von einem Stoff in seinem Blut ausging und ihn bereits im Knabenalter "reizbar, nervös, rasend und unbeherrschbar" machte.

Neben "Nekrophilie" und pathologisch nachweisbarer "Destruktivität" wird Hitler ein "sadomasochistisch autoritärer Charakter und Narzißmus" attestiert. Diese Krankheitsmerkmale äußerten sich mitunter darin, dass sich der "Führer, gleichsam in einer Art Vollnarkose befunden haben soll, als er sich Tobandaufnahmen seiner eigenen Reden anhörte".

Ähnlich dürfte sich auch die Biographie Stalins in seinem persönlichen und politischen Handeln niedergeschlagen haben: Neben Macht- und Verfolgungswahn ist der Größenwahn, die "Megalomanie", ein drittes kennzeichnendes Merkmal seiner paranoiden Persönlichkeit. Auch Stalin lebte in der ständigen Annahme, "ein an Geisteskraft die Mitwelt einsam überragendes Individuum zu sein."

Die Neuauflage von "Krankheiten großer Diktatoren" ist ein Buch, das sich nicht nur für medizinisch und historisch interessierte Personen anbietet. Wie der Autor selbst im Vorwort der Erstauflage schreibt, eignet es sich "vor allem für politisch denkende Menschen mit intaktem Sozialgewissen".

Überdies bekommt mit der Lektüre der "dämonischen Psychogramme" von Hitler, Stalin und Napoleon, der ohnehin höchst zweifelswürdige Spruch "mens sana in corpore sano" eine noch abscheulichere Bedeutung. (fratha)

Zum Autor:
Univ.-Prof. Dr. Anton Neumayr wurde 1920 in Hallein bei Salzburg geboren. Er war unter anderem Vorstand der 1. Medizinischen Klinik am Krankenhaus Rudolfstiftung in Wien und unterrichtete an der Universität Wien. Von 1986 bis 2000 war er Leiter der Ludwig-Boltzmann-Forschungsstelle für klinische Geriatrie. Neben seiner Tätigkeiten im Bereich der Medizin ist Anton Neumayr Pianist.

Anton Neumayr: Krankheiten großer Diktatoren. Diktatoren im Spiegel der Medizin, Marix-Verlag, 2007, 388 S.

Gewinnspiel

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    Napoleon litt sein Leben lang unter starkem Juckreiz.

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    cover: marix verlag
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